Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Annegret Kramp-Karrenbauer CDU-Chefin in Not – Merkels Schatten wird für AKK zum Problem

Annegret Kramp-Karrenbauer durchlebt schwere Monate. Die erhoffte Profilierung ist gescheitert, ihre Partei im Umfragetief und das Verhältnis zur Kanzlerin abgekühlt.
Kommentieren
Die CDU-Chefin hat in den vergangenen Monaten deutlich an Beliebtheit verloren. Quelle: dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer (links) und Angela Merkel

Die CDU-Chefin hat in den vergangenen Monaten deutlich an Beliebtheit verloren.

(Foto: dpa)

Berlin Es gibt Gesprächsrunden, die sind nicht nur wegen ihrer Teilnehmer spannend, sondern auch, weil jemand fehlt. So geschehen am Sonntagabend, als sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit den stellvertretenden Parteivorsitzenden und Generalsekretär Paul Ziemiak traf.

Nicht dabei: Kanzlerin Angela Merkel. Sofort wurde im politischen Berlin von einem Geheimtreffen gesprochen, auf dem Kramp-Karrenbauer die Zukunft der CDU ohne Merkel plane.

Die Beteiligten versuchten umgehend, die Bedeutung des Termins herunterzuspielen: Es sei ein Routinetreffen zur Vorbereitung des CDU-Parteitags Mitte November in Leipzig. Der Vorgang zeigt aber, wie nervös die Grundstimmung in der CDU derzeit ist.

Seit Wochen wabern Putschgerüchte und Spekulationen über ein Zerwürfnis zwischen Merkel und Kramp-Karrenbauer durch die Hauptstadt. Jede Handlung der beiden Alphafrauen der CDU wird mittlerweile sensibel abgeklopft.

Zuletzt konnte selbst Kanzleramtschef Helge Braun nicht überzeugend erklären, warum die Verteidigungsministerin nicht mit in die Kanzlermaschine in Richtung USA durfte. Er sprach im Haushaltsausschuss des Bundestags von „gewissen Gepflogenheiten“, ohne diese näher auszuführen.

Für viele war die Ausladung der augenscheinliche Beleg dafür, dass das Verhältnis zwischen Merkel und ihrer Wunschnachfolgerin an der CDU-Spitze sich deutlich abgekühlt hat.

Grafik

Kramp-Karrenbauer sah sich am Wochenende deshalb zu einer Klarstellung genötigt: „Für alle zum Mitschreiben: Es gibt kein Zerwürfnis zwischen Angela Merkel und mir“, sagte sie in einem Interview. Damit lenkte sie das Scheinwerferlicht erst recht auf das fragile Verhältnis zwischen ihr und der Kanzlerin. In CDU-Kreisen wurde das schon als nächster handwerklicher Fehler in der Kommunikation angesehen.

Die Liste der Schnitzer ist mittlerweile sehr lang. Da wirkte ihr missglückter Karnevalsauftritt noch relativ harmlos. Danach kam aber die berühmte Rezo-Panne. Der Youtuber hatte ein Video mit dem Titel „Die Zerstörung der CDU“ ins Netz gestellt.

Kramp-Karrenbauer trat eine unglückliche Debatte los, die in der Öffentlichkeit als Ruf nach Internetzensur wahrgenommen wurde. Sie verhagelte damit die heiße Wahlkampfphase der Union zur Europawahl.

Professionellere Außendarstellung

Hinterher erklärte die Kanzlerin, die sich aus dem Wahlkampf weitgehend herausgehalten hatte, süffisant: Das Wichtigste sei, „dass man erst mal offen darauf reagiert und nicht gleich abwehrt und sagt, ist alles nichts“. In ihren Wahlkämpfen traf Merkel auf Anraten ihrer Beraterinnen die damals führenden Youtuber. Das wirkte professionell.

Kramp-Karrenbauer hat offenbar ihr Kommunikationsproblem erkannt. Sie sucht scheinbar nach neuen Verantwortlichen, die ihre Außendarstellung professionalisieren und die Zusammenarbeit zwischen der Parteizentrale und dem Verteidigungsministerium verbessern. Im Konrad-Adenauer-Haus soll ein Newsroom die Kommunikation fit für das Zeitalter der sozialen Netzwerke machen.

Darüber wurde am Montag im Präsidium und Vorstand gesprochen. Man habe sich damit beschäftigt, wie „die CDU noch besser kommunizieren“ könne, sagte Ziemiak. Auch über den von Kramp-Karrenbauer berufenen Generalsekretär sind in der Partei zunehmend kritische Töne zu hören. Das Konrad-Adenauer-Haus wirke insgesamt „von der Rolle“, meint einer.

Die Merkel-Maschine läuft dagegen immer noch wie geölt. Die Kanzlerin macht das, was ihr schon immer Popularität gesichert hat: auf der internationalen Bühne auftreten. Bei der UN-Versammlung in New York traf sie US-Präsident Donald Trump, Irans Staatschef Hassan Ruhani und ihre EU-Kollegen.

Die Verteidigungsministerin reiste derweil mit dem fast leeren Truppentransporter zum Antrittsbesuch nach Washington. Ihrem US-Kollegen Mark Esper brachte sie eine historische Karte von Grafenwöhr mit, wo er einst als Soldat stationiert war. Ansonsten blieb das Treffen unter dem Aufmerksamkeitsradar, was auch am zeitgleichen Auflauf der Staats- und Regierungschefs in New York lag.

Kramp-Karrenbauer hat sich von Merkel in den Schleudersitz der Verteidigungsministerin drängen lassen. Es gab durchaus gewichtige Stimmen aus der Unionsspitze, die ihr geraten haben, „ein zukunftsgerichtetes Superministerium aus Wirtschaft und Bildung zu schneidern und die beiden schwach agierenden Amtsinhaber Peter Altmaier und Anja Karliczek rauszuwerfen“.

Es wäre aus dieser Perspektive ein machtpolitisches Signal Richtung Merkel gewesen, dass die CDU-Chefin mehr als nur ein Wörtchen bei der Besetzung der Kabinettsposten mitzureden hat.

Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Annegret Kramp-Karrenbauer - CDU-Chefin in Not – Merkels Schatten wird für AKK zum Problem

0 Kommentare zu "Annegret Kramp-Karrenbauer: CDU-Chefin in Not – Merkels Schatten wird für AKK zum Problem"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.