Anschlag in Berlin Amri-Chefermittler hatte reichlich Zeit für Nebenjobs

Wenn es um die Fehler im Fall Anis Amri geht, sprechen die Ermittler oft von Überlastung. Ihr Chef allerdings hatte offenbar reichlich Zeit – sogar für private Nebenjobs.
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Anis Amri: Chefermittler im Fall Anis Amri hatte Nebenjobs Quelle: Reuters
Breitscheidplatz

Die Dezernatsleitung sei oft nicht erreichbar, beschwerten sich Mitarbeiter des Berliner Islamismus-Dezernats.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfIm Fall Anis Amri ist den Behörden mehr als nur ein Fehler unterlaufen. Während seine Mitarbeiter hoffnungslos überlastet waren, hatte der Leiter des Berliner Islamismus-Dezernats offenbar trotzdem Zeit für private Nebenjobs. Wie „Zeit Online“ berichtet, beschwerten sich die Mitarbeiter sogar schriftlich bei ihrem Vorgesetzten, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.

Wie aus dem Bericht hervorgeht, hat Axel B. unter anderem als Seminarleiter für eine private Sicherheitsakademie gearbeitet. Dort wurde er offenbar als „Multitalent“ beworben, der neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Dezernatsleiter noch reichlich Zeit für weitere Aufgaben habe.

Die Mitarbeiter des Berliner Islamismus-Dezernats sahen das anders. Die Dezernatsleitung sei oft nicht erreichbar, die Überwachung aller Gefährder sei praktisch nicht umsetzbar gewesen. Der Berliner FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe sagte der „Zeit“: „Wenn Teile eines Dezernats überlastet sind, muss sich der Leiter darauf konzentrieren, dass das Problem behoben wird, wenn er seine Dienstpflicht erfüllen will.“

Genau diese Erfüllung der Dienstpflicht steht nun infrage. Während Dezernatsleiter B. offenbar in Frankfurt über das Thema „Notfallmanagement“ Vorträge hielt, wurde der spätere Attentäter Anis Amri nur lückenhaft observiert. Mitarbeiter des Islamismus-Dezernats verfassten laut dem Medium zwar einen Bericht über die Straftaten Amris und dessen Gefahrenpotential, doch die Dezernatsleitung sah offenbar keinen Anlass, den Fall weiter zu verfolgen und ließ Amri vom Radar verschwinden.

Warum Axel B. keine weiteren Überwachungsmaßnahmen anordnete, obwohl diese offenbar von einem zuständigen Gericht genehmigt worden waren, ist ebenso schleierhaft, wie die Frage, warum B. seine überlastete Abteilung so wenig im Griff hatte, und über Personalmangel, Überstunden und mangelhafte Überwachung einfach so hinwegsehen konnte.

Laut „Spiegel Online“ arbeitet B. mittlerweile nicht mehr als Dezernatsleiter, sondern wurde nach dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz zum Leiter der Abteilung 1 des Landeskriminalamtes befördert – zuständig für Kapitaldelikte.

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11 Kommentare zu "Anschlag in Berlin: Amri-Chefermittler hatte reichlich Zeit für Nebenjobs"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Aber hier zeigt sich doch nur die Spitze des Eisberges.
    Es ist doch mittlerweile Standard, dass Beamte umfangreich Nebentätigkeiten nachgehen.
    Ehrlich gesagt, ist dieses so nicht nachzuvollziehen. Wenn so viel Zeit für gut bezahlte Nebenjobs übrig ist, heißt das doch ganz klar, dass die Leute nicht ausgelastet sind. Für was dann monatlich ein Gehalt gezahlt wird, bleibt unklar.
    Und ein weiterer Punkt ist dann, dass aus der Verwaltung & Co stets Klagen über zu viel Arbeit kommt und die Bearbeitungszeiten immer länger werden.
    Lösung :
    Nebenjobs verbieten !

  • @Löwenstein

    Nein Herr Löwenstein, es waren nicht mehrere Beamte in ihren Stuben und haben darauf gewartet, den Herrn Amri zu überwachen, haben aber kein "go" vom Chef bekommen, weil der nicht da war.

    Die Mitarbeiter haben sich über die Zustände beschwert, wahrscheinlich Überstunden etc. Sprich, mit dem Heren im Amt oder ohne ihn... für die Überwachung von Amri war gar niemand da, weil es für diese Anzahl von Gefährdern nicht mal annähernd Stellen gibt! Und dieses russische Roulette war Angies Grenzöffnung, und sonst gar nichts!

  • @Löwenstein

    Nein Herr Löwenstein, es waren nicht mehrere Beamte in ihren Stuben und haben darauf gewartet, den Herrn Amri zu überwachen, haben aber kein "go" vom Chef bekommen, weil der nicht da war.

    Die Mitarbeiter haben sich über die Zustände beschwert, wahrscheinlich Überstunden etc. Sprich, mit dem Heren im Amt oder ohne ihn... für die Überwachung von Amri war gar niemand da, weil es für diese Anzahl von Gefährdern nicht mal annähernd Stellen gibt! Und dieses russische Roulette war Angies Grenzöffnung, und sonst gar nichts!

  • Da dieser Mensch es versäumt hat, seine Arbeit zu tun, sind vermutlich wegen der nicht erbrachten Arbeit 12 Menschen gestorben.

    Dieser Mensch sollte aus dem Beamtentum entlassen werden, so dass er jetzt seine Zeit komplett seinen Nebenjobs widmen kann.

    Wenn ich Angehöriger eines Opfers wäre, würde ich eine Anzeige wegen Dienstpflichtverletzung einreichen.

    Auf jeden Fall gehört der entlassen ...

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Der Bericht bestätigt meine Meinung zu Beamten! Manchmal frage ich mich wirklich ob solche Berichte nicht auch aus irgendeiner Bananenrepublik stammen könnten? Verbeamtet und danach ist alles egal, denn es kann einem ja nichts mehr passieren. Bezüge und Pension sind gesichert so lange man nicht selbst kündigt....

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

  • Wie schön, dass der Mann jetzt ein anderes Aufgabenfeld leitet. Ermittlungen bei Kapitalverbrechen kann man doch auch schön an die Wand fahren. Das soziale Fangnetzt für unfähige Spitzenmanager, ob Beamte, Politiker oder die Spitze der Deutschen Bank funktioniert ja hervorragend. Letztere kriegen dazu auch noch höhere Boni. Helau und Alaaf.

  • .... "wurde nach dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz zum Leiter der Abteilung 1 des Landeskriminalamtes befördert"
    WENN MAN MIST BAUT - WIRD MAN BEFÖRDERT
    WENN MAN GANZ VIEL MIST BAUT - BUNDESKANZLER

    ARMES DEUTSCHLAND

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