Antisemitismus in Deutschland „Oh, guck mal, ein Jude!“

„Kindermörder“, „Juden-Schwein“: André ist fassungslos, wenn er mal wieder beschimpft wird – weil er Jude ist. Mit „neuem Antisemitismus“ hat das nichts zu tun. Denn beleidigt wird er nicht erst seit dem Gaza-Konflikt.
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André, 26: „Die Kippa erinnert mich daran, diszipliniert zu sein, moralisch gut zu handeln.“ Quelle: Maike Freund

André, 26: „Die Kippa erinnert mich daran, diszipliniert zu sein, moralisch gut zu handeln.“

(Foto: Maike Freund)

DüsseldorfWut kocht in ihm hoch. Und Hilflosigkeit. Immer dann, wenn ihm wieder einer etwas hinterherruft, was judenfeindlich ist. Dann ist da dieses elendige Gefühl in ihm, dieses Gefühl, sich nicht zur Wehr setzen zu können. Meistens reagiert er nicht. Nicht auf „Juden-Schwein“ oder „Kindermörder“, nicht auf Pöbeleien und Verachtung, auch nicht, als einer vor ihm ausspuckt. Nur manchmal kann er die Wut nicht zurückhalten. Dann schimpft er zurück.

André ist 26. Mit seinen hellbraunen Haaren, dem Drei-Tage-Bart, den braunen Augen und der schwarzen Brille, der schlaksigen Gestalt und dem nachdenklichen Blick fiele der Student im Café Miss Moneypenny in Düsseldorf oder sonst wo nicht weiter auf. Trüge er nicht die Kippa. Sie ist der Grund, weshalb André Aufmerksamkeit auf sich zieht. Denn André ist Jude – und die Kippa kennzeichnet ihn.

Dass er die Kopfbedeckung trägt, liegt natürlich an seinem Glauben, er trägt sie nicht aus Patriotismus. „Die Kippa erinnert mich daran, diszipliniert zu sein, moralisch gut zu handeln“, sagt André. Sie sei ein Teil von ihm, der seine Persönlichkeit unterstreiche, ein Ausdrucksmittel. So wie manche Homosexuelle ihrer Sexualität mit der Regenbogenfahne Ausdruck verleihen würden. So ähnlich sei das bei ihm.

Er will nicht auf seine Kippa verzichten, nur weil sie die Aufmerksamkeit auf ihn zieht – manchmal mehr als ihm lieb ist. Er sagt: „Wir leben in Deutschland im Wohlstand, in einer behüteten Gesellschaft, in der wir nur sehr wenig verteidigen müssen.“ Nur, weil die Kippa Probleme mache, würde er sie nie ablegen wollen. „Manche Freiheiten muss man jeden Tag wieder verteidigen. Das ist dann eben der Preis.“

Zwei Tage nach Beginn der israelischen Gaza-Offensive steht André vor einem der Kühlregale in einem Supermarkt in Düsseldorf-Bilk, um Milch zu kaufen – wieder mit Kippa. Ein Mann neben ihm mustert ihn. Gut gekleidet, im Anzug, beschreibt André ihn. Er denkt sich nichts dabei. Denn André wird oft gemustert. Dann schreit der Mann ihn an, mitten im Supermarkt: „Du Scheiß-Jude, du Kindermörder.“

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41 Kommentare zu "Antisemitismus in Deutschland: „Oh, guck mal, ein Jude!“"

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  • Nach den Ereignissen der letzten Wochen muss man sich wirklich wundern. Sind wir wieder zurück in den 30er-Jahren? Zurück in der Weimarer Republik? Ein fanatisierter Mob tobt durch die Straßen, brüllt "Tod den Juden", geht auf Passanten los, die irgendwie jüdisch aussehen oder für Israel Partei ergreifen. Und die Polizei schreitet nicht ein. Willkommen in Deutschland 2014.
    Ok, der neue Judenhass hat in Europa meistens einen Migrationshintergrund. Viele Umfragen der letzten Jahre haben diese Verbindung ganz klar bestätigt, auch wenn unsere Medien es nicht für nötig hielten, diese zu veröffentlichen.
    Ich persönlich habe mich oft gefragt, wie konnte es in Deutschland vor 75 Jahren so weit konnte. Die letzten Tage geben vielleicht eine Antwort darauf. Denn mindestens genauso erschreckend wie der öffentlich ausgelebte Judenhass ist das Schweigen wie auch das Unterstützen vieler Deutsche (häufig aus dem linken Umfeld). Man könnte fast den Eindruck bekommen, viele sind froh, dass ihnen die Drecksarbeit diesmal von den Zugewanderten abgenommen wird.
    Klar, nicht jeder Israelkritiker ist ein Judenhassen. Interessanterweise regt sich aber kein Protest, wenn Sunniten und Schiiten einander massakrieren oder wenn im Irak Häuser von Christen mit einem N für Nasrani markiert werden damit diese nach der Vertreibung der IS zufallen.
    Noch ein wichtiger Punkt: Es ist NICHT so, dass der verbreitete Antisemitismus (besonders in der arabischen Welt) eine Folge des Nahostkonflikts ist. Er benutzt den Nahostkonflikt nur als Tarnfarbe und Vorwand.

  • André wird in englisch angesprochen, weil man ihn für einen Israeli hält. Da nur die wenigsten Juden in Deutschland mit einer Kippa bekleidet sind hält man André für einen Israeli - und setzt ihn mit der Politik dieses Landes (Israel) gleich.
    Ja, viele in Deutschland sind wütend auf Israel. Auf einen Staat der gegründet wurde von Menschen die Ausgrenzung, Hass, KZ erlebt hatten - oft am eigenen Leib. Wie können solche Menschen dazu beitragen, dass der Staat genau so (fast) mit den Palästinensern umgeht? Und - wir in Deutschland müssen noch heute an Israel zahlen. Doch was wird mit unserem Geld gemacht? Raketen auf UN-Schulen geschossen - Mauern um Gaza gezogen. Ja, das macht mich wütend!
    Aber wehe es wagt jemand in der Öffentlichkeit etwas gegen Israel zu sagen - schon schreit eine Frau Knoblauch "Nazi".
    Kritik - auch massive muss erlaubt sein! Sonst entläd sich die aufgestaute, berechtigte Wut an unbeteiligten Andrés.

  • Auch wenn man es noch so oft schreibt: Antisemitismus und Judenhass sind zwei unterschiedliche Dinge. Ersteres umfasst alle semitischen Völker und ist demnach nicht auf Juden beschränkt. Man würde ja einen Deutschlandhasser auch nicht als antieuropäisch bezeichnen...Humanitäre Katastrophe ist genauso unsinnig

  • André mit der Kippa ist dem Leser offensichtlich egal,
    die Moslems und die Folgen eben nicht, da kann der Herr Handelsblatt noch so viele Leserbeiträge löschen.

  • Religion
    Immer wenn die Religion ins Spiel kommt flippen die Leute aus. Egal ob 1618 vor dem 30 jaehrigen Krieg, in Indien/Pakistan oder in Nah Ost. Leute die meinen ihre religoese Orientierung oeffentlich zur Schau stellen zu muessen tuen sich und der Gesellschaft keinen Gefallen. Was dabei raus kommt sehen wir jeden Tag. Sollen sie doch nach Israel, Gaza, Afganistan oder Iraq gehen und sich gegenseitig abschlachten anstatt hier Probleme zu verursachen. Das gilt fuer alle Religionsfanatiker, nicht nur Muslime oder Juden.

  • Ich verfolge die Entwicklung in Israel, seit dem ich 1971 im Kibbutz Hanita einer deutschen Jüdin begegnete, die als Überlebende von Birkenau mein Verhältnis zu Nazis geprägt hat und mich veranlasste, mich mit der "Pädagogik des Nationalsozialismus" studienhalber zu beschäftigen, um zu verstehen, "was Menschen solches tun macht". Ich weiß, falsches Deutsch, aber absichtlich, weil besser erklärend.
    Die sozio-ökonomische Desintegration, die in Israel, den USA, Europa etc. in der Folge der Transformation des klassischen Kapitalismus in die moderne Form des Kannibalkapitalismus (Finanzspekulations- und –anlagenbetrugswirtschaft mit deren kriminellen Weiterungen der Steuerhinterziehungs-, -verkürzungs-, -optimierungs- und –umgehungs-, Subventions-, Korruptions- und Einfuhrumsatzsteuer-/Zoll- sowie Geldwäschebetrugskriminalität) stattgefunden und die gesellschaftliche Spaltung in ca. 10-25% „haves“ sowie 75-90% „have nots“ realisiert hat, bildet die Grundlage, auf die die modernen Nazis gezüchtet werden, weil „wer nicht leiden will, hassen muss.“
    Dieser Buchtitel von Hans Eberhard Richter beschreibt die Entstehungsmechanismen der neue deutschen Nazis, der muslimischen Gotteskrieger und eines sich selbst verurteilenden und beleidigenden Untermenschen, der es nicht verstand/versteht, sich vermittels der organisierten Kriminalität der Neuen Sozialen Marktwirtschaft (in Deutschland), der Plutonomy (in den USA) zu den Gewinnern und neuen Herrenmenschen zu machen.
    Und in Israel? Die neuen Untermenschen in Israel müssen ein Leben wie in der Hölle führen, weil sie von muslimischen Massenmördern und von israelischen Herrenmenschen in die Zange genommen, wohl eben so keine erkennbare Zukunft haben, wie die neuen Untermenschen in Deutschland, denen über kurz oder lang das gleiche Schicksal droht.
    Deutsch-israelische Gemeinsamkeit, über die nicht gesprochen werden darf?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hier geht es längst um die abendländisch Kultur die durch die Ansiedelung von Moslems zerstört werden soll.

  • Menschenverachtend? Sie müssten dann den Islam an erster Stelle nennen. Wer hat den Auftrag: "Tötet Andersgläubige"? Wer greift mörderisch Israel täglich an mit Raketen? Die Islamgläubigen. Wer versteckt sich hinter Zivilisten? Die islamischen Mörder. Wer finanziert die Raketen und hilft beim Embargoverstößen? Deutschland! Was machen die Kapitäne? Man hat den Eindruck sie lassen sich für das Wegsehen bezahlen!

  • Es ist auch mehr als eigenartig, dass wir mal wieder als Antisemiten beschimfpt wrden, dass die Politik das Thema hohkocht.
    Aber zu der Demo in Berlin, von Mulimen, die Tod den Juden wünschten usw., dazu hbe ich aus dr Politik nichts gehört
    Als letzte Woche die Mosche in Wuppertal geschändet wurde, war weder von der Kanzlerin noch von diesem Gauckler was zu hören.
    Aber klar, es waren bei dr Demo udn wohl auch in Wuppertal, Muslime und die haben einen hohen Stellenwert bei der Politk, einen höheren als wir Deutschen.
    Wenn die Politik nicht endlich umdenkt, befürchte ich, dann gibt es Mord- und Totschlag in Deutschland
    Will man das?
    Also liebe Presse, mal drüben nachdenken und umsteuern

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