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AOK-Krankenhausreport Jeder zweite auf der Intensivstation beatmete Corona-Patient starb – Was bei einer dritten Welle droht

Der AOK-Report gibt einen Überblick zur Lage in den Krankenhäusern während der Pandemie. Mediziner fürchten weiterhin volle Intensivstationen – aber mit einer anderen Patientenstruktur.
30.03.2021 Update: 30.03.2021 - 12:32 Uhr 3 Kommentare
Was kommt auf die Intensivstationen zu? Quelle: dpa
RKH Klinikums Ludwigsburg

Was kommt auf die Intensivstationen zu?

(Foto: dpa)

Berlin Mit den steigenden Infektionszahlen wächst auch die Sorge davor, dass die Intensivstationen überlaufen. „Wir rennen sehenden Auges ins Verderben“, warnte kürzlich Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi).

Der heute vorgestellte AOK-Krankenhausreport unterstreicht nun diese Befürchtung. Die Erhebung liefert erstmals eine breite Datenbasis zur Lage in den Krankenhäusern während der ersten und zweiten Pandemiewelle. „So ist es möglich, die Beatmungs- und Verweildauern patientenbezogen zu bestimmen und die Sterblichkeit korrekt zu ermitteln“, sagte Jürgen Klauber, Geschäftsführer des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido).

Die Erhebung ist auch deswegen interessant, weil es bislang keine ausführlichen Daten zur Lage in den Krankenhäusern gibt, obwohl diese zur Begründung von verschärften Corona-Maßnahmen herangezogen wird.

Wie das Divi warnt auch das Robert Koch-Institut davor, dass die Lage auf den Intensivstationen vor allem deswegen so angespannt sei, weil die Covid-19-Patienten jünger und länger krank seien. Die Annahmen beruhen allerdings auf Erfahrungswerten aus einzelnen Krankenhäusern, nicht auf flächendeckenden Erhebungen.

Der Krankenhaus-Report wiederum speist sich aus Abrechnungsdaten von rund 52.000 AOK-versicherten Covid-19-Patienten zwischen Februar und November 2020, als es noch keine Impfungen gab. Bereits im Sommer erhob die Krankenkasse Daten nach der ersten Pandemiewelle, die sich nun bestätigen.

Jeder zweite beatmete Patient jünger als 70

14 Prozent der Covid-19-Fälle mussten demnach auf den Intensivstationen beatmet werden. Rund die Hälfte davon war jünger als 70 Jahre, ein Viertel jünger als 60. Zudem sind Männer deutlich häufiger von einem schweren Verlauf der Erkrankung betroffen als Frauen: 66 Prozent der Patienten mit Beatmung waren Männer. „Damit wird schon deutlich, dass sich bei steigenden Infektionszahlen in der dritten Welle die Intensivstationen schnell mit noch nicht geimpften Menschen mittleren Alters füllen können“, sagte Wido-Geschäftsführer Klauber.

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Dies würden auch die hohen Beatmungsquoten und langen Beatmungszeiten verdeutlichen. Covid-19-Patienten zwischen 50 und 79 Jahren müssten nicht nur am häufigsten, sondern mit im Durchschnitt 16 Tagen auch am längsten beatmet werden. Im Schnitt liege die Beatmungszeit bei zwei Wochen.

„Hinzu kommt mit Blick auf die Auslastung der Intensivstationen, dass sich die Patienten hinsichtlich der Beatmungsdauer sehr stark unterscheiden“, sagte Klauber. So verbleiben zehn Prozent der beatmeten Patienten länger als zwei Monate dort. Ein Viertel dieser Patienten ist mindestens sechs Wochen in der Klinik.

Der Report liefert auch Erkenntnisse über die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten. Rund jeder zweite beatmete Patient ist demnach verstorben, in der Altersgruppe ab 80 Jahren starben gar 72 Prozent der Patienten, in der Gruppe der 70- bis 79-Jährigen waren es 60 Prozent.

Bedenklich: Fast jeder Fünfte wurde laut der Studie in einem Krankenhaus mit unterdurchschnittlicher Beatmungserfahrung behandelt. Hier brauche es einen flächendeckenden Stufenplan, forderte Klauber. Zuerst sollten die erfahrene Häuser mit Covid-19-Behandlungen betraut werden. „Und dann gilt es, die Krankenhäuser, je mehr Betten man braucht, nach der Erfahrung zuzuschalten in der Versorgung.“

„Die dargestellten Daten zur Covid-19-Population im Krankenhaus gilt es in der laufenden dritten Welle im Blick zu halten – insbesondere, solange nur eine kleine Gruppe der älteren Menschen geimpft ist und sich Virusmutationen auswirken, die mit höheren Infektionsrisiken einhergehen und die Sterblichkeit erhöhen“, sagte Klauber.

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Allerdings zeigt der Report, dass die Sterberate und der Anteil der beatmeten Patienten in der zweiten Pandemiewelle leicht gesunken ist. Der Anteil der beatmeten Patienten an den Covid-19-Patienten im Krankenhaus sank demnach von 17 Prozent auf 14 Prozent, die Krankenhaussterblichkeit von 21 Prozent auf 18 Prozent.

Dies sei unter anderem auf verbesserte Therapien zurückzuführen. Die Ergebnisse bestätigen Beobachtungen aus dem Divi-Register. Auch dies registriert auf Intensivstationen Lehren aus der ersten Welle und Fortschritte beim Vermeiden schwerer Krankheitsverläufe.

Die Coronapandemie hatte offenbar auch zur Folge, dass die Zahl der Behandlungen von Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten in der ersten und zweiten Welle stark zurückging. Von Ärzten sei verstärkt darauf hingewiesen worden, „dass Herzinfarkt-Patienten gehäuft verspätet und mit fortgeschrittener Schädigung des Herzens im Krankenhaus angekommen sind“, sagte Klauber.

Auch die Zahl der Krebsbehandlungen ging laut Report zurück, was Anlass zur Sorge sei. Menschen mit Symptomen sollten sich nicht scheuen, sofort den Rettungsdienst zu alarmieren und sich in ärztliche Behandlung zu begeben, erklärte Klauber.

Mehr: Die dritte Corona-Welle rollt in Deutschland – Wie gefährlich ist sie?

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3 Kommentare zu "AOK-Krankenhausreport: Jeder zweite auf der Intensivstation beatmete Corona-Patient starb – Was bei einer dritten Welle droht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wir sollten uns von dem Gedanken befreien, dass wir jeden retten können. Das ging vor Corona nicht und wird jetzt auch nicht gehen. Es sterben jedes Jahr ca. +- 900.000 Menschen in Deutschland. Die meisten davon im hohen Alter. Das sind im übrigen ca. 75.000 pro Monat oder 2.500 pro Tag. Das ist normal und das ist auch gut so! Nicht jeder kann 85+ Jahre alt werden.

    Btw: Es ist wahrscheinlicher, dass man wegen einem Unfall ins Krankenhaus kommt, als wegen einer Corona Infektion.
    (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/268438/umfrage/anteil-der-personen-mit-unfallbedingtem-krankenhausaufenthalt-in-deutschland/)

  • Vorab - einer der Erfahrungen in vielen Krankenhäusern - z.B. in Moers - war in der sog. ersten Welle, dass der Verzicht auf diese "Druckbeatmung" Leben gerettet hat.

    Ferner sind es fehlgeleitete Diskussionen, wenn Intensivbetten in der Größenordnung von ca. 5.000 mitten in einer angeblichen Jahrhundertpandemie abgebaut werden und 34 Kliniken in Deutschland 2020 geschlossen wurden.
    Wenn das Pflegepersonal doppelte Gehälter bekäme, wäre dies noch viel, viel billiger als diese Lockdown-Diskussionen auf Grund von Befürchtungen und Ängsten. Das schon seit Jahrzehnten angesprochene aber nie gelöste Problem des mangelnden Personals wäre erledigt.
    Aber, offensichtlich geht es den staatlichen Bürokraten und Entscheidungsträger offensichtlich nicht um die Lösung von Problemen sondern um das ständige darüber reden - liegt nicht in ihren beruflichen Genen.

    Seit einem Jahr warten wir auf verlässliche Daten über Infizierte (nicht mit PCR-positiv-Getestete) und DURCH Corona verstorbene Menschen in welchem Alter.

    Wenn wir diese hätten wäre vielleicht diese ganze Pandemie vorbei und die Wichtigkeit dieser Herrschaften so nicht mehr gegeben. Angst und Hysterie ist eben wichtiger aufrecht zu halten.

    Hoffentlich wird diese Episode mal aufgearbeitet.

  • Schon spannend, wie viel Aufmerksamkeit die ganzen Befürchtungs-Fetischisten derzeit so im allgemeinen bekommen...

    Meine ganzen Handlungen nur noch unter das Credo "ich befürchte dies und das und jedes" zu stellen bedeute im Kern eine Absage ans Leben.

    Ich will NICHT mein Bewusstsein an solche Destruktionsbeauftragten verschwenden.

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