Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

AOK-Pflegereport Übersterblichkeit, Isolation: Studie zeigt dramatische Corona-Folgen für Pflegeheim-Bewohner

Während der ersten und zweiten Coronawelle stieg die Zahl der Sterbefälle in Pflegeheimen massiv an, zeigt der Pflegereport der AOK. Er enthält auch Lehren für die Zukunft.
29.06.2021 - 12:40 Uhr Kommentieren
Physisch und psychisch hatte die Corona-Krise dramatische Auswirkungen. Quelle: dpa
Pflegeheim in NRW

Physisch und psychisch hatte die Corona-Krise dramatische Auswirkungen.

(Foto: dpa)

Berlin Die Sterblichkeit von Bewohnerinnen und Bewohnern der Pflegeheime in Deutschland ist in den ersten beiden Pandemiewellen drastisch angestiegen. Das geht aus dem Pflegereport des Wissenschaftlichen Instituts (WIdO) der AOK hervor.

Demnach lag die Zahl der Krankheiten mit tödlichem Ausgang bereits rund drei Wochen nach dem Start des ersten Lockdowns Anfang April 2020 um 20 Prozent höher als im Vorjahr. In den ersten Monaten der zweiten Pandemiewelle ab Oktober lag das Niveau gar durchschnittlich 30 Prozent höher und in der Spitze bei 80 Prozent. In dieser Zeit verstarben durchschnittlich 13 von 1000 Pflegeheimbewohnern.

Antje Schwinger, WIdO-Leiterin für den Forschungsbereich Pflege und Mitautorin des Reports, sagte: „Die Infektionsschutzmaßnahmen während der Pandemie reichten nicht aus, um die im Heim lebenden pflegebedürftigen Menschen ausreichend zu schützen.“

Auch die Einschränkungen für pflegebedürftige Menschen im stationären Bereich waren laut einer Angehörigen-Befragung des WIdO in der ersten Pandemiewelle deutlich spürbar.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Demnach war für 43 Prozent der befragten Angehörigen ein persönlicher Kontakt zu den Pflegebedürftigen zwischen März und Mai 2020 nicht möglich. Nach Angaben der Bezugspersonen war es 16 Prozent der pflegebedürftigen Personen außerdem nicht möglich, das eigene Zimmer zu verlassen, weiteren 25 Prozent war es nur selten möglich.

    Studie: Verschlechterung der geistigen Fitness sichtbar

    Seitens der pflegebedürftigen Personen berichteten mehr als 70 Prozent über häufigere Gefühle von Einsamkeit und Alleinsein. Ähnlich oft wurden häufigere Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit sowie eine Verschlechterung der geistigen Fitness der pflegebedürftigen Person (61 Prozent) angegeben. Auch eine verringerte Beweglichkeit beim Gehen, Aufstehen oder Treppensteigen (56 Prozent) wurde aufgeführt.

    „Die ergriffenen scharfen Isolationsmaßnahmen in den Pflegeheimen in der ersten Pandemiewelle haben dramatische Auswirkungen für die Pflegebedürftigen, und zwar physisch und psychisch“, so Schwinger. Insgesamt wurden im Zeitraum vom 26. Oktober bis 13. November des vergangenen Jahres 1012 Angehörige befragt, rund 500 hiervon waren Bezugspersonen von stationär Pflegebedürftigen.

    Maßnahmen, die die pflegebedürftigen Menschen vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen sollten, führten dem Report zufolge gleichermaßen zu erheblichen Einschnitten in der Versorgung sowie in der Folge zu starker sozialer Isolation und einer Zunahme psychischer Belastungen.

    Schwinger forderte: „Deshalb muss untersucht werden, wie Isolation, Kontaktsperren zu Angehörigen und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner beeinflussten und welche technischen, baulichen, rechtlichen und personellen Veränderungen und Ressourcen benötigt werden, um zu vermeiden, dass sich eine solche Situation wiederholt.“

    Was auf keinen Fall noch einmal zur Gefährdungsvermeidung herangezogen werden dürfe, sei die generelle Isolierung alter Frauen und Männer von der Außenwelt und ihren Angehörigen. „Wir sollten – die Situation der Betroffenen vor Augen – die Pandemie zum Anlass für einen breiten gesellschaftlichen Diskurs nehmen, was uns eine menschenwürdige Versorgung im Alter als Gesellschaft wert ist”, heißt es.

    Mehr: 24-Stunden-Betreuung: Bundesarbeitsgericht bestätigt Anspruch auf Mindestlohn – auch für Bereitschaftszeiten.

    Startseite
    Mehr zu: AOK-Pflegereport - Übersterblichkeit, Isolation: Studie zeigt dramatische Corona-Folgen für Pflegeheim-Bewohner
    0 Kommentare zu "AOK-Pflegereport: Übersterblichkeit, Isolation: Studie zeigt dramatische Corona-Folgen für Pflegeheim-Bewohner"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%