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AOK-Studie Belastung statt Freiheit: Homeoffice kann krank machen

Im Homeoffice verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben. Das birgt auch gesundheitliche Risiken, wie eine Untersuchung der AOK zeigt.
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Homeoffice kann krank machen Quelle: dpa
Frau im Homeoffice

Jeder Dritte mit Homeoffice verlegt häufig Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende.

(Foto: dpa)

Berlin Das Büro in den eigenen vier Wänden hat viele Vorteile: Das Pendeln entfällt, die Zeiteinteilung ist freier, der Arbeitsablauf oft ungestörter. Doch die Tätigkeit im Homeoffice kann auch psychisch belastend sein und krank machen, wie eine aktuelle Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) zeigt.

Etwa 74 Prozent der Befragten, die häufig im Homeoffice arbeiten, fühlten sich demnach in der letzten Zeit erschöpft. Bei Beschäftigten, die ausschließlich im Büro tätig sind, lag der Anteil hingegen bei 66 Prozent. Beschäftigte im Homeoffice klagten zudem häufiger über Nervosität, Lustlosigkeit, Schlafstörungen und Selbstzweifel. Für die Studie hat das Institut rund 2000 Beschäftigte zwischen 16 und 65 Jahren befragt.

Die Grenze zwischen Job und Privatleben verschwimme stärker, wenn Beschäftigte von zuhause arbeiten, sagt der stellvertretende WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder. „Damit wächst das Risiko, dass Erholungsphasen schrumpfen,“ führt er fort.

Der Studie zufolge verlegt jeder Dritte mit Homeoffice häufig Arbeitszeit auf den Abend oder das Wochenende. Fast ein Fünftel der betroffenen Befragten berichtet über Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeitszeit und Freizeit oder über Anrufe beziehungsweise E-Mails des Arbeitgebers außerhalb ihrer Arbeitszeiten.

Mehr als jeder dritte Beschäftigte, der auch im Homeoffice arbeitet, hat nach eigenen Angaben Probleme, nach Feierabend abzuschalten – bei Beschäftigten im Betrieb nur jeder Vierte. Auch im Urlaub kommt die Erholung nicht selten zu kurz: Rund 25 Prozent der Homeoffice-Befragten denken in den Ferien manchmal an Jobprobleme, bei Inhouse-Arbeitenden sind es nur gut 13 Prozent.

Dennoch hätten flexible Arbeitsbedingungen auch gute Seiten, sagt Schröder. Die Studie zeigt, dass viele Befragte mit Homeoffice die Autonomie schätzen und zuhause konzentrierter arbeiten können als im Betrieb.

Die Digitalisierung befeuert den Trend zum Homeoffice. Ob sich durch die Veränderungen „gesundheitsförderliche oder gesundheitsschädigende Effekte ergeben, ist wesentlich von der konkreten Gestaltung der Arbeit abhängig und von den digitalen Kompetenzen der Menschen“, sagt Antje Ducki, Professorin an der Beuth Hochschule für Technik und Mitherausgeberin der Studie.

Auch WIdO-Vizechef Schröder fordert, dass der Rahmen für Tätigkeiten im Homeoffice stimmen müsse. Das Gesundheitsmanagement in Unternehmen müsse die externen Beschäftigten stärker berücksichtigen. Bislang würden betriebliche Gesundheitsprogramme „oft an den Werkstoren“ enden, sagt er. Auch die Führungskräfte müssten dafür sensibilisiert werden, „dass Mitarbeiter im Homeoffice andere Herausforderungen haben als die Kollegen, die man jeden Tag im Büro sieht“.

Die Grünen forderten die Große Koalition zum Handeln auf. „Homeoffice braucht klare Regeln zum Schutz der Beschäftigten vor psychischen Belastungen“, erklärten die Sprecherinnen der Grünen-Bundestagsfraktion für Arbeitnehmerrechte und Gesundheitspolitik, Beate Müller-Gemmeke und Maria Klein-Schmeink. Die Entwicklung dürfe „nicht dazu führen, dass die Arbeitszeit sich immer weiter entgrenzt.“

Auch im Homeoffice und bei der mobilen Arbeit gelte das Arbeitszeitgesetz. „Hier muss die Bundesregierung schnellstmöglich für Klarheit sorgen,“ so die Grünen-Sprecherinnen.

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