Appell an die Kanzlerin Zweifel an Merkels Euro-Rettungspolitik wachsen

In der deutschen Wirtschaft regt sich Widerstand gegen die Euro-Politik der Kanzlerin. Merkel solle für die Krisenbewältigung nicht jeden Preis zahlen, meinten Wirtschaftsverbände. Auch wenn der Euro scheitern sollte.
Update: 10.08.2012 - 13:15 Uhr 125 Kommentare
Angela Merkel. Quelle: dapd

Angela Merkel.

(Foto: dapd)

BerlinErstmals meldet sich in der Euro-Debatte jetzt auch das deutsche Handwerk zu Wort. Sein Zentralverband appelliert an die Bundesregierung, für die Rettung nicht jeden Preis zu zahlen. "Die Stabilisierung der Währungsunion ist kein Ziel an sich, das ungeachtet aller damit verbundenen Kosten verfolgt werden kann und darf", schreibt Verbandspräsident Otto Kentzler in einem Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor kurzem erst mit Frankreichs Präsident François Hollande und dann mit Italiens Ministerpräsident Mario Monti versprochen, alles zu tun, um den Euro zu retten. Notenbankchef Mario Draghi hatte ebenfalls zugesagt, die EZB werde innerhalb ihres Mandates alles tun, um den Euro zu erhalten.

Handwerkspräsident Kentzler, der rund eine Million Betriebe und fünf Millionen Beschäftigte in Deutschland vertritt, warnt dagegen vor solchen Versprechen: "Die Kosten dürfen keinesfalls größer werden als der Nutzen." Sonst drohe die Zustimmung der Bürger zu schwinden.

Der Präsident des Familienunternehmer-Verbands, Lutz Goebel, begrüßte ausdrücklich die Position des Handwerkverbands. „Es wird deutlich, dass die eigentümergeführten Unternehmen in Deutschland die Risiken der falschen Euro-Rettung klar benennen können“, sagte Goebel Handelsblatt Online. „Wir Eigentümer-Unternehmer müssen langfristig denken, daher wissen wir: Sobald jemand nicht mehr selber für sein Tun haften muss, geht alles den Bach runter.“

Auch die Überweisung von Hilfen an Spanien ohne generelle Auflagen und die Tatsache, dass Griechenland die gesetzten Auflagen nicht erfülle, falle unter diese Kategorie. „Moral hazard  ist die Überschrift über diese bisherige Art der Euro-Rettung“, sagte Goebel und fügte hinzu: „Bundeskanzlerin Merkel muss bei diesem Sittenverfall standhafter gegenhalten.“

Das Handwerk und die Familienunternehmer können sich durch eine aktuelle Umfrage, die von der ARD durchgeführt wurde, bestätigt sehen, wenn es davor warnt, die Hilfszusagen Deutschlands überzustrapazieren. Aus Sicht der meisten Deutschen steht danach Kanzlerin Merkel die Feuerprobe noch bevor: 84 Prozent denken laut dem Deutschland-Trend, dass der schlimmste Teil der Euro-Krise erst noch kommt.

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125 Kommentare zu "Appell an die Kanzlerin: Zweifel an Merkels Euro-Rettungspolitik wachsen"

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  • 'popper? sagt
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    Da Sie den Drang haben ihr Wissen hier auszubreiten nur der Hinweis: Nettes Geschäft: Banken leihen sich zu ein Prozent Geld bei der EZB, kaufen damit Bonds mit 4,8% und hinterlegen die dann beim nächsten LTRO bei der EZB als Sicherheit, um erneut zu einem Prozent zu leihen, um damit neue Staatsanleihen… usw.
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    Das hat aber nur zu Anfang des Jahres ein bißchen funktioniert.

    Das von Ihnen angedeutete finanzielle perpetuum mobile ist es jedenfalls nicht.

    Denn sonst gäbe es mehr Nachfrage nach spanischen und italienischen Staatsanleihen und die Zinsen wären entsprechend niedriger.

    Was den Banken das "nette Geschäft" vor allem vermießt, ist der regulatorische Zwang zu einer höheren Eigenkapitalquote. Also ist es den allermeistemn Banken nicht möglich, das Geschäft auszuweiten.

    Dagegen kann die Notenbank gar nichts machen - selbst hundertjährige EZB-Kredite zu NULLL Prozent würden daran nichts ändern.

    ...

    Abgesehen davon kann man sich auch ohne LTRO bei der EZB zum Hauptfinanzierungssatz von 0,75% Geld leihen, wenn man als Pfand hinterlegbare Staatsanleihen hat.

    ...

    Eine Betrachtung der Geldmenge M3 zeigt, daß sich die Ausweitungsgeschwindigkeit der Geldmenge durch die LRTO nur unwesentlich geändert hat. Der Großteil der LTRO-Kredite ist von den Kreditnehmern zur Refinanzierung von Interbankenkrediten verwendet, und von den Kreditgeben der letzteren wieder bei der EZB eingelegt worden.

  • Da Sie den Drang haben ihr Wissen hier auszubreiten nur der Hinweis: Nettes Geschäft: Banken leihen sich zu ein Prozent Geld bei der EZB, kaufen damit Bonds mit 4,8% und hinterlegen die dann beim nächsten LTRO bei der EZB als Sicherheit, um erneut zu einem Prozent zu leihen, um damit neue Staatsanleihen… usw.
    Quelle: http://www.timepatternanalysis.de/Blog/2012/01/12/eurozone-nach-bond-auktionen-und-ezb/

  • Und wenn man die folgenden Daten ansieht, wird einem erst klar, worin wir stecken. Hätte das hochverschuldete England auch den Euro, wäre schon längst alles gescheitert, wie folgendes Zitat zeigt:

    "Hier sollten Sie die Auslandsverschuldung Irlands und Englands mit der Auslandsverschuldung Griechenlands, Frankreichs, Portugals, Spaniens und Italiens vergleichen (Spalte zwei und vier!), wobei es sich auch noch bei Deutschland bezahlt macht, weil die Auslandsverschuldung mehr aussagt als die reine Staatsverschuldung:

    http://www.usdebtclock.org/world-debt-clock.html

    Spalte eins: PUBLIC DEBT TO GDP RATIO - The cumulative total of all government borrowings less repayments that are denominated in a country‘s home currency.

    (Die Gesamtsumme aller öffentlichen Anleiheschulden unter Berücksichtigung von Rückzahlungen, die in eigener Währung gehalten werden.)

    Spalte zwei: EXTERNAL DEPT TO GDP RATIO - The total public and private debt owed to nonresidents repayable in foreign currency, goods, or services.

    (Die gesamten öffentlichen und privaten Schulden im Ausland; rückzahlbar in ausländischer Währung, in Waren oder in Form von Dienstleistungen.)"


  • ich zitiere verkürzt einen Bürger :

    "Die Mechanismen auf denen unser Finanzsystem aufgebaut ist sind nämlich nicht mehr in der Lage diese Krise zu lösen und es bedarf eines generellen Umdenkprozesses.

    In einer Marktwirtschaft ist es guter Brauch Verträge abzuschließen in denen Leistung und Gegenleistung im Gleichgewicht stehen.

    Wer einem anderen Menschen aber Geld überlässt der erbringt gar keine „Leistung“, die dafür verlangten Zinsen sind daher unzulässig.

    Die hoch verschuldeten Länder leiden vor allen an den zu leistenden Zinszahlungen, durch die sie – ohne dafür eine Gegenleistung zu erhalten – regelrecht ausgebeutet werden.

    Um dieses „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ so schnell wie möglich zu stoppen rege ich folgende Vorgehensweise an.

    1. Die an die Geschäftsbanken ausgegebenen EZB-Kredite, die als Kredite an Euroländer weitergegeben wurden, werden wieder „eingesammelt“.
    2. In gleicher Höhe wird dieses Geld dem ESM als Kredit gewährt.
    3. Der ESM gibt diese Gelder an die Eurostaaten als Kredit weiter, wobei anstelle eines Zinses lediglich eine Art Bearbeitungsgebühr zur Kostendeckung erhoben wird.
    4. Diese Kreditvergabe ist an klare Regeln bzgl. der Haushaltsführung zu binden

    Langfristig kann dieses Modell als Standartmodell zur Staatsfinanzierung ausgebaut werden, wobei zunächst ein umfangreicher und wirkungsvoller Fiskalpakt geschlossen werden muss der es den Staaten generell vorschreibt ausgeglichene Haushalte vorzulegen.

    Kredite bei Privatinvestoren und Banken werden zudem für die Zukunft ausgeschlossen.

    Um dieses Modell umzusetzen wird es vermutlich unumgänglich sein, dass die EZB für einen Übergangszeitraum die Kredithöhe insgesamt erhöht und ich appelliere an alle Verantwortlichen hier klare und für den Bürger nachvollziehbare Regeln und Fristen vorzulegen nach denen später diese Geldmengenerhöhungen wieder zurückgenommen werden"

  • danke ,
    denn das Thema NARZISSMUS ist hochinteressant als krankhafte Entwicklung
    unserer weltweiten Gesellschaft, Politik und Finanzwesen zu betrachten, wer sich damit mal eingehend beschäftig, sich die Mühe macht entsprechende Fachliteratur zu studieren wird sehr tiefe Einsichten gewinnen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus

    http://www.amazon.de/dp/3406640419/ref=as_li_tf_til?tag=emotionenbnet-21&camp=1410&creative=6378&linkCode=as1&creativeASIN=3406640419&adid=04R2DCQTDJ3F8X1W12MY&&ref-refURL=http%3A%2F%2Fwww.narzissmus.net%2F

    http://www.narzissmus.net

    Alexander Lowen: Narzissmus
    Raymond Battegay: Narzissmus und Objektbeziehung
    Vamik D. Volkan: Spektrum des Narzissmus

  • Und ich finde es interessant, das eine seit 2008 angekündigte Regulierung der ständig Invest-Blasen produzierenden Finanzmärkte, in Deutschland und Europa in diesem Ausmass erst möglich geworden durch die Investitionsförderungsgesetz von 2004 und anderen "Liberalisierungen", scheinbar komplett vom Tisch ist. Auch das eine ausgeglichene Besteuerung von Vermögen und Arbeitseinkommen bisher noch nie ernsthaft diskutiert worden ist ... also wie sollen jetzt nochmal Staaten ihre Defizite abbauen? - Durch Erhöhung der Mehrwertsteuer, Senkung der Löhne und Steuerabkommen mit der Schweiz ... aha

  • Ich empfinde es immer wieder als Unsinn, was überall für Gerüchte verbreitet werden und traurig daran ist, dass öfters mal Leser irgendwelcher Blogs die besseren Darstellungen bieten, wie folgender Text beweist:

    "Hier sollten Sie die Auslandsverschuldung Irlands und Englands mit der Auslandsverschuldung Griechenlands, Frankreichs, Portugals, Spaniens und Italiens vergleichen (Spalte zwei und vier!), wobei es sich auch noch bei Deutschland bezahlt macht, weil die Auslandsverschuldung mehr aussagt als die reine Staatsverschuldung:

    http://www.usdebtclock.org/world-debt-clock.html

    Spalte eins: PUBLIC DEBT TO GDP RATIO - The cumulative total of all government borrowings less repayments that are denominated in a country‘s home currency.

    (Die Gesamtsumme aller öffentlichen Anleiheschulden unter Berücksichtigung von Rückzahlungen, die in eigener Währung gehalten werden.)

    Spalte zwei: EXTERNAL DEPT TO GDP RATIO - The total public and private debt owed to nonresidents repayable in foreign currency, goods, or services.

    (Die gesamten öffentlichen und privaten Schulden im Ausland; rückzahlbar in ausländischer Währung, in Waren oder in Form von Dienstleistungen.)"

  • @Pandora
    WER STEUERT MERKEL WIRKLICH ?

    Bekenntnisse eines Economic Hit Man (engl. Confessions of an Economic Hit Man) ist ein autobiografisches Werk von John Perkins.
    Das Buch beschreibt eindrucksvoll wie Staaten durch Verschuldung in die Abhaenigkeit getrieben werden. Es kann ggf. auch die gegenwaertige EURO Krise erklaeren.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bekenntnisse_eines_Economic_Hit_Man

    http://www.neuer-weg.com/politik/diverses/perkins_02.pdf

    Die englische Fassung kann im Internet kostenlos heruntergeladen werden.


  • 'wutbayer' sagt
    ----------------------
    Ich beobachte eine spread Ausweitung bei französischen Staatsanleiehen.
    ----------------------

    Was ich beobachte ist, ist der 10-jährige Franz-Bond-Future bei 134,5 - implizite Rendite 2,14%.

    All-Time-High.

    Real-Rendite NULL.

    +++++

    'wutbayer' sagt
    ----------------------
    Sollte sich das als Trend etablieren, knallts bald in Paris. ----------------------

    Und die nächste Weltuntergangsphantasie.

    Wie war das noch mit dem Montag Ende Juli, an dem Spanien pleite gehen sollte?

    +++++

    'wutbayer' sagt
    ----------------------
    Schätze die Franzmänner sind geschickt genug, um die Sache bis zum 12. September unter der Decke zu halten, um dann hinterher den ESM jackpot zu kacken.
    ----------------------

    Den "ESM jackpot" kann man nur mit Zustimmung Deutschlands "knacken".

    Extra für Sie zum x-ten Mal:

    Kredite aus dem ESM gibt es nur auf Antrag. In einer bestimmten Höhe - NICHT unbegrenzt - und unter Auflagen.

    Kein Antrag kann ohne deutsche Zustimmung bewilligt werden - auch nicht im Eilverfahren.

  • 'popper' sagt
    -------------------
    Das zeigen die aufgelegten Tender der EZB. Der letzte in Höhe von 1 Billion nutzten die banken um ihre eigenen Bilanzen zu verbessern,
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    Äh - "die Banken"? WELCHE Banken?

    Wenn eine Bank sich Geld von der EZB leiht, dann verbessert sich ihre Bilanz nicht im geringsten.

    Denn sie ERHÖHT ihre Verbindlichkeiten.

    Wodurch sich die Bilanz VERSCHLECHTERT.

    ++++

    Seine Bilanz kann man nur verbessern, wenn man Eigenkapital freisetzt - d.h. die Bilanzsumme verringert durch Verkauf von assets (bei einer Bank sind das üblicherweise Forderungen aus Krediten oder Wertpapiere). Denn dadurch verringern sich die Verbindlichkeiten prozentual stärker als die Bilanzsumme - der Eigenkapitalanteil steigt.

    ++++

    Was hier tatsächlich passiert ist, ist daß Banken, die es schwierig fanden sich am Interbankenmarkt zu refinanzieren, ihre Finanzierungen an denselben durch den Kredit bei der EZB abgelöst haben. Während diejenigen Banken, die ihre Interbank-loans von den erstgenannten zurückbekommen haben, es überwiegend mangels risikoarmer Verwendungsmöglichkeiten auf ihrem Konto bei der EZB geparkt haben.

    Diese Banken haben dann ihre Bilanz verbessert - aber nicht diejenigen, die die LTRO bei der EZB in Anspruch genommen haben.

    ++++

    Per Saldo hat die LRTO die Bilanzen bei denjenigen Banken verbessert, die sowieso schon gute Bilanzrelationen hatten, weshalb sie Prä-LTRO als Verleiher am Interbankenmarkt auftreten konnten.

    Diejenigen Banken die die LTRO in Anspruch genommen haben, haben damit Verbindlichkeiten am Interbankenmarkt abgelöst - an ihren Bilanzrelationen hat sich dadurch nichts geändert.

    Was sich bei diesen Banken verbessert hat, sind die Finanzierungskosten, und das Fälligkeitsprofil der eigenen Verbindlichkeiten.

    ++++

    Und genau dazu war die LTRO da.

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