Arbeitslose Hartz-IV-Bezieher sind immer länger ohne Job

Trotz Job-Boom und Rekordtief bei der Arbeitslosigkeit bauchten Hunderttausende Hartz IV. Im Schnitt bleiben die Betroffenen immer länger ohne Job.
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Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg 2017 auf rund 317.000. Quelle: dpa
Hartz IV

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stieg 2017 auf rund 317.000.

(Foto: dpa)

BerlinArbeitslose Hartz-IV-Bezieher sind in den vergangenen Jahren im Schnitt immer länger ohne Job geblieben. So stieg die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit bei Beziehern der Grundsicherung kontinuierlich an – von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017. 2016 waren es noch 629 Tage. Auf diese Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) machte die Linke im Bundestag aufmerksam.

„Dass die Dauer der Erwerbslosigkeit im Hartz-IV-System steigt, ist ein blamables Ergebnis für die verschiedenen Bundesregierungen und leider logische Konsequenz des arbeitsmarktpolitischen Stillstands“, sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Sabine Zimmermann, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Seit 2010 seien die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit drastisch gekürzt worden.

Ein BA-Sprecher erläuterte, die steigende Dauer der Arbeitslosigkeit bei Beziehern der Grundsicherung zeige, dass der Anteil der Menschen mit kurzer Arbeitslosigkeit zunehmend kleiner werde.

Länger als drei Jahre arbeitslos waren im Jahr 2011 rund 298.000 Hartz-IV-Bezieher. Bis 2017 stieg diese Zahl auf rund 317.000 Menschen. „Man könnte von einer Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit sprechen“, sagte der BA-Sprecher.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen mit einer Dauer von weniger als zwei Jahren sank im selben Zeitraum allerdings um fast 100.000. Sie gelten als etwas marktnäher, haben also größere Chancen auf dem boomendem Jobmarkt. Die Zahl aller Langzeitarbeitslosen sank seither um 114.000 auf 809.000 Menschen im Jahresdurchschnitt 2017. Als Langzeitarbeitslose gelten offiziell alle, die länger als ein Jahr ohne Job sind.

Es gibt rund sechs Millionen Hartz-IV-Bezieher, viele haben noch einen Minijob. Derzeit liegt der Regelsatz für einen Alleinstehenden bei 416 Euro im Monat. Für eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft machen die Leistungen der Grundsicherung im Schnitt 954 Euro aus.

Die BA wies darauf hin, dass auch Menschen mit langer Arbeitslosigkeit immer wieder einen Job finden. So stieg die durchschnittliche Dauer vorheriger Arbeitslosigkeit bei jenen, die einen Job fanden, bis 2017 leicht auf 397 Tage. Dies zeige, „dass es auch Menschen mit längerer Dauer gelingt, die Arbeitslosigkeit zu beenden“, sagte der Sprecher.

Die Regierungskoalition hat Vollbeschäftigung zum Ziel erklärt. Sie will also auch Menschen, die lange arbeitslos waren, neue Perspektiven geben. So soll ein sozialer Arbeitsmarkt geschaffen werden. 150.000 Langzeitarbeitslose sollen mit Lohnkostenzuschüssen einen Job in Unternehmen, gemeinnützigen Einrichtungen oder Kommunen bekommen.

In der SPD wird zudem ein „solidarisches Grundeinkommen“ diskutiert: Die Mittel für Langzeitarbeitslose sollen demnach verstärkt verwendet werden, um für sie eine freiwillige und unbefristete Tätigkeit bei den Kommunen zu bezahlen. Dem erteilte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) im „Tagesspiegel am Sonntag“ eine Absage: „Ein Grundeinkommen, wie es auch immer aussieht, ist kein Projekt dieser Koalition“.

Aus Sicht der Bundesagentur für Arbeit ist ein Anstieg der Dauer von Arbeitslosigkeit bei Grundsicherungsbeziehern bei der insgesamt geringen Arbeitslosigkeit nicht überraschend. Denn bei den Betroffenen kämen oft mehrere Hemmnisse zusammen, die eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt erschweren.

Zimmermann meinte, die Perspektivlosigkeit für Hartz-IV-Beziehende habe in den vergangenen Jahren zugenommen. „Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung Millionen Menschen aufs Abstellgleis schiebt und sie ihrem Schicksal überlässt.“ Es müsse dringend erheblich mehr Geld für Unterstützungsleistungen zur Verfügung gestellt werden. Insgesamt bekräftigte Zimmermann die Position der Linken, nach der Hartz IV abgeschafft werden und durch eine sanktionsfreie existenzsichernde Mindestsicherung ersetzt werden solle.

  • dpa
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  • Mir ist es als qualifiziertem Stellensuchenden mehr als einmal passiert, dass mir seitens des Arbeitgebers offene Ablehnung entgegenschlug. Die Kombination aus Alter 50+, Drehtürarbeitslosigkeit und hoher Qualifikation wird von manchen Arbeitgebern als Provokation aufgefasst, denn der Bewerber hat einfach jünger zu sein und es erleichtert die Stellensuche, wenn man deutlich geringer qualifiziert ist als der potenzielle Vorgesetzte. Gutes Deutsch kann ein zusätzliches Hindernis bei der Stellensuche sein, mit Sprachniveau B2 in Deutsch ist die Chance bei vielen Jobs besser. Verachtung ist ein echtes Problem auf dem deutschen Arbeitsmarkt, aber leider nicht politisch korrekt, denn die davon Betroffenen gehören nicht zur Zielgruppe der etablierten Parteien.

  • Treffende Analyse Herr Narrog.

    Die bindesrepublikanische Alimentierung des ausufernden Nichtsnutzertums erreicht immer neue Stilblüten und immer neue Verklausulierungen !

  • Die dem Artikel zugrundeliegende Studie ist aufgrund der politischen Korrektheit wertlos. Die zahlreichen neuen Gäste der Kanzlerin haben die Struktur der H4 Bezieher massgeblich verändert und entwerten den Vergleich.

    2011 bestand die überwiegende Zahl der H4 Bezieher aus seit längerem hier lebenden Einwanderern und Eingeborenen. Die H4 Bezieher verstanden meist Deutsch, waren häufig aus irgendwelchen Gründen aus dem Arbeitsmarkt gefallen wollten häufig wieder arbeiten und waren häufig auch grundsätzlich für den Arbeitsmarkt qualifiziert.

    2017 Bestand ein signifikanter Teil der H4 Bezieher aus den vielen neuen Gästen der Kanzlerin.
    - Sehr viele haben keine deutschen Sprachkenntnisse, fehlt die grundsätzliche Qualifikation für den hiesigen Arbeitsmarkt.
    - Viele sind auch nicht gekommen um "niedere" Tätigkeiten zu einem geringem Lohn auszuführen.
    - Für viele der Familien, nach Familiennachzug, Bsp. Spiegel, Mann, 2 Frauen, 6 Kindern, Fernsehen, Mann, Frau, 11 Kinder bedürfte es eines gutbezahlten Managerjob um ein höheres Einkommen zu haben als mit H4.

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