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Arbeitsmarkt Der Azubi-Mindestlohn kommt – und erzürnt das Handwerk

Der geplante Mindestlohn für Auszubildende ist so gut wie beschlossene Sache – und beträgt zunächst 515 Euro im ersten Lehrjahr. Doch er gilt längst nicht für alle Lehrlinge.
Update: 13.05.2019 - 15:21 Uhr 3 Kommentare
Das Handwerk zeigt sich erleichtert, dass der Mindestlohn nicht auf laufende Ausbildungsverträge Anwendung finden soll. Quelle: dpa
Auszubildender im BMW-Motorradwerk

Das Handwerk zeigt sich erleichtert, dass der Mindestlohn nicht auf laufende Ausbildungsverträge Anwendung finden soll.

(Foto: dpa)

Berlin Die Bundesregierung macht den Weg frei für Mindestlohn für Azubis: Das Kabinett beschäftigt sich am Mittwoch mit diesem Thema. Die Untergrenze soll zunächst bei 515 Euro im ersten Lehrjahr liegen. Im zweiten Lehrjahr sollen es 608 Euro (plus 18 Prozent), im dritten 695 Euro (plus 35 Prozent) und im vierten Lehrjahr 721 Euro (plus 40 Prozent) sein.

Das geht aus dem Gesetzentwurf hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Bis 2023 soll der neue, im Koalitionsvertrag versprochene Mindestlohn im ersten Lehrjahr auf 620 Euro steigen – für ältere Lehrlinge jeweils um die festgesetzten Prozentsätze mehr. Ab 2024 wird die Mindestvergütung dann jährlich nach der Entwicklung der tatsächlichen Entwicklung der Ausbildungsvergütungen erhöht.

„Wir wollen die Leistung, die junge Menschen in den Betrieben erbringen, wertschätzen und anerkennen“, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek vor einer Sitzung des CDU-Vorstands in Berlin. Gleichzeitig wolle man die Dynamik in den Betrieben erhalten, gute und hochwertige Ausbildungen anzubieten.

Mit den Sätzen folgt Karliczek einem gemeinsamen Vorschlag der Arbeitgeber und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Wichtig war uns, die Betroffenen miteinzubinden, uns eng mit ihnen abzustimmen“, sagte sie. Zudem müsse die Neuregelung wirtschaftlich tragfähig sein. Die Bildungsministerin selbst hatte ursprünglich etwas geringere Sätze vorgeschlagen.

Lauter Protest zum Mindestlohn für Lehrlinge kommt vom Handwerk: Die Maßnahme bleibe „ein schwerer Eingriff in die gelebte Betriebs- und Tarifautonomie“, kritisiert Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. Gerade kleine Handwerksbetriebe in strukturschwachen Regionen würde der Mindestlohn belasten.

Im Handwerk werden tendenziell geringere Ausbildungsvergütungen gezahlt als in der Industrie. Außerdem sind die Azubi-Löhne in Berufen, die vor allem Frauen ausüben, oft geringer als in denen, die bevorzugt von Männern gewählt werden.

Der vom Handwerk beklagte Eingriff des Staates wird jedoch dadurch abgemildert, dass auch Löhne für Auszubildende gültig bleiben, die unterhalb des Mindestlohnes liegen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn sie durch einen Tarifvertrag festgelegt sind. Das Handwerk appelliert daher an die Tarifpartner, von dieser Regel Gebrauch zu machen. So könne das Ausbildungsengagement gerade kleiner Betriebe im Handwerk erhalten bleiben, so Schwannecke.

Diesen Tarifvorrang betonte auch Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer: „Die Gestaltung der Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen bleibt maßgeblich Sache der Sozialpartner“, sagte er. Damit sei auch ordnungspolitisch das richtige Zeichen gesetzt.

Allerdings legt Karliczeks Gesetz auch fest, dass der Azubi-Lohn auch in einem nicht-tarifgebundenen Betrieb maximal 20 Prozent unter dem tariflichen Lehrlingsgehalt in einer Branche liegen darf – auch dann, wenn er den allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn nicht unterschreitet.

Das heißt konkret: Liegt der tarifliche Azubilohn zum Beispiel bei 1000 Euro, müssten alle Betriebe der Branche mindestens 800 Euro zahlen. Diese schon im alten Gesetz enthaltene Regel müsse ohne Ausnahme gelten, fordert der DGB.

Mindestlohn gilt erst ab dem 1. Januar 2020

Daneben zeigte sich das Handwerk erleichtert, dass der Mindestlohn nicht auf laufende Ausbildungsverträge Anwendung finden soll. Die Übergangsbestimmungen des Gesetzes sehen vor, dass der Mindestlohn erst für solche Lehrverträge gilt, die ab dem 1. Januar 2020 geschlossen werden. Damit hat er für die in diesem Herbst beginnenden Neu-Lehrlinge noch keine Bedeutung.

Nach einer Simulationsrechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) müssten bei einer Mindestausbildungsvergütung von 500 Euro im ersten Lehrjahr rund elf Prozent aller Ausbildungsbetriebe ihren Lehrlingen mehr zahlen als heute. Bei einer Untergrenze von 650 Euro wäre schon mehr als jeder dritte Betrieb betroffen.

Neben dem Mindestlohn bringt der Gesetzentwurf auch die teilweise umstrittenen neuen Bezeichnungen für die verschiedenen Qualifizierungsstufen auf den Weg: Je nach Fortschritt sollen Gesellen, Meister und beispielsweise Betriebswirte des Handwerks künftig „geprüfte Berufsspezialisten“, „Bachelor Professional“ und „Master Professional“ heißen.

Das soll die Abschlüsse der Berufsausbildung international bekannter machen. Die traditionellen Titel wie beispielsweise der Meister sollen aber weiterhin verwendet werden dürfen.

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3 Kommentare zu "Arbeitsmarkt: Der Azubi-Mindestlohn kommt – und erzürnt das Handwerk "

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ Lehmann, oder die Betriebe im Osten bezahlen endlich vernünftig, sodass die Lehrlinge keinen Grund haben in den Westen zu gehen? Mit mehr Geld wird mehr ausgegeben und die Angleichung der Lebensbedingungen gefördert.
    Internetverträge, Konsumgüter, Autos etc. kosten wohl bundesweit das gleiche. (Einzig die Mieten sind im Osten vermutlich noch (zu) günstig. Warum sollten die Menschen im Osten weiterhin weniger verdienen? Bei den Renten wird doch ebenfalls eine Anpassung nach der anderen vorgenommen, sodass diese in absehbarer Zeit angeglichen sind.

    Viel besser sollte man endlich den Soli abschaffen und den Aufbau Ost anders regeln als vom Steuerzahler :(

  • Der Staat gibt solche Freundlichkeiten als Wahlgeschenke. Die Frage ist, ob die Handwerker
    dann noch einstellen. Ich war Lehrling von 1958 bis 61 und hatte Handelsschulabschluss.
    "Erziehungsbeihilfe" als Industriekaufmann war DM 25 im 1., 35 im 2. und 50 im 3. Lehrjahr. Ich hatte damit kein Problem und bekam eine gute Ausbildung.

  • So werden die Handwerksbetriebe der ostdeutschen Wirtschaft stranguliert. Noch mehr junge Leute werden von dort "in den Westen 'rübermachen", wenn aus Kostengründen weniger Ausbildungsplätze in den neuen Bundesländern angeboten werden ... Der "Aufbau Ost" ist anscheinend kein politisch bedeutendes Ziel mehr.

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