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Arbeitsmarkt Der Weg zur Vollbeschäftigung ist noch weit

Die Arbeitslosenzahlen in Deutschland sinken weiter. Doch eine wirkliche Vollbeschäftigung wird wohl auch zukünftig Utopie bleiben.
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Die Arbeitslosigkeit in Deutschland liegt 2018 auf dem niedrigsten Juni-Wert seit der Wende. Trotzdem ist eine wirkliche Vollbeschäftigung noch immer außer Sichtweite. Quelle: dpa
Bauarbeiter vor Baugerüst

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland liegt 2018 auf dem niedrigsten Juni-Wert seit der Wende. Trotzdem ist eine wirkliche Vollbeschäftigung noch immer außer Sichtweite.

(Foto: dpa)

Nürnberg Die Arbeitslosigkeit in Deutschland sinkt im Juni 2018 unter die Marke von 2,3 Millionen Menschen, die Arbeitslosenquote liegt bei nur 5,0 Prozent. Trotz wachsender Handelskonflikte und Konjunkturskepsis, sind Fachleute davon überzeugt, dass sich am Abwärtstrend der Arbeitslosenzahlen in naher Zukunft nichts ändern wird.

Im Juli könnten sie sogar noch weiter sinken: Die Auftragsbücher vieler Unternehmen sind weiterhin voll, der deutsche Arbeitsmarkt brummt.

Dennoch: Der Weg zur Vollbeschäftigung ist noch weit. Das erklärte Ziel der Bundesregierung sei vor 2030 vermutlich nicht zu erreichen, sagt das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Gilt hier also das alte Konfuzius-Zitat? Ist der Weg bereits das Ziel?

Eine gewisse Anzahl arbeitssuchender Menschen zumindest lässt sich den Experten zufolge nicht vermeiden – selbst, wenn sich der Trend in den nächsten zwölf Jahren so fortsetzt.

Gemeint ist nicht die schwarze Null

Tatsächlich meint ‚Vollbeschäftigung‘ nicht die schwarze Null. Rein rechnerisch verwenden Volkswirte den Begriff schon bei einer Arbeitslosenquote von zwei bis drei Prozent. Das entspräche bei der aktuellen Bevölkerungszahl in Deutschland etwas mehr als einer Million Arbeitslosen.

Andere sprechen von Vollbeschäftigung sogar schon bei einer Quote von bis zu vier Prozent. „Die eine Definition gibt es nicht“, sagt IAB-Prognose-Chef Enzo Weber. Genauso wenig gebe es amtliche Werte.

Vollbeschäftigung sei, so Weber weiter, ein Zustand, in dem alle Menschen, die arbeiten können und wollen, auch Arbeit bekommen. „Arbeit bekommen heißt nicht, dass alle gleichzeitig immer Arbeit haben“, sagt Weber. Das könne nur erreicht werden, wenn alle Leute in irgendwelche Jobs gepresst würden.

Das jedoch sei nicht der Sinn eines Arbeitsmarkts. Dieser müsse die richtigen Leute mit den richtigen Qualifikationen zu den richtigen Stellen bringen. „Diese passenden Jobs zu finden, braucht seine Zeit.“

Such- und Langzeitarbeitslosigkeit

Denn auch in einem Land mit äußerst guter Beschäftigungslage gibt es ständig Zu- und Abgänge am und vom Arbeitsmarkt. Menschen kündigen, melden sich arbeitslos und suchen nach einem neuen Job. Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, spricht von etwa jeweils rund 600.000 Menschen pro Monat, die sich an- und abmelden.

Bis sie einen neuen Job gefunden haben, können Wochen und Monate vergehen. In solchen Fällen sprechen Fachleute von einer Sucharbeitslosigkeit, wie Weber erklärt. Schwierig werde es bei der Langzeitarbeitslosigkeit, die durch fehlende Qualifikationen oder gesundheitliche Einschränkungen zustande kommt.

„Die wirklich reine Vollbeschäftigung, in der es nur Sucharbeitslosigkeit gibt, die werden wir niemals haben, weil soziale und ökonomische Probleme immer auftreten werden“, so der Experte.

Rund 800.000 Menschen in Deutschland sind laut Bundesagentur für Arbeit aktuell seit einem Jahr oder länger ohne Job. Einen baldigen Rückgang könnte der für 2019 geplante soziale Arbeitsmarkt bringen. Dort sollen bundesweit öffentlich geförderte Jobs entstehen, die für Langzeitarbeitslose einen Wiedereinstieg bedeuten könnten. Das IAB rechnet damit, dass die Zahl der Langzeitarbeitslose dadurch über kurz oder lang um 200.000 sinken könnte.

Ein Turbo auf dem Weg zur Vollbeschäftigung ist der soziale Arbeitsmarkt nach Ansicht von Weber und IAB-Chef Joachim Möller aber nicht. „Das ist etwas für Menschen mit ganz gravierenden Problemen, ein begrenzter Bereich also“, sagt Weber.

Große regionale Unterschiede

Für Möller sind auf dem Weg zur Vollbeschäftigung die regionalen Unterschiede bei der Arbeitslosigkeit weiterhin viel zu groß. In Bayern und Baden-Württemberg habe man das Ziel der vollen Beschäftigung bereits quasi erreicht. In Ruhrgebietsstädten wie Gelsenkirchen und Essen sehe die Lage dagegen ganz anders aus. „Da sind wir weit entfernt von Vollbeschäftigung“, so Möller. Auch die Diskrepanz zwischen West zu Ost ist noch groß.

Dennoch blicken die Experten hoffnungsvoll in die Zukunft: Nach 2020 könnte es nach Einschätzung vom Klaus-Heiner Röhl auch in den östlichen Regionen des Landes vielerorts Vollbeschäftigung geben. Das liege unter anderem am demografischen Wandel mit immer weniger Arbeitskräften, die überhaupt zur Verfügung stünden, sagt der Ökonom vom arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft.

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  • dpa
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