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Arbeitsmarkt Die Grünen fordern das Recht auf einen mobilen Arbeitsplatz

Das Homeoffice ist eher die Ausnahme als die Regel. Die Grünen wollen nun sicherstellen, dass mobile Arbeitsplätze keine Karrieren ruinieren.
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Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2017 in Deutschland elf Prozent der Beschäftigten zumindest manchmal von zu Hause – der EU-Schnitt liegt bei knapp 15 Prozent. Quelle: The Image Bank/Getty Images
Arbeiten von zu Hause aus

Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2017 in Deutschland elf Prozent der Beschäftigten zumindest manchmal von zu Hause – der EU-Schnitt liegt bei knapp 15 Prozent.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

Berlin Ein denkmalgeschützter Wohnblock im Szenestadtteil Berlin-Friedrichshain. Oben im hellen Dachgeschoss residiert Sofatutor, eine Nachhilfeplattform, die Lernvideos ins Netz stellt. Rund 100 Mitarbeiter beschäftigt das vor zehn Jahren als Start-up gegründete Unternehmen, es gibt Yoga, Fußball und Firmenpicknick.

Und weitgehende Flexibilität bei der Arbeitszeit. Nur wenn Beschäftigte die Freiheit hätten, das Privatleben nicht immer dem Beruf unterordnen zu müssen, könne man sie langfristig an sich binden, sagt Firmengründer Stephan Bayer. „Wir können es uns nicht leisten, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – wie Firmen es in früheren Zeiten taten – als passgenaue Gegenstücke in die Firmenstrukturen hineinzupressen.“ Zwar ist die Zusammenarbeit im Büro die Regel bei Sofatutor. Aber wenn es einen konkreten Anlass gibt oder es sich positiv auf die Produktivität auswirkt, dürfen Mitarbeiter auch ins Homeoffice ausweichen.

Mit dieser größeren Flexibilität steht die junge Gründerszene nicht allein. „Arbeitnehmer wollen heute ihre Arbeitsbedingungen flexibel und individuell gestalten können“, sagt Martin Seiler, Personalvorstand bei der Deutschen Bahn. Schon seit Ende 2016 gilt im Staatskonzern der Tarifvertrag Arbeit 4.0, der Angestellten mobile Telearbeit von zu Hause ermöglicht, solange keine betrieblichen Belange entgegenstehen.

Die Konzerngesellschaften DB Immobilien und DB Jobservice arbeiten bereits mit Bürokonzepten, die davon ausgehen, dass immer ein Teil der Belegschaft von zu Hause oder beim Kunden arbeitet. Bei Bosch ist mobiles Arbeiten grundsätzlich möglich, sofern es mit der Arbeitsaufgabe vereinbar ist. Grundlage ist eine Konzernbetriebsvereinbarung von 2014. Die Bosch-Mitarbeiter in Deutschland nutzen mobiles Arbeiten durchschnittlich an einem Tag pro Woche.

Doch noch ist das Homeoffice eher die Ausnahme als die Regel. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2017 hierzulande elf Prozent der Beschäftigten gewöhnlich oder zumindest manchmal von zu Hause. In der EU liegt die Quote bei knapp 15 Prozent, in Dänemark, Schweden, Luxemburg oder den Niederlanden werden Werte zwischen gut 31 und knapp 38 Prozent erreicht. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wäre hierzulande bei 40 Prozent aller Arbeitsplätze mobile Arbeit im Homeoffice theoretisch möglich.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) arbeitet an einem Gesetz, damit künftig mehr Arbeitnehmer in den Genuss der Heimarbeit kommen können. Sein Staatssekretär Björn Böhning wird dazu demnächst Gespräche mit dem niederländischen Arbeitsminister führen. Im Nachbarland, das die höchste Homeoffice-Quote der EU hat, können Arbeitnehmer schon seit 2016 Heimarbeit beantragen. Der Arbeitgeber hat aber nur die Pflicht, den Wunsch zu erörtern und kann ihm widersprechen, selbst wenn keine betrieblichen Gründe entgegenstehen.

Wie ein Gesetz in Deutschland aussehen könnte, haben die Grünen nun in einem Antrag skizziert, der nach der Sommerpause in den Bundestag eingebracht werden soll. Kernpunkte: Homeoffice und mobiles Arbeiten müssten für die Beschäftigten freiwillig sein und mit einem Rückkehrrecht an den festen Arbeitsplatz verbunden sein. Arbeitgeber können Heimarbeit aus betrieblichen Gründen ablehnen.

Und: Homeoffice sollte immer nur alternierend als Ergänzung zum festen Arbeitsplatz stattfinden, damit Beschäftigte weiter in den normalen Arbeitsablauf eingebunden sind und Kontakt zu den Kollegen halten. „Nur so werden Beschäftigte nicht unsichtbar, beispielsweise wenn es um Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten geht“, sagt die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrechte, Beate Müller-Gemmeke. Auch bei Sofatutor legt man Wert auf die soziale Komponente der Zusammenarbeit und persönliche Absprachen im Team. In Einzelfällen macht es die Firma Mitarbeitern aber auch möglich, für ein paar Monate aus Thailand oder Spanien zu arbeiten.

Von solchen Freiheiten werden die meisten Beschäftigten wohl nur träumen können, selbst wenn demnächst ein Recht auf Homeoffice kommt. Bis dahin sind aber noch viele Fragen zu klären, etwa wie der Daten- und Arbeitsschutz sowie die Erreichbarkeit gewährleistet werden können und wie sich die Arbeitszeit am heimischen Rechner korrekt erfassen lässt. Noch in diesem Jahr will Arbeitsminister Heil Antworten liefern.

Mehr: Die im Arbeitsministerium angesiedelte Denkfabrik Digitale Arbeitsgemeinschaft sucht Lösungen für neue Arbeitsmodelle – und praktiziert selbst New Work.

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