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Arbeitsmarkt Die Zeitarbeitsbranche leidet doppelt unter der Coronakrise

Trotz Kurzarbeit brechen in der Zeitarbeitsbranche die Einsatzfelder weg. Firmen ohne Verleiherlaubnis können der Branche nun auch Konkurrenz machen.
02.04.2020 - 12:36 Uhr Kommentieren
Im Lebensmitteleinzelhandel, im Gesundheitswesen oder in der Logistik fehlt derzeit Personal. Quelle: dpa
Kassiererin im Supermarkt

Im Lebensmitteleinzelhandel, im Gesundheitswesen oder in der Logistik fehlt derzeit Personal.

(Foto: dpa)

Berlin Es sind keine einfachen Zeiten für die Leiharbeitsbranche. Die Metall- und Elektroindustrie – ein traditioneller Kunde – steckte schon vor Corona tief in der Rezession und greift entsprechend weniger stark auf Fremdpersonal zurück. Beschäftigte die Branche im Juni 2018 noch 212.000 Zeitarbeiter, so waren es ein Jahr später laut Arbeitgeberverband Gesamtmetall nur noch 146.000.

Und auch in der durch Covid-19 ausgelösten Wirtschaftskrise sind es meist die Zeitarbeiter, deren Job als erster bedroht ist – auch wenn die Bundesregierung ihnen gerade erst die Kurzarbeit ermöglicht hat. Im Event- und Messebereich oder im Hotel- und Gastgewerbe brechen Einsatzfelder weg.

Auf der anderen Seite wird im Lebensmitteleinzelhandel, im Logistikbereich oder in der Alten- und Krankenpflege derzeit dringend Personal gesucht. Die Zeitarbeit trägt mit dazu bei, Lücken zu füllen.

Allerdings erlaubt die Bundesregierung in der Coronakrise auch Unternehmen, die keine Verleiherlaubnis besitzen, ihr Personal vorübergehend anderen Firmen zu überlassen. So können etwa Verkäufer aus geschlossenen Sportartikel- oder Modegeschäften im Lebensmitteleinzelhandel aushelfen.

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Standort erkennen

    Beim Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) erkennt man zwar die außergewöhnlichen Umstände an, sieht die Regelung aber dennoch kritisch: „Sollen wir nun also unsere Beschäftigten organisiert in Kurzarbeit schicken, während andere Unternehmen ohne jede Regulierung mit ihren Beschäftigten vorübergehend unsere Arbeit übernehmen?“, fragt BAP-Präsident Sebastian Lazay. „Bei allem Verständnis für die aktuelle Extremsituation ist das schon grotesk.“

    Fesseln lockern

    Bei der Zeitarbeit würden die dafür geltenden gesetzlichen Regelungen streng von der Bundesagentur für Arbeit (BA) oder vom Zoll kontrolliert. Jetzt könnten andere Branchen Personal überlassen, ohne sich an das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz halten zu müssen. „Im schlechtesten Fall einer arbeitsrechtlichen Verletzung fällt das am Ende dennoch negativ auf die Zeitarbeitsbranche zurück“, fürchtet Lazay, der Geschäftsführer des Hamburger Personaldienstleisters Extra ist.

    Seine Branche leide derzeit selbst stark unter der Krise. Die Politik sollte deshalb jetzt die starren Fesseln lockern, etwa die geltende Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten, fordert der BAP-Präsident. Denn diese führe dazu, dass Zeitarbeiter nach dieser Frist aus eingespielten Teams in den Entleihbetrieben abgezogen und dann möglicherweise von ihren Arbeitgebern in Kurzarbeit geschickt werden müssten.

    Was das im Zweifel bedeutet, rechnet Stefan Körzell, Bundesvorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) vor. Der für die Zeitarbeit gültige Branchenmindestlohn liege in der Entgeltgruppe 1 bei rund 1510 Euro brutto im Monat. Bei einem gesetzlichen Kurzarbeitergeld für Kinderlose von 60 Prozent des Nettoeinkommens blieben einem Zeitarbeitnehmer damit 670 Euro im Monat.

    Davon könne niemand leben und seine Miete bezahlen, sagt Körzell. Der DGB hatte deshalb mit dem BAP und dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) Sondierungsgespräche über eine tarifliche Aufstockung des Kurzarbeitergelds aufgenommen – allerdings ohne ein Ergebnis, das die Gewerkschaften zufrieden stellt.

    „Die Arbeitgeber kommen ihrer Verantwortung gegenüber den Beschäftigten nicht nach“, kritisiert Körzell. Sie bekämen vom Staat 100 Prozent der für Kurzarbeiter fälligen Sozialbeiträge erstattet, da sollten sie wenigstens einen Teil auch an die Beschäftigten weiterreichen, fordert der Gewerkschafter: „Sozialpartnerschaft muss sich nicht nur bei schönem Wetter zeigen, sondern auch in der Krise.“

    Verleihen von Arbeitskräften

    Allerdings weist auch der iGZ wie der BAP auf die schwierige Lage der Branche hin. So gab es laut Bundesagentur für Arbeit (BA) im Januar noch knapp 690.000 Leiharbeitnehmer in Deutschland. Das entspricht einem Minus von 0,6 Prozent gegenüber Dezember 2019 und von fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Laut Statistischem Bundesamt ist die Zahl der Verleihbetriebe binnen Jahresfrist um 1200 auf rund 51.100 im Juni 2019 gesunken.

    Das Verleihen von Arbeitskräften könnte in der Coronakrise aber – ganz unabhängig von der Zeitarbeitsbranche – Schule machen. So haben etwa McDonald’s und Aldi eine Personalpartnerschaft geschlossen, so dass von Arbeitsausfall betroffene Beschäftigte aus den Burger-Betrieben beim Lebensmitteldiscounter aushelfen können.

    Um solche Modell zu fördern, haben Bundesregierung und Parlament beschlossen, dass befristet bis Ende Oktober der Verdienst aus einer solchen Aushilfstätigkeit nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird. Das gilt aber nur, wenn der Kurzarbeiter sich in sogenannten systemrelevanten Branchen oder Berufen engagiert.

    Dazu zählen beispielsweise das Gesundheitswesen, die Produktion und der Handel von Lebensmitteln, die Lebensmittellogistik oder die Versorgung mit Medizinprodukten und Arzneimitteln. Allerdings darf das Einkommen aus dem gesetzlichen Kurzarbeitergeld, einem eventuellen tariflichen oder betrieblichen Aufstockungsbetrag und dem Nebenverdienst das bisherige Einkommen aus der alten Tätigkeit nicht überschreiten.

    Die Arbeitnehmer sollen durch Aufnahme einer weiteren Beschäftigung während des Arbeitsausfalls nicht mehr verdienen als ohne den Arbeitsausfall, teilt die Bundesagentur für Arbeit mit. Sonst wird das Kurzarbeitergeld entsprechend gekürzt.

    Mehr: Arbeitgeber und Gewerkschaften in der Leiharbeit haben sich auf neue Tarifverträge geeinigt.

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