Arbeitsmarkt Jeder Fünfte arbeitet nicht in regulärem Vollzeit-Job

Teilzeit, Minijobs, Befristungen und Leiharbeit: Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland arbeiten derzeit nicht in regulären Jobs. Die Zahl ist in den vergangenen 20 Jahren damit massiv gestiegen.
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Der Anteil an geringfügig Beschäftigten ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Quelle: dpa
Geringfügige Beschäftigung

Der Anteil an geringfügig Beschäftigten ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen.

(Foto: dpa)

BerlinImmer mehr Menschen in Deutschland arbeiten nicht in regulären Jobs: Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer stieg binnen 20 Jahren um mehr als 70 Prozent. Sie sind befristet, in Teilzeit mit 20 oder weniger Wochenstunden, Zeitarbeit oder geringfügig beschäftigt. Das geht aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Fraktion der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt.

1993 waren noch 4,4 Millionen Arbeitnehmer atypisch beschäftigt - 2013 bereits 7,6 Millionen.

Demgegenüber ist der Anteil der Normalarbeitnehmer an den Erwerbstätigen in dem Zeitraum von 76,8 auf 67,5 Prozent gesunken. So waren es 1993 noch 25,9 Millionen Arbeitnehmer in Vollzeit oder Teilzeit mit einer Wochenarbeitszeit von mindestens 21 Stunden, einem unbefristeten Job sowie einer vollen sozialen Absicherung.

Weg vom Fließband mit den hellen Köpfchen
huGO-BildID: 33475140 An Apple employee demonstrates the new iPad Mini on Tuesday, Oct. 22, 2013, in San Francisco. Apple unveiled a new, thinner, li
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Neuer Arbeitsalltag für alle: Das sogenannte „Industrial Internet “ soll die digitale mit der realen Welt vernetzen. Das mag abstrakt klingen, hat aber für die Arbeitswelt durchaus fassbare Konsequenzen – für Ingenieure und IT-Mitarbeiter, aber auch für Ärzte, Lehrer und Piloten. Ein beliebtes Beispiel: In naher Zukunft wird ein Windkraft-Ingenieur auf seinem Tablet auf einen Blick sehen, welches Windrad gewartet werden muss. Mit dem Gerät speichert der Ingenieur alle Daten und tauscht sie in Sekundenschnelle mit seinen Kollegen aus.

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Plausch mit der Maschine: Mitarbeiter müssen ihre Arbeitskraft nicht mehr mit einfachen Tätigkeiten verschwenden. Die neue Generation von Maschinen kann so einiges auch ohne menschliches Zutun: Die Geräte überwachen und reparieren sich selbst, kommunizieren untereinander, und – wenn es sein muss – auch mit dem Menschen. In der Automobilbranche übernehmen intelligente Roboter beispielsweise bereits den Job von Schweißern und Lackierern – und das mit einer Geschwindigkeit und Präzision, die Menschen nie erreichen könnten. 

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Kreatives Denken statt Fließbandarbeit:  Machen Roboter den Menschen bald überflüssig? Nein, sagen Experten. Aber die Jobprofile werden sich verändern: „Die Menschen werden in Nischen arbeiten, die Problemlösungskompetenz und andere einzigartig menschliche Fähigkeiten erfordern“, so Marco Annunziata , Chief Economist bei GE:  „Die Roboter übernehmen die Fließbandarbeit. Die Arbeitnehmer sind dagegen die kreativen Köpfe hinter der Produktion, von ihnen wird unkonventionelles Denken gefordert.“

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Die Nachfrage bestimmt den Arbeitstag: Durch mobile Technologien muss der Arbeitnehmer 4.0 nicht unbedingt in Büro oder Fabrik anwesend sein. Er kann von jedem Ort der Welt aus Dienst tun. Das hat auch Auswirkungen auf die Anstellungspraxis: Je nach Anforderung und Projekt suchen sich Unternehmen die besten Kräfte. Es wird weniger Festanstellungen geben, dafür aber eine enorme Nachfrage nach gut ausgebildeten Fachkräften und Spezialisten.

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Fährtenleser dringend gesucht: Ein besonders kostbares Gut für Unternehmen sind Mitarbeiter mit „Big Data“-Expertise – Tendenz steigend. Denn große Datenmengen nutzen wenig, wenn sie nicht analysiert und verwertet werden. Wer aus der Datenflut das Relevante herausfiltern und strategische Entscheidungen daraus ableiten kann, wird sich um seine berufliche Zukunft kaum Sorgen machen müssen.

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Wettbewerb um Datenspezialisten: Unter Unternehmen ist der Kampf um solche Talente längst ausgebrochen, denn für den Firmenerfolg sind sie unverzichtbar: Laut Innovation Barometer 2014 glauben 79 Prozent, dass es erfolgsentscheidend ist, die besten Talente zu finden und im Unternehmen zu halten. Doch nur 32 Prozent glauben, dass ihr Unternehmen dabei einen guten Job macht. Der Rest hat wohl noch einiges aufzuholen.

Fachkräftemangel
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Eine Frage der Politik: Während die Nachfrage nach solchen speziellen Qualifikationen steigt, fordern Unternehmen auch die Politik auf, ihren Teil beizutragen. 67 Prozent der befragten Führungskräfte wollen, dass ihre Regierungen das Anwerben von Fachkräften fördern und erleichtern, um Innovationen zu unterstützen. 85 Prozent von ihnen erwarten, dass Studienpläne besser an die Bedürfnisse der Wirtschaft angepasst werden.

Die Zahl sank bis 2005 auf 22,1 Millionen. In dem Jahr trat die Hartz-IV-Reform in Kraft. Bis 2013 stieg die Zahl der Normalarbeitnehmer wieder auf 24,06 Millionen - binnen 20 Jahren ist das aber immer noch ein Rückgang um 7,2 Prozent.

Der Anteil der atypisch Beschäftigten stieg in der Zeit den Angaben zufolge von 13,1 auf 21,4 Prozent. Der Anteil der Normalarbeitnehmer sank von 76,8 auf 67,5 Prozent. Dass es insgesamt mehr abhängig Beschäftigte gibt, ist vor allem auf die immer weitere Verbreitung von Teilzeitjobs zurückzuführen. 2013 arbeitete demnach fast jeder Vierte in Teilzeit.

Die Linke-Arbeitsmarktexpertin Jutta Krellmann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Nun ist es amtlich: 20 Jahre Reformen am Arbeitsmarkt haben für mehr Beschäftigung gar nichts gebracht.“ Es gebe heute genau so viel Arbeit wie 1994. „Nur mehr Menschen teilen sich den gleichen Umfang – aber zu deutlich schlechteren Bedingungen.“

Heute litten Beschäftigte unter erzwungener Teilzeit, Minijobs, Befristungen und Leiharbeit. „Reguläre Vollzeit-Jobs kennen junge Leute nur noch aus Erzählungen.“ Arbeit müsse wieder sicher werden, tariflich bezahlt, und sie müsse Mitgestaltung bieten, forderte die Politikerin.

  • dpa
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14 Kommentare zu "Arbeitsmarkt: Jeder Fünfte arbeitet nicht in regulärem Vollzeit-Job"

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  • Es muß vor allem mal getrennt und genauestens aufgezählt wrden.
    Geringfügig Beschäftigte z. B. sind auchviele Schüler und Studenten in Eisdielen und Cafes z. B.
    Diese dürften gar icht mitgezählt werden, da sie weder areitslos wren noch sonst was.
    Teilzeitjobs gab es immer schon, werden vielfach von jungen Müttern ganz bewußt und freiwillig gemacht.
    Was nicht in Ordnung ist, sind die Jobs über teils kriminelle Zeitarbitsunternehmen.
    Also immer das Zusammenschmeißen versciedener Dinge ist absolut verkehrt

  • Ingo Ulrich
    Sie haben völlig Recht

  • Geringfügige Beschäftigung ist angesichts demographischer Entwicklungen ein Offenbarungseid für Gemeinschaft und den sozialen Frieden.
    Die sozialen Sicherungssysteme werden uns um die Ohren fliegen.

    Wer kann sich bei geringfügigen und/oder befristeten Beschäftigungen Familienbildung und Kinder leisten, wer Altersvorsorge, wer noch den volkswirtschaftlich doch so herbei gesehnten gesteigerten Binnenkonsum?

    Vielleicht sollten wir die 35 Stundenwoche wieder beleben, aus 3 Stellen 4 Jobs machen, ohne vollständigen Lohnausgleich, aber um des sozialen Friedens und einer Zukunft überhaupt willens?

  • @Horst horstmann

    "Erst seit ca. 2005 steigt es dank der "brutalen neoliberalen" Reformen wieder an. "

    Im Sommer 2005 wurde die Zählweise von Arbeitslosen geändert:

    Nicht mehr gezählt wurden seitdem:

    - Arbeitslose in Umschulung
    - kranke Arbeitslose (für die Zeit,in der sie krank sind)
    - privat vermittlte Arbeitslose
    - Minijobber
    - Arbeitslose über 58 (wer mit über 58 Arbeit sucht, wird zwangsverrentet)

    NAch der alten Zählweise hätten wir genausoviele Arbeitslose wie in den Jahren davor.

  • Das ist gut für die Wirtschaft und damit auch für Herrn Schäuble. Mit dem Druck am Arbeitsmarkt, den Rentenkürzungen und der Enteignung der Sparer kann die Politik den Euro retten, die Asylbetrüger finanzieren und in der Ukraine zündeln. Der Michel ist geduldig und kann weiter gedrückt werden

  • Die Deregulierungen im Arbeitsrecht und Finanzen sind die Ursachen, das sich der Kranke Lobbyismus entwickeln konnte und der Missbrauch in Leih- und Werkvertrag und andere Schwein.re.en !!! DANK Rot/Grün die Verursacher !

    Die Altersarmut ist besiegelt für mehr als 40 % der zukünftigen Rentner in Deutschland, wenn es so bleibt !
    Ein Rentenniveau von 43 % sind deutlich zu niedrig, oder die Löhne !

    Wer unterhalb von ca. 2000 € Brutto im Monat verdient, erhält weniger Rente, als einer der noch nie gearbeitet hat in Deutschland, oder ein CENT Steuern bezahlt hat, nach 45 Jahren !

    Die 2500€ Brutto/Monat verdienen, können sich auch nicht freuen, das wären bei 45 Jahren Arbeitsleistung weniger als 1130 € Rente im Monat,Stand 2014!

    Das ist die Anerkennung einer Lebensleistung und eine Bescheidene Lebensqualität in Deutschland !

    Wer meint, das 99% in Deutschland es gut geht, der lebt in einer Scheinwelt !

    Wen wir schon das Drogengeschäft und das ROTlicht- Milieu heranziehen müssen, um ein WachstumPlus auszuweisen, dann haben wir es "weit" gebracht in D !!!

  • Die sich Dank Schröders Agenda stetig ausbreitende prekäre Beschäftigung in Form von Leiharbeit wird von Konzernbossen kräftig ausgenutzt, ist unbegründet und Dank SPD nun unbegrenzt möglich. Der Dank geht an untätige Gewerkschaften, sog Arbeiutsministerinnen die nichts unternehmen und SPDlern die dies alles unterstützen und nur froh sind das es Sie ja nicht betrifft. Das kann sich bald ändern.Ganze Branchen sind Leiharbeitsunternehmen, gut qualifizierte dürfen da mal eine Schwangerschaftsvertretung machen und können die endlosschleife durchlaufen ohne Möglichkeiten Immobilien zu erwerben oder gar eine Familie zu gründen. Das ist also das neue wiedervereinigte soziale Deutschland bzw Europa.
    Den gut verdienenden kann es egal sein, sie haben gute Gehälter Pensionen etc pp.
    Für Nachwuchsmangel und Verelendung mangelnde Umsätze aus Angst vor Arbeitslosigkeit sind sie nicht zur Verantwortung zu ziehen, sondern werden im Gegenteil noch belohnt. Das genaue Gegenteil dieses asozialen Verhaltens sollte in einem sozialen Land der Fall sein.
    Gute Nacht Deutschland!

  • Herr Horstmann, also das "warum" ist doch recht leicht zu beantworten. Wählen Sie z. B. Linke, SPD oder Grüne? Aufgrund Ihres Kommentars würde ich das nicht annehmen. Wir haben hier ein generelles Problem der Sozis. Ihre Klientel schwindet eigentlich, weshalb es mich auch wundert, warum die CDU sozialdemokratisiert wurde. Aktuell geht es den meisten Deutschen erstaunlich gut. Viel schlimmer aus Sicht der Sozis ist jedoch, dass es trotzdem auch noch aufwärts geht. Parteien vergessen leider nur zu oft, dass der Mensch sich von seinen Träumen aber auch Ängsten antreiben lässt. Der Arbeitslose träumt von einem Job. Der Angestellte träumt davon, leitender Angestellter zu werden. Der leitende Angestellte denkt vielleicht über den Sprung in die Selbständigkeit nach. Und der Selbständige träumt vielleicht davon, ein Unternehmen aufzubauen. Und kaum ein Mensch träumt davon, dass der Staat ihn alimentiert und all seine Belange regelt. Meiner Meinung ist dies ein Hauptgrund für die häufige Demotivation bei Beamten. Nun haben wir in Deutschland derzeit die Situation, dass sich diese Träume eher verwirklichen lassen als z. B. in den 90ern. Und das ist Gift für die Sozis. Sozis profitieren eher von Ängsten. Wer Verlustängste hat, neigt eher dazu, Sozis seine Stimme zu geben. Also müssen diese Ängste geschürt werden.

  • Für die Aussage „Reguläre Vollzeit-Jobs kennen junge Leute nur noch aus Erzählungen.“ gilt leider selbiges. Das ist eine Aussage, die total haltlos und ohne konkreten statistischen Beweis angetreten wird. Ich kenne als junger Mensch eben jene Situation der regulären Beschäftigung und bin da im Vergleich zu vielen früheren Mitschülern, die schon regulär am Arbeitsmarkt sind (keine Studenten bzw. Auszubildenden), keine Ausnahme. Natürlich kann man Studenten und Auszubildende da nicht voll hinzurechnen, denn diese sind in ihrer beruflichen Laufbahn noch nicht soweit, dass sie eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle erhalten. Und auch danach ist es erstmal nicht unüblich für eine gewisse Zeit befristet beschäftigt zu sein, denn der Arbeitgeber möchte einen (berechtigterweise) erstmal kennenlernen ehe er einen bei unseren hohen Kündigungsstandards unbefristet einstellt - auch das habe ich erfahren und finde es nur verständlich, denn ich würde als Arbeitgeber nicht anders handeln!

  • Für die Aussage „Reguläre Vollzeit-Jobs kennen junge Leute nur noch aus Erzählungen.“ gilt leider selbiges. Das ist eine Aussage, die total haltlos und ohne konkreten statistischen Beweis angetreten wird. Ich kenne als junger Mensch eben jene Situation der regulären Beschäftigung und bin da im Vergleich zu vielen früheren Mitschülern, die schon regulär am Arbeitsmarkt sind (keine Studenten bzw. Auszubildenden), keine Ausnahme. Natürlich kann man Studenten und Auszubildende da nicht voll hinzurechnen, denn diese sind in ihrer beruflichen Laufbahn noch nicht soweit, dass sie eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle erhalten. Und auch danach ist es erstmal nicht unüblich für eine gewisse Zeit befristet beschäftigt zu sein, denn der Arbeitgeber möchte einen (berechtigterweise) erstmal kennenlernen ehe er einen bei unseren hohen Kündigungsstandards unbefristet einstellt - auch das habe ich erfahren und finde es nur verständlich, denn ich würde als Arbeitgeber nicht anders handeln!

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