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Arbeitsmarkt Jeder vierte Lehrling wirft hin – In welchen Berufen die meisten Azubis abbrechen

Azubis werden wählerischer, vor allem bei niedriger Vergütung. Jeder zweite Koch und Friseur in Ausbildung schließt seine Lehre nicht ab.
Update: 04.04.2018 - 11:25 Uhr 9 Kommentare

„Jeder vierte Azubi gibt auf“ – das sind die Gründe für die hohe Abbrecherquote

BerlinDie Abbrecherquote in der Berufsausbildung ist nach einem Zeitungsbericht so hoch wie seit Anfang der 90er Jahre nicht mehr. Mehr als jeder vierte Auszubildende schmeiße seine Lehre hin, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch) unter Berufung auf den Entwurf für den Berufsbildungsbericht 2018.

Bei Berufen wie Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur höre sogar etwa jeder Zweite vor der Abschlussprüfung auf. Dem Entwurf zufolge seien 2016 gut 146.000 Ausbildungsverträge vorzeitig aufgelöst worden. Der Anteil der abgebrochenen Ausbildungen liege mit 25,8 Prozent erstmals über den seit Anfang der 90er Jahre üblichen Quoten von 20 bis 25 Prozent.

Am höchsten sei der Anteil der Abbrecher bei angehenden Sicherheits-Fachkräften mit 50,6 Prozent, am niedrigsten mit 4,1 Prozent bei Azubis, die Fachangestellte in der Verwaltung werden wollen, heißt es in dem Bericht weiter.

„Dort wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch“, sagte dazu Elke Hannack, Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen.“ Hannack forderte die Bundesregierung deshalb auf, die geplante Mindestvergütung für Azubis schnell durchzusetzen.

Danach soll sich der Azubi-Mindestlohn auf 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Vergütung belaufen. Das wären aktuell im ersten Jahr 635 Euro monatlich, im zweiten 696 und im dritten 768 Euro. Profitieren würden nach Angaben des DGB rund 160.000 Lehrlinge, die heute weniger erhalten – das wären etwa 12 Prozent der insgesamt 1,34 Millionen Azubis im Land. So erhält etwa ein Bäckerlehrling im 1. Jahr nur 500 Euro, Friseure sogar nur 406.

Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser, widerspricht dem Argument, geringe Bezahlung führe automatisch zu hohen Abbrecherquoten: „Das ist zu einfach: Viele Auszubildende brechen ab, weil sie merken, dass der Beruf nicht der richtige ist, weil sie berufstypische Krankheiten bekommen oder weil schlicht die Chemie im Betrieb nicht stimmt.“

Esser warnt generell davor, „mit einer Mindestvergütung von den sonstigen Problemen der Berufsausbildung abzulenken“. Ebenso wichtig wie das Geld seien „die Qualität , die Ausstattung – auch in der Berufsschule –, die Chance auf Übernahme und Aufstiegsmöglichkeiten.“

Der Zusammenhang Azubilohn und Abbruch ist zumindest nicht eindeutig. Nach früheren Angaben des DGB brechen etwa von den Landwirten, die im ersten Jahr 611 Euro bekommen, nur 15 Prozent ab. Bei den Malern und Lackierern, die nur 11 Euro weniger in der Tasche haben, sind es dagegen mehr als 40 Prozent. Bei den Fleischern geben 39 Prozent vorzeitig auf, bei den Friseuren fast jeder Zweite, obwohl sie rund 100 Euro mehr bekommen.

Die Wirtschaft ist erwartungsgemäß gegen das Versprechen der GroKo. Vor allem das Handwerk fürchtet sogar Schaden für die Berufsausbildung. „Sollten Betriebe durch staatlich festgesetzte Mindestausbildungsvergütungen überfordert werden, würde sich das zwangsläufig negativ auf das äußerst breite Ausbildungsengagement gerade auch der kleineren Betriebe im Handwerk auswirken“, warnt der Generalsekretär des ZDH, Holger Schwannecke.

Skepsis kommt auch vom Industrie- und Handelskammertag (DIHK): In einigen Branchen könnte zumindest die Ausbildung über Bedarf zurückgehen, heißt es dort. Zudem locke schon heute jeder zehnte Betrieb Lehrlinge mit finanziellen oder materiellen Anreizen – vom Handy bis zum Auslandsaufenthalt.

Persönlich will aber keiner der DIHK-Granden gegen den Azubi-Mindestlohn wettern. Das dürfte auch daran liegen, dass die Betriebe in Industrie und Handel seltener betroffen wären, weil die Tariflöhne dort im Schnitt höher sind. Selbst ein Verkäufer-Lehrling bekommt schon zu Beginn seiner zweijährigen Ausbildung 770 Euro im Monat.

Alle Wirtschaftsverbände verweisen darauf, dass auch Eltern von Azubis voll kindergeldberechtigt sind. Um Lehrlinge, die nicht mehr zu Hause wohnen, besserzustellen, gibt es zudem die Berufsausbildungshilfe der Bundesagentur für Arbeit, erinnert Dirk Werner vom Institut der Deutschen Wirtschaft.

Allein im Jahr 2017 hat die BA 286 Millionen Euro für die Unterstützung der Lehrlinge ausgegeben, im Jahr zuvor waren es 290 Millionen. Pro Kopf und Monat kann das durchaus mehrere Hundert Euro ausmachen. Bei insgesamt knapp 95.000 Hilfeempfängern wären das im Schnitt gut 250 Euro im Monat pro Azubi.

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  • bag
  • dpa
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9 Kommentare zu "Arbeitsmarkt : Jeder vierte Lehrling wirft hin – In welchen Berufen die meisten Azubis abbrechen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wer macht den seine Ausbildung in den "niederen" Berufen? Hauptschüler! Da kann man an Gesamtschulen in NRW nicht sitzen bleiben. Auch nicht mit 5 Fünfen im Zeugnis. Da wird man "mit durchgezogen" wie die Lehrer sich ausdrücken.

    Unsere Kinder sind nicht dumm, denen muss man nur eine Chance geben, sagte unsere Regierung und verschenkte den Hauptschulabschluß ohne Prüfung.

    Da ist es doch logisch, dass der dann in der Berufsschule nicht mitkommt. Also Abbruch!

    Zu den "Sicherheits Fachkräften" Ich leg mich weg, dass es als Ausbildung gilt. Ich weiß um die Scheine mit Prüfung vor der Handelskammer. Da braucht man nur 3 Monate, dann hat man das Ding. Ich weiß aber auch, das die Firmen die "Ausbildung" anbieten, zu einem Festgehalt wärend der Ausbildung bzw. Umschulung. Da muss man dann auch schnell 200 - 260 Stunden im Monat arbeiten. Um später von dem Gehalt leben zu können muss man dann ebenfalls die 200 Stunden Marke übersteigen.

    Normal arbeitet man 160 Stunden im Monat.

  • H4 ist bereits das bedingungslose Grundeinkommen.

    Tendenz steigend in Summe (€), - als auch in Bezieher.


  • Abhilfe schafft ein "Bedingungsloses Grundeinkommen für Jeden", wie es in der Schweiz erst kürzlich in einem Volksentscheid gescheitert ist.

    Angenommen eine 5-köpfige Familie erhält pro Monat und Nase € 1.000, dann muss dort niemand mehr arbeiten, oder gar eine Ausbildung machen.

    Der Müll, den wir alle produzieren, wird dann mit Harry Potter´s Zauberstab einfach weggezaubert, niemand muss mehr fremde, schuppige und fettige Haare waschen, niemand kranken und bettlägerigen Menschen die Fäkalien aus dem Hintern wischen, ...

    Also statt Ausbildung von jungen Menschen zu verlangen, einfach die Sozialhilfe anheben!

  • Ohne H4 Schenkungen wäre das alles anders. Aber wenn jetzt auch noch das b.l Grundeinkommen kommt, dann dürfte die Frage nach Azubis erledigt sein.

    Geht doch und was die Einwanderer nicht schaffen, dass schafft das Sozial-System

  • Frau Annette Bollmohr
    04.04.2018, 12:21 Uhr
    Statt politische Debatten über irgendwelche starren Mindestlöhne zu führen wäre es wohl zielführender, wenn sich jeder Arbeitgeber von sich aus die grundsätzliche Frage stellen würde: "Was ist es mir wert (bzw., was kann und will ich mir leisten), um gute Fachkräfte zu bekommen - und zu halten?". Und dann entsprechend handeln würde.

    ........................

    Facharbeiter ? Gibt es zu viele in Deutschland.

    DEUTSCHE FACHARBEITER & PROFIS SIND HEUTE HARTZ4 EMPFÄNGER !
    Andere Facharbeiter sind bei der Leiharbeit eingestellt und müssen sich von weniger könnender erklären lassen daß man als Leiharbeiter Mensch zweiter klasse ist im Betrieb !

    Und wenn dann Unternehmer wie etwa die AUDI AG einen Leiharbeiter vor weihnachten kündigte , nachdem man an dem gleichen Leiharbeiter erklärte er solle sich bewähren von Anfang an damit er eventuell übernommen werden könne, dann aber vor weihnachten damals mehr als 700 Mitarbeiter von Addecco in Neckarsulm gekündigt wurden, darf man sich nicht wundern daß solche Effekte auf die Arbeitsmoral der eigener Werker sich sogar überträgt und man sich selber fragt was da ein Betriebsrat an Menschlichkeit zeigt wenn mehr als 700 Menschen vor weihnachten gefeuert wurden.

    Wem wunderte es dann daß am Montag darauf bereits schon viele Leiharbeiter gar nicht mehr kamen.

  • ARBEITSMARKT
    Jeder vierte Lehrling wirft hin – In welchen Berufen die meisten Azubis abbrechen
    Azubis werden wählerischer, vor allem bei niedriger Vergütung. Jeder zweite Koch und Friseur in Ausbildung schließt seine Lehre nicht ab.

    .................................

    Ausbildungsabbrecher absolut nicht schlimm.

    Hauptschulabbrecher absolut nicht schlimm .

    DIE DEUTSCHE BUNDESKANZLERIN ANGELA MERKEL GAB DEM SÜDEN EUROPAS ALS ÜBERLEGUNG AUF DEM WEG , MAN SOLLE SICH IM SÜDEN EUROPAS MAL ÜBERLEGEN OB DIE DORTIGE JUGEND ARBEITSLOSIGKEIT SICH NICHT DARAUF BASIERE DASS MAN ZUVIEL BILDUNG HÄTTE !

    Nun mit so viele ABBRECHER IN DEUTSCHLAND KEINE GEFAHREN DASS DEUTSCHLAND IN DER ZUKUNFT ARBEITSLOSEN BEKÄME DIE KEINER HABEN WOLLE, sind dann alle ohne Schullabschluß und alle ohne Abgeschlossene Ausbildung !

  • Statt politische Debatten über irgendwelche starren Mindestlöhne zu führen wäre es wohl zielführender, wenn sich jeder Arbeitgeber von sich aus die grundsätzliche Frage stellen würde: "Was ist es mir wert (bzw., was kann und will ich mir leisten), um gute Fachkräfte zu bekommen - und zu halten?". Und dann entsprechend handeln würde.

    Der Artikel „Das Hamburger Bildungswunder“ (heute im HB auf S. 13 und auf handelsblatt.com/my/politik/deutschland/schulstudien-wie-hamburger-das-bildungswunder-gelang/21137048.html) liefert ein gutes Beispiel dafür, wie Integration tatsächlich funktionieren kann.

    Die Gründe für den beeindruckenden Erfolg der Hamburger darin, allen Kindern, d.h. aus sämtlichen(!) Milieus, bessere Startchancen in die Zukunft zu verschaffen lassen sich in der Tat in diesem einen Satz des Chefs des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung in Hamburg, Maritzen, zusammenfassen:

    „Wir haben hier (…) eine Kultur des Hinschauens ermittelt“.

    Und, wie man dem Artikel entnehmen kann, des unmittelbaren und zielgerichteten Handelns statt des Verwaltens.

  • Es gibt auch Branchen, da werden Auszubildende eingestellt mit der Absicht, sie am Ende der Probezeit wieder zu kündigen. Da werden viele Jugendliche in eine Falle gelockt. Bestes Beispiel ist der Restaurant - und Hotelbereich. Im Oktober werden die Auszubildenden eingestellt, wenn Weihnachten und Silvester vorüber ist, wieder entlassen.

  • Was bringt eine Auszubildenden Mindestvergütung, wenn man nach der Ausbildung einen Beruf hat der sehr schlecht bezahlt wird? Da müssten die Branchen gegensteuern und die Berufe attraktiver machen.