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Arbeitsmarkt So wirkt sich die Coronakrise auf die deutschen Schlüsselbranchen aus

Lockdown und Grenzschließungen treffen nicht alle Wirtschaftsbereiche mit gleicher Intensität. Ein Vergleich der wichtigsten Sektoren hierzulande.
03.06.2020 - 19:37 Uhr Kommentieren
Schlechte Stimmung in der Industrie. Quelle: dpa
Maschinenbauer in Sachsen

Schlechte Stimmung in der Industrie.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die weltweite Corona-Pandemie wirkt sich nicht nur unterschiedlich stark auf Einzelstaaten aus, sondern innerhalb jener auch auf einzelne Wirtschaftsbereiche. So leiden exportstarke Unternehmen unter Grenzschließungen, wieder andere unter der Schließung von Produktionsstätten – mitunter auch in Kombination. Hinzu kommen Absatzeinbruch oder schlichtweg die Unmöglichkeit, durch die Kontaktsperren das eigene Angebot zu gewährleisten.

In Deutschland macht sich die Coronakrise längst auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar. Vor allem die Zahl der Kurzarbeiter ist in den vergangenen Wochen signifikant angestiegen, wie die Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch bekanntgegeben hat. Doch wie steht es konkret um die deutschen Schlüsselbranchen? Ein Vergleich ausgewählter Wirtschaftszweige.

Handel

Im Einzelhandel ergibt sich ein in mehrerer Hinsicht gespaltenes Bild. Zum einen ist die Jobperspektive in der Branche grundsätzlich gut, viele Unternehmen suchten vor der Coronakrise nach Fachkräften, gerade im Lebensmittelhandel.

Doch die Geschäftsschließungen wegen der Pandemie haben die Branche kurzfristig hart erwischt. Im Zeitraum März bis Mai waren nach Daten der Bundesagentur für Arbeit 900.000 Mitarbeiter in irgendeiner Weise von Kurzarbeit betroffen, das sind 39 Prozent der Beschäftigten der Branche.

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Standort erkennen

    Verschärft wird die Situation dadurch, dass es im Einzelhandel rund 800.000 Minijobber gibt, die keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben. Nun kommt noch eine allgemeine Konsumzurückhaltung dazu, die selbst den Onlinehandel trifft.

    Nach Befürchtungen des Handelsverbands Deutschland (HDE) ist ein Drittel aller Nicht-Lebensmittelhändler in der Existenz bedroht. Etliche Händler haben bereits Insolvenz angemeldet. Deshalb dürfte nach Einschätzung des Verbands heute schon feststehen, dass die Coronakrise auch im Einzelhandel zu einem Stellenabbau führen wird.

    Technologie

    Die Coronakrise verschafft IT-Anbietern wie Amazon, Teamviewer oder Zoom eine Sonderkonjunktur. Die meisten Unternehmen der Digitalbranche leiden jedoch unter der Pandemie: Kunden streichen Projekte, Verbraucher halten das Geld zusammen. Die Marktforschung Gartner prognostiziert, dass der Umsatz mit IT in diesem Jahr um acht Prozent sinken wird. 38 Prozent der Firmen in Deutschland nutzen daher Kurzarbeit, wie der Digitalindex von Bitkom und Ifo für den Mai zeigt, der IT-Hersteller, Softwareanbieter und Telekommunikationsdienstleister sowie Online-Shops berücksichtigt.

    Im Handel gibt es ein gespaltenes Bild. Quelle: dpa
    Schlange vor einem Elektronikmarkt

    Im Handel gibt es ein gespaltenes Bild.

    (Foto: dpa)

    Zudem erwarten viele in den kommenden sechs Monaten Stellenstreichungen, wobei der Digitalverband von einem moderaten Effekt ausgeht. „Die Digitalwirtschaft ist von den coronabedingten Einschränkungen weniger betroffen als viele andere Branchen, aber auch an ihr geht die Krise nicht spurlos vorüber“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg dem Handelsblatt.

    Maschinenbau

    Den deutschen Maschinenbau trifft die Krise an zwei Fronten: Einerseits bleibt die Nachfrage aus, da viele produzierende Unternehmen ihre Investitionen verschieben. Gleichzeitig waren vor allem zu Beginn der Pandemie die globalen Lieferketten massiv gestört. Weil der Nachschub vor allem aus Asien ausblieb, ließen viele Firmen ihre Werke über Wochen geschlossen.

    Dabei spitzte sich die Lage in den vergangenen Monaten immer weiter zu: So gaben in einer Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) Anfang März noch 60 Prozent der Firmen an, Beeinträchtigungen im Betriebsablauf zu spüren.

    Ende Mai waren es bereits 98 Prozent. Die meisten Unternehmen reagierten darauf mit Kurzarbeit. So waren im April 300.000 Arbeitnehmer der Branche davon betroffen. Großflächige Entlassungen oder einen Ausbildungsstopp planen die Firmen allerdings nicht. Vor allem in den technischen Berufen rechnen die Unternehmen laut einer Umfrage mehrheitlich mit einer gleichbleibenden oder sich gar verstärkenden Entwicklung.

    Autoindustrie

    Die Stimmung in Deutschlands Vorzeigebranche ist laut einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts derzeit noch schlechter als während der Finanzkrise. Zehntausende Beschäftigte verharren in Kurzarbeit, die Produktion läuft nach einem wochenlangen Stillstand vielerorts nur schleppend wieder an.

    Der Grund: Die Nachfrage nach Autos ist aktuell so niedrig wie zuletzt 1991. Allein im April sind die Pkw-Zulassungen hierzulande um mehr als 61 Prozent eingebrochen, in ganz Europa sind die Verkäufe sogar um rund 76 Prozent abgesackt. Erste Firmen reagieren mit harten Einschnitten auf die Folgen der Corona-Pandemie.

    Der Zulieferer ZF Friedrichshafen streicht 15.000 Stellen, BMW plant den Abbau von 6000 Arbeitsplätzen, und Eberspächer schließt gleich eine ganze Fabrik für Standheizungen in Esslingen. Die Lage ist ernst. Mittelfristig wackeln rund 100.000 der mehr als 830.000 Jobs in der Industrie, fürchten die Experten des CAR-Instituts.

    Luftfahrt

    Weil Experten selbst nach einem baldigen Ende der Corona-Pandemie erst ab 2023 wieder damit rechnen, die Passagierzahlen des vergangenen Jahres zu erreichen, drohen der Luftfahrt massive Stellenstreichungen. Beim europäischen Marktführer Lufthansa, der aktuell 87.000 seiner 137.000 Beschäftigten in Kurzarbeit hält, gehen Insider von einem „Personalüberhang“ von bis zu 20.000 Mitarbeitern aus. Wettbewerber Ryanair hat nach eigenen Angaben bereits mehr als 250 Mitarbeiter entlassen.

    Auch Lieferanten und Dienstleister stehen offenbar vor Personalreduzierungen. So spekuliert die britische Presse beim Flugzeugbauer Airbus über einen Abbau von 10.000 Jobs. Auch Fraport-Chef Stefan Schulte schließt einen Stellenabbau nicht aus.

    Mehr: Es braucht Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt – oder es droht eine verlorene Generation.

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