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Arbeitsmarkt Viele Arbeitnehmer sind dem digitalen Sturm ausgeliefert

Eine Studie zeigt: Weiterbildung hilft, damit der eigene Job nicht vom Roboter übernommen wird. Ausgerechnet Geringqualifizierte nehmen kaum an Fortbildungen teil.
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Tätigkeiten, die Kreativität und Anpassungsfähigkeit, sind weniger durch Roboter bedroht. Quelle: dpa
Digitalisierung

Tätigkeiten, die Kreativität und Anpassungsfähigkeit, sind weniger durch Roboter bedroht.

(Foto: dpa)

BerlinDie Digitalisierung ist Fluch und Segen zugleich. Für viele Menschen macht sie das Leben deutlich einfacher. Auf der anderen Seite bedroht sie aber auch viele Arbeitsplätze. Gerade einfache Tätigkeiten könnten in Zukunft von Robotern übernommen werden, so eine weit verbreitete Befürchtung. 

Eine neue Studie des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsinstituts (RWI) zeigt: Es gibt ein probates Mittel, den eigenen Arbeitsplatz gegen die Stürme der Digitalisierung zu sichern: Weiterbildung. Doch es gibt ein fundamentales Problem: Ausgerechnet Geringqualifizierte, deren Jobs am stärksten durch die Digitalisierung bedroht sind, qualifizieren sich nicht weiter, zeigt die Untersuchung des RWI-Ökonomen Marcus Tamm. 

Tamm kommt in seiner Analyse zu ziemlich klaren Ergebnissen. Irgendeine Weiterbildung hilft Arbeitnehmern nicht weiter. Aber wenn sie zielgerichtet ist, ergeben sich erhebliche Effekte: Nach einer Fortbildung übt ein Beschäftigter weniger Routinetätigkeiten aus und übernimmt stattdessen mehr Tätigkeiten, die Kreativität und Anpassungsfähigkeit erfordern. Als Beispiele nennt Tamm Verkaufsgespräche oder die Planung von Veranstaltungen. Diese Art von Arbeit kann weniger leicht durch Maschinen ersetzt werden. 

In einem zweiten Schritt hat sich Tamm angeschaut, welche Gruppen sich wie fortbilden. Und die Ergebnisse, die er hier zu Tage förderte, waren alarmierend. „Die Analyse zeigt, dass die Teilnahme an Weiterbildungen sehr ungleich verteilt ist“, sagt Tamm. 

Arbeitnehmer, deren Job interaktiv ist und der ein hohes Maß an Eigenverantwortung erfordert, bilden sich stark weiter: Fast 65 Prozent durchliefen Weiterbildungsmaßnahmen. Von denen, die nur wenig interaktive und abwechslungsreiche Aufgaben zu bewältigen haben, bilden sich dagegen weniger als 30 Prozent weiter. 

Ähnlich groß sind die Unterschiede bei Jobs, in denen viel analytisches Verständnis gefragt ist. Aus dieser Gruppe durchlaufen rund 55 Prozent Fortbildungsmaßnahmen. Von den Arbeitnehmern, bei denen weniger analytisches Denken gefragt ist, bilden sich dagegen nur 35 Prozent weiter. 

Gerade diese Arbeitnehmer müssen aber fürchten, dass eines Tages ein Roboter ihren Job übernimmt. „Die Politik sollte daher Maßnahmen ergreifen, um insbesondere die Weiterbildungsteilnahme von Geringqualifizierten zu erhöhen“, fordert Tamm. Gerade, da die Anreize, die Unternehmen ihren Mitarbeitern für Fortbildungen bieten, offenbar zu gering sind. 

Tamm empfiehlt, die Politik solle sich bei der Förderung von Weiterbildung stärker auf gezielte Programme konzentrieren, die Beschäftigten wirklich helfen, sich an die Digitalisierung anzupassen. Außerdem sollte die Politik den Zugang zu Bildungsberatungen verbessern. Ansonsten drohen die Befürchtungen von Untergangspropheten womöglich einzutreffen.

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