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Arbeitsmarkt Vom Asylbewerber zur Fachkraft – Mehr als 30.000 Flüchtlinge kämen für „Spurwechsel“ infrage

Flüchtlinge finden leichter einen Job als erwartet. Doch viele von ihnen müssten ohne den kontrovers diskutierten „Spurwechsel“ wohl wieder gehen.
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Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass nach fünf Jahren ungefähr die Hälfte der Geflüchteten einen Job gefunden haben werden. Quelle: dpa
Flüchtlingsintegration

Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit geht davon aus, dass nach fünf Jahren ungefähr die Hälfte der Geflüchteten einen Job gefunden haben werden.

(Foto: dpa)

Berlin Die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge läuft besser als erwartet. Das sagt der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele. Aber können sich Unternehmen, die Geflüchteten eine Chance geben, darauf verlassen, dass ihnen die Arbeitskraft erhalten bleibt?

Schließlich häufen sich Klagen von Arbeitgebern, dass gut integrierte Flüchtlinge vom Arbeits- oder Ausbildungsplatz weg abgeschoben werden. Auch deshalb ist eine politische Debatte über einen „Spurwechsel“ aus dem Asylverfahren in die Erwerbsmigration entbrannt.

„Zunächst müssen wir sehen, wem der Spurwechsel ermöglicht werden soll“, sagt Herbert Brücker, Migrationsexperte beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Naheliegend wäre, zunächst nur die Geduldeten einzubeziehen, die einen unsicheren Rechtsstatus haben, weil ihre Abschiebung nur zeitweise ausgesetzt ist.

In der Statistik seien derzeit 131.000 Geduldete im erwerbsfähigen Alter erfasst, erläutert Brücker. „Unter den Geflüchteten insgesamt gehen etwa 23 Prozent einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach und aus unseren Befragungen wissen wir, dass der Anteil unter den Geduldeten genauso hoch ist. Wir reden also von rund 30.000 Menschen, die für einen Spurwechsel in Frage kämen.“ Rechne man auch die nicht erwerbsfähigen Geduldeten ein, also vor allem Kinder, gehe es um circa 40.000 Personen, die betroffen seien.

Die Denkfabrik der Bundesagentur für Arbeit (BA) geht davon aus, dass nach fünf Jahren ungefähr die Hälfte der Geflüchteten einen Job gefunden haben wird. Demnach werde auch die Zahl der Geduldeten, die für einen Spurwechsel in Frage kämen, im Zeitverlauf stark steigen.

Das Handelsblatt hatte am Donnerstag über die Einigung der Großen Koalition auf Eckpunkte für ein Einwanderungsgesetz berichtet. Im Zentrum des Papiers stehen nicht die Hochschulabsolventen, sondern Einwanderer mit Berufsausbildung. Wie sich aus dem Papier ergibt, sind die Eckpunkte zwischen Innen-, Wirtschafts- und Arbeitsministerium bereits abgestimmt – auf Ebene der zuständigen Staatssekretäre. Damit sind sich die von CSU, CDU und SPD geführten Ministerien einig. Eine Formulierung zum heftig diskutierten Spurwechsel aus dem Asylverfahren war am Widerstand des Bundesinnenministeriums gescheitert.

Die interessante Frage sei aber, was passiere, wenn die Kriege in Syrien, im Irak oder in Afghanistan irgendwann zu Ende seien. „Wollen wir dann die gut integrierten Flüchtlinge zurückschicken, wie es nach dem Ende der Jugoslawien-Kriege der Fall war?“, fragt Brücker. „Das wäre politisch unklug, weil wir von allen Menschen, die gut in den Arbeitsmarkt integriert sind, profitieren.“

Auch die Anreizeffekte für eine Neuzuwanderung von Flüchtlingen wären sehr gering, wenn der Spurwechsel über eine Stichtagsregelung nur für die Altzuwanderer umgesetzt würde, betont der IAB-Experte.

Würden also auch die Geflüchteten mit Schutzstaus berücksichtigt, wüchse der Personenkreis, der für den Spurwechsel in Frage käme, stark an. „Zusammen mit den Geduldeten ergäben sich dann also 268.000 Personen, die gegenwärtig für einen Spurwechsel in Frage kämen“, erläutert Brücker.

Gerade in Berufen, in denen Auszubildende fehlen, haben Flüchtlinge gute Chancen auf einen Einstieg. Quelle: dpa
Handwerkskammer setzt sich für Flüchtlinge ein

Gerade in Berufen, in denen Auszubildende fehlen, haben Flüchtlinge gute Chancen auf einen Einstieg.

(Foto: dpa)

Laut dem aktuellsten Arbeitsmarktbericht der BA hatten im Mai 238.000 Menschen aus den Hauptherkunftsländern der Geflüchteten eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Hinzu kommen rund 69.000 mit einem Minijob. Bei der Integration sei man damit etwas erfolgreicher als erwartet, sagte BA-Chef Detlef Scheele der Deutschen Presse-Agentur.

Wichtigster Jobmotor für Geflüchtete ist dabei weiter die Zeitarbeit. Von den 80.100 Geflüchteten, die zwischen Mai 2017 und April 2018 einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt gefunden haben, startete jeder dritte in dieser Branche. Auch das Gastgewerbe und der Handel nehmen viele Flüchtlinge auf.

Als arbeitsuchend registriert waren im Juli knapp 482.000 Geflüchtete. Viele von ihnen befinden sich aber noch in Integrationskursen oder Fortbildungen und tauchen deshalb noch nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Arbeitslos gemeldet waren zuletzt knapp 188.000 Flüchtlinge.

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2 Kommentare zu "Arbeitsmarkt: Vom Asylbewerber zur Fachkraft – Mehr als 30.000 Flüchtlinge kämen für „Spurwechsel“ infrage"

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  • Natürlich wäre ein Spurwechsel wünschenswert, denn warum soll man Zuwanderer, die einen Mangelberuf beherschen oder Azubi, die gut sprechen zurückschicken.
    Die praktischen Probleme halte ich allerdings für sehr hoch.
    1.) Wer entscheidet gerichtsfest , ob eine Person, deren Asylantrag abgelehnt wurde, bleiben darf . Zentral das BAMF oder der jeweilige Ministzerpräsident oder ?
    2. Sprachkenntnisse müssen nachgewiesen werden, gut so.
    ) Objektive Deutsche Sprachtests gibt es durchaus, ist das Bestehen dieses Tests zwingend ? Wie oft darf er wiederholt werden . Es kann ja nicht genügen, daß gesagt wird, " der spricht doch ganz gut deutsch . Welche Anforderungen an die Qualifikation werden denn gerichtsfest gestellt ?
    3.) Mann spricht gut deutsch und arbeitet. Frau spricht überhaupt kein deutsch und arbeitet auch nicht ? Darf dann der Mann bleinem ?
    Also ich bin gespannt .
    Dr.Dietrich Schulz
    Oder wird für Hilfstätigkeitern auf Deutsch Kenntnisse verzichtet.

  • Es kann doch wohl nicht sein, dass der, der unser Asylrecht mißbraucht sich am Schluß auch noch besser stellt wie jemand der offiziell seine Einwanderung nach Deutschland beantragt.

    Dies ist auch der Grund warum viele unsere Flüchtlingshilfe ablehen, weil am Schluß das ganze Asylrecht mißbraucht wird. Unterstützt wird dieser Mißbrauch wie immer von den Linken, SPD, Grünen und Fr. Merkel, wo bei Linke, SPD, Grünen bereits von Anfang an das als Ziel hatten, dass die Asylanten hier bleiben auf immer und ewig. Nur die Bevölkerung wurde für dumm verkauft.

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