Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Arbeitsmarktbilanz 2018 Auch Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger profitieren vom Jobboom

Das abgelaufene Jahr brachte Beschäftigungsrekorde und Tiefststände bei der Arbeitslosigkeit. Auch aus dem Hartz-IV-System gibt es erfreuliche Nachrichten.
Kommentieren
„Der Arbeitsmarkt 2018 hat sich sehr gut entwickelt.“ Quelle: dpa
BA-Chef Detlef Scheele:

„Der Arbeitsmarkt 2018 hat sich sehr gut entwickelt.“

(Foto: dpa)

BerlinDie leichte wirtschaftliche Abkühlung konnte dem Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr noch nichts anhaben. Und auch für 2019 erwartet der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Detlef Scheele, eine positive Entwicklung. Die wichtigsten Antworten zur Arbeitsmarktbilanz.

Wie haben sich Arbeitslosigkeit und Beschäftigung im vergangenen Jahr entwickelt?
Im Durchschnitt des vergangenen Jahres waren 2,34 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet – 193.000 weniger als im Vorjahr. Die Zahl ist damit im fünften Jahr in Folge und auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung gesunken. Die Quote sank um 0,5 Prozentpunkte auf 5,2 Prozent. Die Unterbeschäftigung, die auch Erkrankte oder Personen in arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen erfasst, ist stärker zurückgegangen als die Arbeitslosigkeit. Sie belief sich im Jahresdurchschnitt 2018 auf 3,29 Millionen Personen – 231.000 weniger als im Vorjahr.

Welche Erfolge gibt es bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit?
Als Langzeitarbeitsloser gilt, wer seit mindestens einem Jahr erfolglos einen Job sucht. Die Zahl der Betroffenen lag im Durchschnitt des vergangenen Jahres bei 813.000 – 87.000 weniger als im Vorjahr. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit insgesamt geht damit fast zur Hälfte auf Erfolge bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit zurück.

Auch die Bemühungen, Langzeitarbeitslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen, sondern Arbeitslose rasch zu vermitteln, trügen Früchte, sagte BA-Chef Scheele bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Er zeigte sich auch optimistisch, dass es mit dem Anfang des Jahres in Kraft getretenen Qualifizierungschancengesetz gelingen wird, die Zahl weiter zu drücken. Es sieht unter anderem Lohnkostenzuschüsse von bis zu 100 Prozent für Arbeitgeber vor, die Menschen aus mehrjähriger Arbeitslosigkeit befreien. Ein Viertel der Langzeitarbeitslosen ist seit mehr als vier Jahren ohne Job.

Geht dem Jobboom die Puste aus?
Die Beschäftigung hat im abgelaufenen Jahr den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Die Zahl der Erwerbstätigen ist im Jahresdurchschnitt nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes um 562.000 auf 44,83 Millionen gestiegen. Im Juni 2018 waren 32,87 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt – 705.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt geht damit nicht zuvorderst auf eine Zunahme „prekärer“ Beschäftigungsformen zurück, wie etwa die Linkspartei moniert. Denn die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat stärker zugenommen als die Erwerbstätigkeit insgesamt. Die Zahl der Minijobber ging weiter zurück. Für das laufende Jahr rechnen Arbeitsmarktforscher mit einer weiteren Zunahme der Erwerbstätigkeit, wenn auch mit etwas nachlassender Dynamik. Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), die Denkfabrik der BA, prognostiziert für 2019 ein weiteres Plus von fast einer halben Million Beschäftigten.

Welche Rolle spielten Zuwanderer beim Beschäftigungszuwachs?
Das Beschäftigungsplus seit März 2018 gehe zu mehr als der Hälfte auf Migranten zurück, betonte Scheele – sowohl auf Zuwanderer aus anderen EU-Staaten als auch auf Flüchtlinge. Das zeige, wie wichtig eine funktionierende Europäische Union und die Personenfreizügigkeit für den wirtschaftlichen Erfolg seien. Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt macht weiter Fortschritte. Bis Oktober hatten fast 300.000 von ihnen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Weitere 71.000 arbeiteten zumindest als Minijobber. Dennoch bleibe die Integration ein „Langstreckenlauf“, sagte der BA-Vorstandschef. Denn von den gut vier Millionen erwerbsfähigen Hartz-IV-Beziehern im September 2018 waren 603.000 oder fast 15 Prozent Flüchtlinge.

Gibt es einen flächendeckenden Fachkräftemangel in Deutschland?
Laut Bundesagentur für Arbeit gibt es durchaus Engpässe etwa in technischen, Bau- und Pflegeberufen. Von einem flächendeckenden Problem könne aber noch keine Rede sein, sagte Scheele. So arbeiteten nur 18 Prozent aller Beschäftigten derzeit in einem Engpassberuf. Gleichwohl suchen die Unternehmen weiter Personal. Das IAB zählte im dritten Quartal 2018 mehr als 1,2 Millionen offene Stellen. Offiziell bei der Bundesagentur gemeldet waren im Dezember 781.000 offene Stellen. Der Arbeitskräftebedarf befinde sich weiter auf hohem Niveau, nehme aber seit einigen Monaten nicht mehr zu, sagte Scheele.

Wie hat sich die Grundsicherung für Arbeitsuchende entwickelt?
Die Grundsicherung für Arbeitsuchende – umgangssprachlich Hartz IV – steht derzeit wieder stark in der Kritik. SPD-Chef Andrea Nahles hat „eine große, umfassende, tiefgreifende Sozialstaatsreform“ angekündigt und versprochen: „Wir werden Hartz IV hinter uns lassen.“ Dabei gibt es beachtliche Erfolge. So wurden in den Jobcentern zum Jahresende erstmals seit Inkrafttreten der Reform 2005 weniger als drei Millionen sogenannte Bedarfsgemeinschaften betreut. Sie bestehen aus mindestens einer erwerbsfähigen Person sowie deren Partner und unverheirateten Kindern unter 25, die mit im Haushalt leben.

Die starke Zunahme der Hartz-IV-Empfänger unter den Flüchtlingen sei durch den kräftigen Rückgang bei der Zahl heimischer Leistungsempfänger überkompensiert worden, sagte Scheele. Anders als seine Parteifreundin Nahles sieht der BA-Chef keine Notwendigkeit für eine grundlegende Reform, wohl aber für kleinere Korrekturen. Er wünscht sich etwa eine Vereinfachung des Leistungsrechts durch eine stärkere Pauschalierung oder ein Ende der härteren Sanktionierung von jüngeren Hartz-IV-Beziehern.

Wie steht die Bundesagentur finanziell da?
Zum Überschuss des abgelaufenen Jahres wollte sich das für die Finanzen zuständige Vorstandsmitglied Valerie Holsboer noch nicht äußern. Die Rücklage werde aber auf jeden Fall über der Summe von 20 Milliarden Euro liegen. Diesen Wert halten Arbeitsmarktforscher für erforderlich, um auch größere Krisen wie nach der Rezession 2009 abfedern zu können. Für das laufende Jahr plant die BA mit einem Überschuss von 500 Millionen Euro – trotz des zu Jahresbeginn von 3,0 auf 2,5 Prozent abgesenkten Arbeitslosenversicherungsbeitrags. Auch die Jobcenter, die sich um die Hartz-IV-Empfänger kümmern, seien im laufenden Jahr „erstmals auskömmlich finanziert“, freute sich Holsboer.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Arbeitsmarktbilanz 2018 - Auch Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger profitieren vom Jobboom

0 Kommentare zu "Arbeitsmarktbilanz 2018: Auch Langzeitarbeitslose und Hartz-IV-Empfänger profitieren vom Jobboom"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.