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Arbeitsmarktreport DIHK warnt vor Verwässerung des Fachkräftezuwanderungsgesetzes

Jedes zweite Unternehmen hat Probleme, offene Stellen zu besetzen, zeigt der neue DIHK-Arbeitsmarktreport. Und das geplante Einwanderungsgesetz sei „eher noch zu unattraktiv“.
Update: 13.03.2019 - 12:46 Uhr Kommentieren
Besonders die Baubranche sucht händeringend nach Mitarbeitern. Quelle: dpa
Fachkräftemangel

Besonders die Baubranche sucht händeringend nach Mitarbeitern.

(Foto: dpa)

BerlinDie deutsche Wirtschaft fordert die Bundesregierung auf, das geplante Zuwanderungsgesetz schnell zu verabschieden und den Entwurf nicht wieder zu verwässern. „Ausländische Arbeitskräfte tragen zum Jobwachstum und zur Fachkräftesicherung in Deutschland bei“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Achim Dercks, am Mittwoch bei der Vorstellung des Arbeitsmarktreports seines Verbandes. Ziel müsse sein, die Zahl der Ausländer, die aus Ländern außerhalb der EU nach Deutschland kommen, von aktuell knapp 40.000 „klar in den sechsstelligen Bereich“ zu heben, sagte Dercks.

Hintergrund der Forderung ist die anhaltende Klage der Wirtschaft über den Mangel an Arbeitskräften. Von den 23.000 Unternehmen, die sich an der aktuellen DIHK-Umfrage beteiligt haben, hat jedes zweite Probleme, offene Stellen zu besetzen. Insgesamt schätzt der Verband, dass rund 1,6 Millionen Stellen längerfristig unbesetzt sind. Die Situation wird sich voraussichtlich verschärfen, weil es in Deutschland derzeit pro Jahr etwa 300.000 Schulabgänger weniger gibt als Neurentner.

„Dauerhafte Fachkräfteengpässe sind nicht nur eine Herausforderung für das einzelne Unternehmen, sondern für die ganze Wirtschaft“, sagte Dercks. „Wachstums-, Wettbewerbs- und Innovationspotenziale stehen auf dem Spiel.“ So klage etwa die Bauwirtschaft besonders über Personalengpässe, was Ausbau und Reparatur von Straßen und Schienen hemmen könne. Aber auch in technikorientierten Bereichen wie Maschinenbau oder Elektro gebe es Engpässe.

Litten bisher vor allem kleinere Unternehmen an Bewerbermangel, so haben die Probleme bei der Stellenbesetzung auch in Großunternehmen zugenommen. Trotz der Anzeichen für eine konjunkturelle Abkühlung suchen die Unternehmer weiter neue Mitarbeiter. Der Arbeitsmarkt habe sich also von der wirtschaftlichen Entwicklung „etwas entkoppelt“, erklärte Dercks.

Besonders gefragt sind Kandidaten mit einer Berufsausbildung. Von den Unternehmen, die offene Stellen längerfristig nicht besetzen konnten, war jedes zweite vergeblich auf der Suche nach Bewerbern mit entsprechender Qualifikation. Ein Drittel der Unternehmen mit Besetzungsproblemen suchte Akademiker. Selbst Geringqualifizierte sind inzwischen rar. 30 Prozent der Unternehmen meldeten Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter ohne abgeschlossene Berufsausbildung zu finden.

Hauptgründe für Probleme bei der Stellenbesetzung sind, dass sich zu wenige oder gar keine Bewerber melden oder ihre Qualifikationen nicht zu den Anforderungen passen. In eher ländlichen Regionen gibt es größere Probleme als in den Metropolen.

Um die Engpässe zu beheben, fordert der DIHK, die Berufsorientierung in den Schulen zu verbessern und auch in den Gymnasien stärker als bisher für eine berufliche Ausbildung zu werben. So könne verhindert werden, dass jedes Jahr 150.000 Studenten ihr Studium abbrechen. Auch in der Weiterbildung könne mehr getan werden, der Markt werde von Unternehmen und Beschäftigten oftmals als unübersichtlich empfunden. Dercks warnte aber vor „staatlichen Einheitslösungen“ oder Angeboten auf nicht zertifizierten Internetplattformen, die möglicherweise am Bedarf der Unternehmen vorbeigingen.

Stärkere Öffnung für Arbeitsmigranten aus Nicht-EU-Ländern

Eine wichtige Rolle spielten aber auch Zuwanderer, die bisher vor allem aus EU-Ländern kämen. Deutschland müsse sich aber auch stärker für Arbeitsmigranten aus Drittstaaten öffnen. Mehr als die Hälfte der Betriebe ist grundsätzlich bereit, Bewerber aus dem Nicht-EU-Ausland einzustellen. „Aber von der grundsätzlichen Bereitschaft bis zur tatsächlichen Einstellung ist es ein weiter Weg“, sagte Dercks. Die Hürden seien immer noch hoch.

Die Regierung sollte deshalb das Verfahren vereinfachen und das neue Zuwanderungsgesetz rasch verabschieden. Forderungen von Innenpolitikern der Union, den Entwurf von Innenminister Horst Seehofer (CSU) noch restriktiver zu gestalten, wies der DIHK-Vize-Hauptgeschäftsführer zurück. So wäre es nicht sinnvoll, die Regelung, dass Ausländer auch ohne konkretes Arbeitsplatzangebot zur Jobsuche einreisen dürfen, wieder zu streichen.

Die Sorge, dass Migranten diesen Weg massenhaft nutzten, um dann unterzutauchen, sei „etwas übertrieben“, sagte Dercks. Jahr für Jahr kämen auch rund 600.000 Chinesen mit einem Touristenvisum nach Deutschland, die dann nicht massenweise hier Asyl beantragten. Und sollten sich bei Ausländern aus bestimmten Ländern solche Tendenzen zeigen, könne man diese Staaten ja per Gesetz immer noch von der Regelung ausnehmen, betonte Dercks. Das geplante Einwanderungsgesetz sei „eher noch zu unattraktiv als schon attraktiv genug“.

Weitere Erleichterungen wünscht sich der DIHK auch bei der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen. Unternehmen hätten wenig Verständnis dafür, dass Flüchtlinge abgeschoben würden, die schon zu Fachkräften geworden seien. Die sogenannte 3+2-Regelung, die einen Abschiebeschutz während einer dreijährigen Ausbildung und einer zweijährigen Anschlussbeschäftigung garantieren soll, werde immer noch nicht einheitlich angewandt, kritisierte der Vize-Hauptgeschäftsführer.

Auch sollten Asylbewerber dauerhaft erleichterten Zugang zu Instrumenten der Ausbildungsförderung wie etwa einer assistierten Ausbildung erhalten, fordert der DIHK. Die geltende Regelung ist bis zum Ende dieses Jahres befristet. Außerdem sollten die Instrumente allen jungen Flüchtlingen zustehen – unabhängig von ihrem Schutzstatus.

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