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Arbeitsrecht Abgesprungene Fachkräfte sitzen am längeren Hebel

Viele Fachkräfte treten trotz unterschriebenem Vertrag den Job nicht an. Arbeitgeber können dem kaum vorbeugen. Wichtig ist deshalb Überzeugungsarbeit.
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Qualifizierte Bewerber haben oft mehrere Angebote und entscheiden sich zuweilen auch nach Vertragsunterzeichnung noch um. Quelle: Imago/Westend61
Vertragsunterzeichnung

Qualifizierte Bewerber haben oft mehrere Angebote und entscheiden sich zuweilen auch nach Vertragsunterzeichnung noch um.

(Foto: Imago/Westend61)

BerlinDie Freude war groß, als der neue Finanzchef endlich gefunden war. Und die Enttäuschung umso größer, als er den Job doch nicht antrat, weil er etwas Besseres gefunden hatte. Nun wird um Schadensersatz gestritten.

Fälle wie dieser landen in letzter Zeit häufiger auf den Schreibtischen von Arbeitsrechtsanwälten. „Das Phänomen, dass neu eingestellte Fachkräfte nicht zur Arbeit erscheinen, hat zugenommen“, sagt Thomas Ubber, Senior Partner bei Allen & Overy. Denn im derzeitigen Arbeitnehmermarkt haben qualifizierte Bewerber oft mehrere Angebote und entscheiden sich zuweilen auch nach Vertragsunterzeichnung noch um.

Arbeitgeber, die geköderte Talente nicht wieder vom Haken lassen wollen, sollten sich daher absichern, rät Tillmann Hecht, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei Noerr. Erstens sollte eine Kündigung vor Vertragsbeginn ausgeschlossen werden, damit der Kandidat am ersten Arbeitstag auch wirklich auftaucht.

Zweitens empfehle es sich, die gesetzliche Kündigungsfrist von zwei Wochen in der Probezeit zu verlängern. „Bei vier Wochen habe ich mehr Zeit, den Kandidaten zu überzeugen, dass ich doch der richtige Arbeitgeber bin“, sagt Hecht.

Drittens empfiehlt er, eine Vertragsstrafe etwa in Höhe eines Monatsgehalts zu vereinbaren für den Fall, dass der Bewerber vertragsbrüchig wird und doch gar nicht erst antritt. Dieser Aufwand, sagt Hecht, lohne aber nicht für jeden Mitarbeiter, sondern nur für wirklich begehrte Experten. „An dieser Stelle sollte man genau überlegen.“

Für Allen-&-Overy-Anwalt Ubber sitzt der Arbeitgeber meist ohnehin am kürzeren Hebel. „Wenn der Neueingestellte nicht zur Arbeit erscheint, ist das eine Vertragsverletzung, die zum Schadensersatz verpflichtet.“ Aber eine Schadensersatzklausel in den Arbeitsvertrag zu schreiben trage nicht eben zur Vertrauensbildung mit dem Kandidaten bei.

Und ohne Klausel sei es schwer, den Schaden überhaupt zu beziffern. Soll man der vor Vertragsbeginn wieder abgesprungenen Fachkraft die Kosten für eine neue Stellenanzeige in Rechnung stellen? Die hätte der Arbeitgeber ja auch gehabt, wenn der Bewerber wenig später regulär in der Probezeit gekündigt hätte.

Weder Strafen noch Incentives sind wirksam

Ob Schadensersatz fällig werde, hänge selbst bei einer entsprechenden Klausel stark von der Vertragsgestaltung ab, betont Hecht. Ein Unternehmen werde es schwer haben, eine Vertragsstrafe vor Gericht durchzusetzen, wenn es sich im Arbeitsvertrag selbst alle Möglichkeiten zur vorzeitigen Auflösung offenhalte – etwa durch eine besonders lange Probezeit oder die Anforderung, ein Gesundheitszeugnis vorzulegen.

Bei wirklich begehrten Fachkräften seien Vertragsstrafeklauseln meist ebenso wirkungslos wie Incentives – also etwa das Versprechen, nach Ablauf der Probezeit eine Prämie zu bekommen, meint Ubber. Denn: „Ein anderer Arbeitgeber, der die Fachkraft unbedingt an sich binden will, wird eventuell fällige Vertragsstrafen oder Incentives gern übernehmen.“

Gerade wenn zwischen Vertragsunterzeichnung und Arbeitsbeginn noch viel Zeit liege, rate er Unternehmen, mit dem Kandidaten regelmäßig in Kontakt zu bleiben, ihn zum Beispiel schon zum Sommerfest einzuladen, sagt Ubber. „Soziale Kontakte, die Vermittlung der Firmenkultur und das Gefühl, der Wunschkandidat in einem guten Team zu sein, helfen besser als vertragliche Absicherungen.“

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