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Arbeitsumfeld New Work stellt das Arbeitsministerium vor neue Herausforderungen

Die im Arbeitsministerium angesiedelte Denkfabrik Digitale Arbeitsgemeinschaft sucht Lösungen für neue Arbeitsmodelle – und praktiziert selbst New Work.
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Der Bundesarbeitsminister will Möglichkeiten schaffen, um Beruf und Privatleben besser miteinander vereinbaren zu können. Quelle: action press
Hubertus Heil, SPD

Der Bundesarbeitsminister will Möglichkeiten schaffen, um Beruf und Privatleben besser miteinander vereinbaren zu können.

(Foto: action press)

Berlin Im altehrwürdigen Bundesarbeitsministerium wirkt sie wie ein Fremdkörper: die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft. In einem Großraumbüro, die weißen Schreibtische nur durch kleine Sichtblenden getrennt, entwerfen 15 Mitarbeiter in drei agilen Teams Konzepte für die Arbeit von morgen. New Work wird hier nicht nur gedacht, sondern auch gelebt.

Eines der Projekte, das jetzt ansteht: Wie lässt sich das von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) angekündigte Recht auf Homeoffice umsetzen? Es gehe darum, „die Vorboten der neuen Arbeitswelt zu erspüren und die richtigen Lösungen zu präsentieren“, sagt Heils Staatssekretär Björn Böhning.

Das Ministerium arbeitet dabei eng mit den Sozialpartnern zusammen, etwa in der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Diese unterstützt Firmen und Verwaltungen dabei, ein besseres Arbeitsumfeld zu entwickeln.

In einer Studie lässt das Ministerium zudem den Zusammenhang zwischen der Arbeitsqualität der Beschäftigten und dem wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen untersuchen. Gleitzeit etwa führt zu weniger Fehltagen und einer als positiv empfundenen Work-Life-Balance.

Für Minister Heil steht New Work für neue Möglichkeiten, Beruf und Privatleben besser miteinander zu vereinbaren oder jenseits von Hierarchien agil und innovativ zusammenzuarbeiten.

Man müsse aber auch die Risiken im Blick behalten, schreibt er im Vorwort eines aktuellen Forschungsberichts des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO): „Wann führt zeitliche und örtliche Flexibilisierung zur Entgrenzung von Arbeit und Privatleben?“

New Work habe zwar neue Impulse für mehr Partizipation bei der Arbeitsgestaltung gegeben, doch die viel zitierte „Beteiligung“ könne und dürfe wirkliche Mitbestimmung der Beschäftigten nicht ersetzen, sagt auch der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, dem Handelsblatt.

„Auch können bunte Büros, moderne Devices oder Tischtennisplatten nicht kaschieren, dass sich der Druck am Arbeitsplatz mit der Digitalisierung noch einmal verschärft hat. Was als ‚neue Freiheit‘ versprochen wird, entpuppt sich oft als permanente Verfügbarkeitserwartung, eine Art innere Landnahme und Dauerstress.“

Für den Minister wie auch die Gewerkschaften ist klar: Arbeit darf agil und flexibel sein. Aber sie darf nicht krank machen und nicht zu einem Leben ohne Feierabend führen.

Der Zwiespalt zeigt sich exemplarisch an der Debatte über das Arbeitszeitgesetz: Die Arbeitgeber halten es für anachronistisch, dass im digitalen Zeitalter immer noch der Nine-to-five-Job die Regel und eine anschließende mindestens elfstündige Ruhezeit Pflicht ist. Das mache es Arbeitnehmern schwer, sich nachmittags um ihre Kinder zu kümmern und abends am heimischen Rechner noch etwas nachzuarbeiten.

Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD versprochen, den Tarifparteien mehr Raum für Arbeitszeitexperimente zu geben. Doch auf das entsprechende Gesetz warten die Arbeitgeber immer noch. Wohl auch, weil Heil fürchtet, hier eine Tür zu öffnen, die sich nachher nicht wieder schließen lässt.

Das Arbeitszeitgesetz muss eben nicht nur für agile Digital Natives passen, sondern auch für Schicht- und Bauarbeiter, Altenpflegerinnen, Polizisten, Kellnerinnen oder S-Bahn-Fahrer. Sie können von New Work nur träumen, genauso wie vom Homeoffice.

Und selbst die Arbeit von zu Hause aus hat ihre Schattenseiten: So hat eine Studie des gewerkschaftsnahen Instituts WSI ergeben, dass Homeoffice eher zu längeren Arbeitszeiten als zu mehr Freizeit führt.

Mehr: Der Begründer von New Work über die Aktualität seiner Thesen – und warum Firmen hierzulande die neue Arbeitswelt oftmals nicht zu Ende denken.

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