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Handwerk

Ein Dachdecker bei der Arbeit.

(Foto: dpa)

Arbeitswelt Risikofaktor Sonne: Hautkrebs ist häufigste Berufskrankheit am Bau

Viele unterschätzten die Gefahr von UV-Strahlung, warnt die Bauberufsgenossenschaft. Es sei teils schwer, Männern beizubringen, nicht mit nacktem Oberkörper in der Sonne zu arbeiten.
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Berlin Dachdecker, Straßenwärter, Maurer, Gerüstbauer – sie alle arbeiten unter freiem Himmel und laufen Gefahr, dass zu viel Sonne sie krank macht. Und das passiert immer häufiger. Am Bau ist Hautkrebs mit einem Anteil von 25 Prozent inzwischen die am häufigsten gemeldete Berufskrankheit, wie die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) jetzt mitteilte.

Im vergangenen Jahr wurden 2.944 Verdachtsfälle registriert. Das sind rund sechs Prozent mehr als im Jahr 2015, als bestimmte Formen des Weißen Hautkrebses erstmals als Berufskrankheit anerkannt worden waren. Und die Tendenz steige.

Gemessen an den anerkannten Fällen rangiert gesamtwirtschaftlich der Hautkrebs auf Rang zwei der Liste der Berufskrankheiten. Auf Rang eins: durch Lärm ausgelöste Schwerhörigkeit. Im vergangenen Jahr sind der Deutschen Krebshilfe zufolge in Deutschland 99.000 Menschen neu am Plattenepithelkarzinom oder der Vorstufe zum weißen Hautkrebs, der multiplen aktinischen Keratose. Unter Plattenepithelkarzinom versteht man einen bösartigen Tumor, der örtlich zerstörend wächst, aber nicht häufig metastasiert.

„Vielen Beschäftigten ist nicht bewusst, welcher Gefahr sie sich bei der Arbeit in der Sonne auf der Baustelle aussetzen“, sagte Klaus-Richard Bergmann, Hauptgeschäftsführer der BG Bau, die als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung von den Arbeitgebern finanziert wird. Dort müsse noch stärker aufgeklärt und sensibilisiert werden – auch wenn es mitunter schwer sei, testosterongesteuerten Männern beizubringen, nicht mit nacktem Oberkörper in der Sonne zu arbeiten, so Bergmann.

Unternehmen sollten wo immer möglich für Schatten sorgen, beispielsweise durch Sonnensegel auf Straßenbaustellen, oder die Arbeitszeiten so regeln, dass die größte Mittagshitze gemieden werde. Aber auch die Beschäftigten selbst müssten für ausreichend Sonnenschutz sorgen, durch entsprechende Funktionskleidung oder Sonnencreme an unbedeckten Körperstellen.

„Jeder, vom Chef bis zum einfachen Arbeiter, muss begreifen, dass das Verhalten geändert werden muss“, sagte Bergmann. Als Beispiele für gelungene Präventionskampagnen nannte er die Verkehrserziehung von Kindern oder die Aids-Aufklärung.

Ursachen liegen möglicherweise in der Jugend

Das Problem beim weißen Hautkrebs ist, dass er eine sehr lange Latenzzeit hat, also meist erst nach Jahrzehnten ausbricht. Die Ursachen für eine Erkrankung können also auch schon beim Sonnenbad in früher Jugend gelegt worden sein. Allerdings lasse sich die berufsbedingte Dosis der Sonneneinstrahlung heute relativ gut ermitteln, sagte Bergmann.

Im März dieses Jahres hatten Arbeitgeberverbände und Arbeitnehmerorganisationen der Bau- und der Landwirtschaft eine Sozialpartnervereinbarung mit dem Ziel abgeschlossen, im Freien tätige Beschäftigte stärker vor Hautkrebs zu schützen. Neben Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen sieht die Vereinbarung auch das Angebot an die Arbeitnehmer vor, einmal im Jahr bei einem Haus-, Haut- Betriebsarzt oder Arbeitsmediziner ein Hautscreening durchführen zu lassen. Die Kosten dafür zahlen die Arbeitgeber.

Anders als etwa bei Arbeitnehmern, die mit gefährlichen Chemikalien oder in großer Hitze arbeiten, gibt es aber für Bauarbeiter oder andere der Sonne ausgesetzten Beschäftigten bisher keine medizinische Pflichtvorsorge. Zwar hatte der Bundesratsausschuss für Arbeit, Integration und Sozialpolitik im Juni dafür plädiert, die verpflichtende hautmedizinische Untersuchung in die Novelle der Verordnung der arbeitsmedizinischen Vorsorge aufzunehmen. Allerdings fand sich für den Vorstoß in der Länderkammer keine Mehrheit.

Die Berufsgenossenschaft biete den Unternehmen seit fünf Jahren UV-Vorsorge an, sagte Anette Wahl-Wachendorf, Geschäftsführerin und ärztliche Direktorin des Arbeitsmedizinischen Dienstes der BG BAU. Bei den Untersuchungen habe man festgestellt, dass etwa ein Fünftel der Beschäftigten sich nicht anderweitig untersuchen lasse.

Hauptgeschäftsführer Bergmann weist aber noch auf ein anderes Problem hin: Mehr als die Hälfte der knapp drei Millionen Versicherten in der Berufsgenossenschaft sind Soloselbstständige, also Ein-Mann-Betriebe am Bau. Sie müssten also selbst für etwaige Vorsorgeuntersuchungen aufkommen. Auch gilt das Arbeitsschutzgesetz nicht für Selbstständige.

Verglichen mit den Unfallzahlen in der Bauwirtschaft ist der Hautkrebs aber ein geringes Risiko. Im vergangenen Jahr registrierte die BG BAU knapp 106.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle. Darunter sind Unfälle zu verstehen, die zu mehr als drei Tagen Arbeitsausfall führen.

Gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten ist die Unfallhäufigkeit seit Mitte der 90er-Jahre aber stark gesunken: Kamen 1995 auf 1.000 Beschäftigte noch fast 110 Unfälle, waren es zuletzt noch rund 53. Im vergangenen Jahr endeten 88 Arbeitsunfälle am Bau tödlich. Häufigste Ursachen waren Abstürze, beispielsweise von einem Gerüst, oder herabfallende oder kippende Teile.

Mehr: Ortsunabhängige Jobs: So gelingt das Arbeiten fernab des Büros.

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