Armuts- und Reichtumsbericht Uns geht’s gold

Wie arm und wie reich die Deutschen sind, das soll eigentlich der Armuts-und Reichtumsbericht beantworten. Doch die Regierung hat den Report erst geschönt, jetzt schiebt sie ihn auf. Dabei gibt es dafür keinen Grund.
13 Kommentare
Trotz Armutsquoten: Deutschland geht es gut. Foto: 123RF.COM

Trotz Armutsquoten: Deutschland geht es gut. Foto: 123RF.COM

DüsseldorfArmut in Deutschland hat viele Gesichter: Arbeitslose und Alleinerziehende, Alte und Kinder trifft es am häufigsten. Und es sind viele, die arm sind – die Quote liegt bei mehr als 15 Prozent. Grund genug, transparent und ehrlich darüber zu informieren. Doch die Bundesregierung macht der Gegenteil: Ihr Armuts- und Reichtumsbericht wurde zunächst geschönt, jetzt wird er immer wieder auf die lange Bank geschoben.

Zwar hat das Bundeswirtschaftsministerium keine Zahlen aus dem Report gestrichen, aber bestimmte Bewertungen sind daraus verschwunden.

Zum Beispiel solche Zeilen wie „die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt“. Auch die Einschätzung, die Differenz zwischen den Einkommen habe zugenommen und verletze „das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“, wurde gestrichen. Kein Wunder also, dass so manch ein Verband und manch ein Politiker auf die Barrikaden geht.

Am Donnerstag wurde die Debatte des Armuts- und Reichtumsberichts im Kabinett verschoben – wieder einmal. Aber das ist eigentlich kein Problem. Denn die Frage nach der Armut und Reichtum der Deutschen kann auch Christian Arndt beantworten, der mit seinem Team der Bundesregierung die Zahlen für den Armuts- und Reichtumsbericht geliefert hatte.

Und der zunächst einmal eine eindeutige Antwort hat: „Es geht uns im internationalen Vergleich wirklich gut“, sagt der Ökonom und Armutsforscher von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) in Nürtingen.

Der Professor hat dafür auch eine gute Begründung: „Die Industrie steht gut da, wir haben innovative Unternehmen, die Arbeitslosenzahlen sind enorm gesunken, wir haben keine Immobilienblasen wie andere – und das alles trotz Finanzkrise.“ Im Vergleich zu anderen Ländern sei Deutschland bisher mehr als gut weggekommen.

Wenn man sich allerdings mit den Details der Armutsstatistik befasst, dann wird es etwas komplizierter.

Verteilt sich das Vermögen ungerecht?
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

13 Kommentare zu "Armuts- und Reichtumsbericht: Uns geht’s gold"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ideen klau und Menschen Handeln ist eine Goldmine.

  • Sie ham's erkannt.

    Wie sagte schon Micawber in Charles Dickens Roman "David Copperfield"?

    "Annual income twenty pounds, annual expenditure nineteen [pounds] nineteen [shillings] and six [pence], result happiness. Annual income twenty pounds, annual expenditure twenty pounds ought and six, result misery."

    ...

    Meine Lebenserwartung, Gesundheit und alltäglicher Komfort sind Meilen besser als die von Louis dem vierzehnten.

    Das Problem ist doch heutzutage mit dem Überfluß umzugehen.

    Das erfordert Selbstdisziplin.

    Man muß eben seine "Dürren" und "Mißernten" in Form von Diäten selber machen, und seinen Bewegungsapparat mit "zwecklosen" Leibesübungen fit halten, da die Jagd auf Wisente nicht mehr erforderlich ist.

    Ebenso gilt es sich der Reizüberflutung durch das fade elektronische Massenunterhaltungsangebot zu entziehen.

    ...

    Am einfachsten erreiche ich das durch "Finanzdiät" - nach Abzug von Miete und Nebenkosten z.B. 50 € pro Monat, ein € Erhöhung pro Monat.

    Das macht richtig Spaß - man muß sich nämlich ein bißchen 'was einfallen lassen um damit über die Runden zu kommen ohne in Mülltonnen zu wühlen oder zu betteln.

    Aber - es geht!

    Und ein Gefühl von Erfolg und Freiheit stellt sich ein, wenn man rausbekommen hat was man alles NICHT braucht.

  • O-Ton Handelsblatt
    ---------------------
    Zwar hat das Bundeswirtschaftsministerium keine Zahlen aus dem Report gestrichen, aber bestimmte Bewertungen sind daraus verschwunden.

    Zum Beispiel solche Zeilen wie „die Privatvermögen in Deutschland sind sehr ungleich verteilt“. Auch die Einschätzung, die Differenz zwischen den Einkommen habe zugenommen und verletze „das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“, wurde gestrichen.
    ---------------------

    Derart subjektive Bewertungen haben in einem Bericht auch nichts verloren.

    +++

    O-Ton Handelsblatt
    ---------------------
    Auch die Einschätzung, die Differenz zwischen den Einkommen habe zugenommen und verletze „das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung“, wurde gestrichen.
    ---------------------

    An teilweise obszönen Megaeinkommen haben doch alle Schuld:

    Sportfans, die die absurden Millionengehälter der Treter, Werfer und Schläger finanzieren mit ihrem Sky-Abo, ihrem Einkauf von lächerlichen Fanartikeln und überteuerten Eintrittskarten, und ihrem Kauf von Firmen die einen Teil des Kaufpreises für "Sponsoring" aus dem Fenster werfen.

    Bis auf letzteres, was sich nicht immer ganz vermeiden läßt, tue ich nichts dergleichen und deshalb läßt es mich auch eiskalt wenn ein Haufen von Doofen die Millionengehälter einiger weniger finanziert.

    Ähnliches gilt in den meisten Wirtschaftsbereichen - wenn alle Leute so einkaufen würden wie ich dann würde für die Aufsichtsräte und Vorstände allenfalls noch Hartz IV übrigbleiben.

    Als Aktionär stimme ich wann immer mir das angebracht erscheint gegen den Vergütungsbericht, manchmal auch gegen die Entlastung von Vorstand und/oder Aufsichtsrat.

    ...

    Wer aber in seinem Konsumverhalten keinerlei Disziplin üben kann der darf sich nicht wundern, wenn einige daraus einen Vorteil ziehen.

    Und wer meint, daß "Herr Aldi" und "Frau Lidl" zu viel verdienen im Verhältnis zu ihrer unternehmerischen Leistung: Bitte selbst ein Einzelhandelsgeschäft aufmachen und die Einzelhandelsrenditen schmälern!

  • @Herr Leineweber
    Hallo, was Sie schreiben stimmt natürlich. Ich habe aber eine Anmerkung dazu bezüglich der impliziten Staatsverschuldung.
    Die 5 Billionen werden ja nicht JETZT fällig sondern auf viele Jahre verteilt, oder? Ich denke dass man das so nicht rechnen kann.
    LG Traumschau

  • Der Median in Deutschland liegt bei ca. 15.000 EUR - d.h. die eine Hälfte hat mehr (Bruttogesamtvermögen) und die andere weniger. Sagenhafte 27% der Deutschen haben nicht mal das - sie haben NICHTS - Null EUR Vermögen(oder Schulden). Wo ist das ganze Geld, wo ist der Reichtum der Deutschen. Die Antwort: Die gierigsten 10% der Bevökerung haben ca. 62% des deutschen Privatvermögen zusammengerafft. Die "oberen" 20% haben ca. 82%

    Wer hier von Gerechtigkeit redet hat einen an der Waffel.

  • Wenn ich mit meinem Hintern auf der heißen Herdplatte sitze und zugleich meine Füße in Eiswasser bade, bin ich im Durschnitt auch okay!! Aber geht es mir deshalb gut?
    Das ist das Problem mit den "unechten Durchschnitten".
    Ein aktuelles Beispiel:
    Das in der Eurozone vereinbarte Inflationsziel von 2% wurde im Durchschnitt erreicht. Dafür wurde die EZB ja auch hoch gelobt. Nur, schaut man dahinter, dann sieht man die Problematik dieser Sichtweise. Die Südländer hatten nämlich ca. 3,5%, die Deutschen ca. 0,8% Inflationsrate. Die Folge ist die stark auseinanderlaufende Wettbewerbsfähigkeit der Eurostaaten. Das ist ein ernstes Problem, dass von Deutschland immer noch nicht angegegangen worden ist, denn wir müssten viel HÖHERE Inflationsraten haben, damit unsere Nachbarn überhaupt eine Chance haben. Aber das können hiesige "schwäbische Hausfrauen" einfach nicht begreifen!
    Soviel zum Thema "Uns geht es gut". Und was heißt eigentlich "Uns". Ich hasse solche Statements ...

  • @Da im Gegenzug Erbschaften in DE sehr gering bis gar nicht besteuert werden, bleibt das Vermögen in den Familien, in denen es von einer Generation zur nächsten vererbt wird und wächst dort weiter.

    Genau darin liegt der Kern des Problems. Die arbeitende Bevölkerung muss diesen exponentiellen Vermögenszuwachs, bei Wenigen, erwirtschaften. Das kann auf Dauer nie funktionieren.
    Es wird, eher früher als später, zum Systemcrash kommen.

  • Es ist doch logisch, dass die Vermögensverteilung immer ungleicher wird. Mit extrem hohen Steuern und Abgaben ist schließlich in DE nur der Faktor Arbeit belegt. Es ist praktisch selbst für Gutverdiener kaum noch möglich, durch Arbeit Vermögen aufzubauen. Da im Gegenzug Erbschaften in DE sehr gering bis gar nicht besteuert werden, bleibt das Vermögen in den Familien, in denen es von einer Generation zur nächsten vererbt wird und wächst dort weiter.
    Da Sozis und Grüne Arbeitseinkommen noch höher besteuern wollen (die CDU vermutlich auch, nur sagt sie es noch nicht), wird sich der Effekt nach der Bundestagswahl eher noch verstärken.

  • Der Bericht ist aus ganz anderen Gründen geschönt. Die folgenden Zahlen werden zeigen, wieviel man noch umverteilen kann.
    Das private Geldvermögen beläuft sich auf 4,8 Billioinen, vor allem weil die Aktienkurse gestiegen sind. Die Staatsschulden sind nur 2,1 Billionen, die man abziehen muss. Das volk hat also 2,7 Billionen in Geldanlagen "übrig." Da gibt es noch viel zu verteilen. Jetzt muss man noch die implizite Staatsschuld abziehen, dass sind die Schuldsen in den Sozialversicherungssystemen, das sind 5 Billionenv vgl. fortunanetz. Damit hat das deutsche Volk per heute Nettoschulden von 2,3 Billionen. Da stellt sich schon die Frage, wie man das umverteilt. Vor allem wer die Armen sind!

  • @HugoControllo
    In der Theorie gebe ich Ihnen Recht. In der Praxis scheitern die meisten Menschen daran, dass sie mit Geld nicht umgehen könne.
    Aber das lernt man halt auch nicht in der Schule.
    Egal wie viel man verdient, man kann immer mehr ausgeben. Das ist bei vielen das Problem.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%