Armutsbericht Arm wird ärmer, reich wird reicher

Trotz guter Wirtschaftslage ist jeder Siebte in Deutschland von Armut bedroht, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Und die Kluft zwischen Arm und Reich wächst – in einigen Regionen ist sie besonders tief.
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Armutsbericht: SPD ist gefordert

DüsseldorfDie Wirtschaftslage in Deutschland ist gut, die Arbeitslosenzahlen sind rückläufig. Deutschland steht eigentlich gut da. Und trotzdem gilt: arm wird ärmer, reich wird reicher. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Wohlfahrtsverbände.

Jeder Siebte gilt in Deutschland als einkommensarm oder ist von Armut bedroht. Mit 15,2 Prozent der Gesamtbevölkerung habe die Armutsquote in Deutschland einen „besorgniserregenden Höchststand“ erreicht, sagte Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. „Deutschland war noch nie so gespalten wie heute.“ Auch das Ausmaß der regionalen Zerrissenheit von Bundesland zu Bundesland wie zwischen Land und städtischen Ballungsgebieten habe eine neue Qualität erreicht.

Die Studie zeigt: Es gibt deutliche Einkommensgefälle zwischen den Bundesländern. Während in Ländern wie Baden-Württemberg (11,1 Prozent) und Bayern (11,2 Prozent) die Einwohner deutlich seltener von Armut bedroht sind als im bundesweiten Schnitt, sieht die Lage in anderen Ländern dramatischer aus. Zum Beispiel in Bremen, wo fast jeder Vierte von Armut bedroht ist. Die Quote liegt dort bei 23,1 Prozent. Oder im Osten. In Thüringen nimmt die Armut wieder zu, ebenso wie in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Elf Länder, so die Studie, haben schlechtere Werte als im Vorjahr. Das Fazit des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes: „Sämtliche positiven Trends aus den letzten Jahren sind zum Stillstand gekommen oder haben sich sogar gedreht.“

Die Armutsquote berechnet sich EU-weit nach dem durchschnittlichen Einkommen. Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zum Leben zur Verfügung hat. 2012 lag die Armutsschwelle für eine Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1.826 Euro, für einen Alleinstehenden bei 869 Euro. Rechnet man Sätze für Miete und anderes hinzu, liegt der Hartz IV-Satz eines Singles bei 651 Euro und damit unter der Armutsschwelle. Die Armutsquote zeigt vor allem das Gefälle zwischen Arm und Reich, sie sagt jedoch nichts darüber aus, ob jemand tatsächlich einkommensarm ist.

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55 Kommentare zu "Armutsbericht : Arm wird ärmer, reich wird reicher"

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  • "Arm wird ärmer, reich wird reicher"
    Das trifft besonders innerhalb der Eurozone zu!
    In Deutschland ist man arm wenn man weniger als €800,- im Monat einkünfte hat, in Griechenland ist man nur dann arm wenn man weniger als €400,- pro Monat Einkünfte hat.
    Aber die Boschwaschmaschine ist genau so teuer in Griechenland als in Deutschland!
    Soll man das verstehen, liebe Frau Merkel?

  • Jede Gesellschaft muss sich Arme schaffen, damit der eigene Wohlstand und die Macht erhalten bleibt. Früher hat diese Aufgabe die Kirche übernommen, die aber heute immer unglaubwürdiger geworden ist. Jeder Ruf nach Bildung und Gleichheit ist schon in der Steinzeit in Stein gehauen. Ich bin sicher Gabriel und Co hat so einen Stein im Bücherregal.

  • Na sowas!
    Wenn bei 82 Millionen Bürgern einige Jahr für Jahr ein überdurchschnittliches Einkommen von 100 Millionen Euro jährlich und sogar über 1 Mrd. Euro haben währende andere mit der Hand im Mund leben, wird dann der Abstand zwischen Arm und Reich größer? Das ist offenbar eine harte Prüfung der menschlichen Intelligenz.
    Mehr dazu unter Meudalismus.

  • Na sowas!
    Wenn bei 82 Millionen Bürgern einige Jahr für Jahr ein überdurchschnittliches Einkommen von 100 Millionen Euro jährlich und sogar über 1 Mrd. Euro haben währende andere mit der Hand im Mund leben, wird dann der Abstand zwischen Arm und Reich größer? Das ist offenbar eine harte Prüfung der menschlichen Intelligenz.

  • Die Wohlfahrtsverbände sind der Lobbyverband eine Multi-Miliarden Sozialdienstleistungsindustrie, die selbst schlecht bezahlt und über kirchliche Arbeitgeber schwierige Arbeitsbedingungen hat. Man lese den HB Artikel "Das Kartell der Gutmenschen", um zu verstehen, was diese Verbände treibt:
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wohlfahrtsverbaende-das-kartell-der-gutmenschen-/7448538.html

  • "Merken die vielen Kommentatoren eigentlich, dass wir es immer mit einer Frage der Verteilung des BIP zu tun haben?"

    Richtig.
    Aber für "die Menschen im Lande" ist es wohl besser man läßt sie darüber im unklaren. Da kann man doch besser solche Dummlabereiern wie deutsche Disziplin und Produktiviät bis zur Marsauswanderung nehmen, um einem Arbeitnehmer zu erklären warum er mit einem Friseur aus Indien konkurrieren muss.
    Was Armut wirklich bedeutet, das ist nicht nur kein Geld, sondern noch ganz andere Dinge die fehlen wenn man quasi ausgeschlossen ist. Die nächste Generation wird sich wohl kaum an der Mehrung des Reichstums einiger weniger beteiligen (wollen). Vor allem dann nicht, wenn die Pflege der Eltern sowieso das Einkommen mit auffrißt und man selbst am Ende ist weil man mit 50 keinen Job mehr bekommt.
    Das ist die wirkliche Armut.
    Wer beides erlebt hat, gut leben zu können und eine lange Zeit unter dem Sozialhilfesatz, mit Kindern, zu leben, der kann vielleicht das Wort "Armut" noch definieren. So erging es uns "Alten", vor Willi Brandt gabs nix, trotzdem sind wir (Oma und Opa auch) satt geworden, und hatten Spaß am Leben und an der Arbeit (weil die noch angemessen bezahlt wurde).
    Arm hat sich wohl keiner wirklich gefühlt, es gab diese Definition so nicht.
    Und diejenigen die diese Berichte ins Leben rufen, vorstellen und verbreiten, wissen selbst nicht was Armut wirklich bedeutet. Die hängt eben nicht nur an der Kohle.

  • Merken die vielen Kommentatoren eigentlich, dass wir es immer mit einer Frage der Verteilung des BIP zu tun haben?
    Das geht direkt über Arbeitnehmer-, Vermögens- und Unternehmereinkommen oder indirekt über Transfers. Während beim Verteilungskampf um Lohn- und Arbeitnehmereinkommen die Tarifpartner beteiligt sind, ist es bei Transfers der Staat. Transfers werden in diesem Lande primär an Nichterwerbstätige gezahlt. Letztlich geht es um die simple Frage, welchen Anteil am BIP unsere Volkswirtschaft an Nichterwerbstätige zahlen will und wie sie das finanziert. Gewährt man jedem Nichterwerbstätigen einen maximalen Prozentsatz des BIP pro Kopf bzw. je Erwerbstätigem, ist eine Überforderung der Erwerbstätigen ausgeschlossen – vorausgesetzt, die Finanzierung ist gerecht verteilt. Doch bei der Finanzierung gibt es eine erhebliche Schieflage zu Lasten von Arbeitnehmern und das, obwohl die Lohnquote seit 1980 stetig gesunken ist. Auch Transfereinkommensempfänger werden immer stärker belastet: Sei es, dass die Fördersätze nicht regelmäßig angepasst werden oder dass die indirekten Steuern immer stärker steigen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Ich kann schwer nachvollziehen, warum man nicht endlich die Ursachen dieser Symptome beim Namen nennt. Die Wissensmanufaktur und auch andere unabhängige(!) Institute führen hier klare Beweise. Wir könnten das System ändern, wenn wir es wollen und dann würden Alle davon partizipieren, Arm und Reich! A. Popp

  • Die Entwicklung war vorhersehbar: Eine schrumpfende Bevölkerung auf welcher die Alterspyramide Kopf steht kann schlecht einen guten Lebensstandard halten. Es fehlen Kinder, es fehlt an Bautätigkeit und an allgemeinen Konsum. Das war vorhersehbar und man müsste jetzt Steuern und Abgaben ermässigen. Das geht aber nicht da in den vergangenen Jahrzehnten die Bevölkerung den Konsum dem Sparen vorzog. Wer jetzt nicht vorgesorgt hat fällt spätestens nach den H4-Gesetzen schnell in die Armut. Aber auch diese harten Gesetze waren vorauszusehen. Andernfalls wäre Deutschland jetzt in Problemen wie Griechenland sie hat.
    Mich ärgert nur das die Grosskotzerten Schreihälse sich in der Vergangenheit durchgesetzt haben. Besonnene konservative Politik hatte keine Chance.

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