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Arne Schönbohm

Der Behördenchef fühlt sich „etwas missverstanden“.

(Foto: Amin Akhtar/laif)

Arne Schönbohm Der BSI-Chef steht mehr in der Öffentlichkeit, als ihm wahrscheinlich lieb ist

Der Präsident des BSI schützt eigentlich die IT-Systeme des Bundes. Für eine Äußerung zum Datenleck ist er nun unter Druck geraten.
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BerlinGanz ruhig und entspannt wirkt Arne Schönbohm, Chef des Bundesamts für Informationstechnik (BSI), am 4. Januar, als er im Fernsehen eine kleine Bombe platzen lässt – nur wenige Stunden, nachdem ein massives Datenleck bei deutschen Politikern und Prominenten bekannt geworden ist.

„Wir haben schon sehr frühzeitig im Dezember auch schon mit einzelnen Abgeordneten, die hiervon betroffen waren, dementsprechend gesprochen“, sagt er im Gespräch mit dem Nachrichtensender Phoenix. Auch seien frühzeitig Gegenmaßnahmen eingeleitet worden.

Der Moderator merkt zunächst nicht, was Schönbohm da gerade eigentlich gesagt hat. Wenn das BSI schon im Dezember von dem Datenleck wusste, warum wissen die Öffentlichkeit und die Betroffenen erst seit dem 4. Januar davon – und warum ist der Account, über den die Daten verbreitet wurden, noch immer aktiv? Auch später im Gespräch, als er von einem Experten auf die irritierende Aussage hingewiesen wird, korrigiert Schönbohm sie nicht.

Andere Medien sind dafür umso schneller. „Bundesamt wusste schon seit Dezember von Datendiebstahl“ – so oder ähnlich titeln viele. Es hagelt Kritik von allen Seiten: Politiker, Experten, Betroffene hinterfragen die Rolle des BSI und seines Chefs im Umgang mit einem der größten Datenklaus bislang in Deutschland.

Tausend in der Öffentlichkeit stehende Personen wie Politiker, Künstler und Journalisten sind betroffen, teilweise wurden private Chatverläufe ins Internet gestellt. Und der Chef der obersten Sicherheitsbehörde wusste davon, aber sagte nichts?

Am Samstag nimmt Schönbohm seine Aussage dann teilweise zurück, lässt seine Behörde ein „Update“ schicken. Ein Abgeordneter habe das BSI Anfang Dezember informiert, dass er „fragwürdige Bewegungen auf privaten und personalisierten E-Mail- und Social-Media-Accounts festgestellt habe“, heißt es darin.

Die Behörde habe den Fall in das Nationale Cyber-Abwehrzentrum eingebracht. Alle Beteiligten seien aber zu diesem Zeitpunkt von einem Einzelfall ausgegangen.

Am Montag sah sich das für die Behörde zuständige Bundesinnenministerium gezwungen, Schönbohm beizuspringen. Dieser sei „etwas missverstanden“ worden, sagte ein Sprecher. Doch da war es schon zu spät, um die Nachricht wieder einzufangen.

Für den Chef einer Behörde, der für die Sicherheit der Regierungsnetze zuständig ist, war Schönbohm bereits bei seiner Berufung im Jahr 2016 eine ungewöhnliche Besetzung. Der Sohn des früheren brandenburgischen Innenministers Jörg Schönbohm (CDU) war zuvor mehr als drei Jahre Präsident des von ihm gegründeten Cyber-Sicherheitsrats Deutschland gewesen, der Firmen in IT-Fragen berät.

Politiker und Netzaktivisten hatten Schönbohm junior bereits vor seiner Ernennung mangelnde Fachkompetenz und seine Nähe zur Wirtschaft vorgeworfen und ihn als „Cyberclown“ lächerlich gemacht.

Tatsächlich ist Schönbohm der erste Leiter in der Geschichte der Behörde, der nicht Informatik oder etwas Ähnliches studiert hat. Zu seinem Verdienst gehört jedoch, dass er die Behörde wie keiner seiner Vorgänger in die Öffentlichkeit gebracht hat.

Dabei steht ihm seine Eitelkeit nicht im Wege – Schönbohm streicht gern heraus, wie erfolgreich und schnell seine Behörde ist. Er hält häufig Vorträge und steht für Interviews und Fernsehauftritte schnell zur Verfügung – mit Worten, die auch Nichtexperten verstehen. Seine Behörde wuchs unter ihm von 700 auf heute 940 Mitarbeiter. Tendenz: steigend.

Gerade im Bereich der IT-Sicherheit ist Auskunftsfreudigkeit von Behördenchefs eher eine Seltenheit. Dabei ist Schönbohm in seinen Aussagen zuweilen auch forsch. Sein Plädoyer für elektronische Wahlen – kurz vor der Bundestagswahl 2017 – führte in der Fachwelt zu Kopfschütteln. Als im Jahr 2016 etwa 900.000 Router der Deutschen Telekom Opfer eines Hackerangriffs wurden, scheute er sich nicht davor, Konzernchef Timotheus Höttges öffentlich anzugreifen.

Nun steht er selbst in der Kritik – und mehr in der Öffentlichkeit, als ihm wahrscheinlich lieb ist.

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