Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Atlantik-Brücke Verlierer ohne Groll – Merz' erster Auftritt nach der Niederlage

Friedrich Merz wird im Kreis der Atlantik-Brücke gefeiert. Bitterkeit über seine Niederlage auf dem CDU-Parteitag lässt er sich nicht anmerken.
1 Kommentar
Friedrich Merz (CDU, ganz links), der Vorsitzender Atlantik-Brücke, Chrystia Freeland, Außenministerin von Kanada, und Außenminister Heiko Maas (SPD, rechts) stehen bei der Verleihung des Eric-M.-Warburg-Preises an Freeland gemeinsam auf der Bühne. Quelle: dpa
Merz erster Auftritt nach der Niederlage

Friedrich Merz (CDU, ganz links), der Vorsitzender Atlantik-Brücke, Chrystia Freeland, Außenministerin von Kanada, und Außenminister Heiko Maas (SPD, rechts) stehen bei der Verleihung des Eric-M.-Warburg-Preises an Freeland gemeinsam auf der Bühne.

(Foto: dpa)

Berlin Stehende Ovationen gibt es schon, bevor das erste Wort gefallen ist. Friedrich Merz steht im Smoking vor dem dunklen Blau der Rednerbühne. Das niedrigere Podium lässt ihn noch länger und schmaler wirken, als er es ohnehin schon ist.

Ja, Merz ist der Vorsitzende der Atlantik-Brücke, jenes elitären Transatlantiker-Netzwerks, das am Samstagabend in den Berliner Bollefestsälen zum Galadinner geladen hat. Aber es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Merz heute hier erschienen ist. Er erlebt gerade seine bittersten Stunden in der Politik. In Hamburg, auf dem Bundesparteitag der CDU, ist am Tag zuvor sein verheißungsvolles Comeback gescheitert, seine zweite und wohl letzte Chance auf den Parteivorsitz und auf das Kanzleramt verstrichen.

Merz versucht die Schmach der Niederlage mit einem Scherz abzuschütteln. Er habe gerade eine ziemlich knappe Kiste hinter sich, informiert er den Ehrengast des Abends, die kanadische Außenministerin Chrystia Freeland. „Und ich habe es nur rechtzeitig geschafft, weil meine Rivalin gewonnen hat.“ Das Gelächter im Saal klingt fast erleichtert. Seinen etwas spröden Humor hat Merz sich bewahrt, so gesehen scheint er ganz der Alte zu sein.

Ein paar Sätze verliert der Vorsitzende noch über die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen in schwierigen Zeiten, über Multilateralismus und internationale Kooperation. Merz wird die Weltlage auch in den kommenden Jahren nur kommentieren können. Andere werden sie gestalten. Wie wird Merz, der sich immer zu Größerem berufen fühlte, damit zurechtkommen? Wenn sein Auftritt vom Samstagabend die Richtung vorgeben sollte, lässt sich sagen: indem er weitermacht, wo er aufgehört hatte, bevor der Machtkampf um den CDU-Vorsitz begann. Als wäre nichts gewesen.

Die Atlantik-Brücke hat sich an diesem Abend versammelt, um Freeland den Eric-M.-Warburg-Preis zu verleihen. Erstmals erhält damit eine Kanadierin die Auszeichnung, mit der vor Jahren auch der jüngst verstorbene US-Präsident George Bush Senior geehrt wurde.

Freeland hat sich vor allem um den Freihandel verdient gemacht. Das Ceta-Abkommen zwischen der EU und Kanada hätte es ohne ihren Einsatz womöglich nicht gegeben. Aber Freeland ist auch die Botschafterin eines anderen Amerikas. Es ist ja nicht immer leicht, den Glauben an die transatlantische Freundschaft zu bewahren in diesen Zeiten, in denen im Weißen Haus ein Präsident sitzt, der Mauern baut, Strafzölle verhängt und auf Twitter seiner Schadenfreude über die Krawalle in Paris freien Lauf lässt.

Die Laudatio auf Freeland hält der deutsche Außenminister Heiko Maas und gerät dabei so ins Schwärmen, dass Merz später über eine „Liebeserklärung“ witzeln kann. Das Ganze gipfelt in die Schlussfolgerung des Bundesaußenministers: „Gäbe es den Atlantik nicht, Kanada wäre der perfekte Kandidat für die Europäische Union.“ Harmonie soweit man blickt.

Die gelungenste Rede des Abends hält Freeland selbst: Sie erinnert daran, dass Netzwerke wie die Atlantik-Brücke gern von Populisten verunglimpft und als Elitenverschwörungen geschmäht würden, die nichts für einfache Bürger übrig hätten. „Nichts könnte der Wahrheit ferner sein“, sagt sie. Multilateralismus und internationale Zusammenarbeit seien wichtig, gerade jetzt. Denn wenn der Dschungel des Nationalismus zurück wuchere, würden die Schwächsten als erste darunter leiden.

Merz dürfte diesen Sätzen besonders aufmerksam zugehört haben. Er ist wohl auch darum gescheitert, weil ihm eben dies misslungen ist: glaubhaft zu vermitteln, dass er, als Mitglied der Elite, nicht den Blick für die Sorgen und Nöte der einfachen Bürger verloren hat.

Startseite

1 Kommentar zu "Atlantik-Brücke : Verlierer ohne Groll – Merz' erster Auftritt nach der Niederlage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Der Satz "Mehr Wirtschaft..." von Merz passt ins heutige Denken. Wenn ein Bettler einem fast um den Hals fällt weil man ihm einen gebrauchten Nagelknipser schenkt, dann ist die Entwicklung zu mehr Menschlichkeit und mehr Teilen angesagt und nicht nach noch mehr Wirtschaft (für die Konzerne). Zu Wenige haben zu Viel.
    Unsere Politiker lassen sich von den abgestumpften Verwaltungen viel zu oft vorschreiben was zu tun ist. Die Braunkohle (Rheinland) muss weg. Sofort! Dort sollte man z.B. ein Europäisches Batteriewerk und Forschungsstätte bauen, neben der Renaturierung natürlich. "Es lebe die Wirtschaft, es verrecke der Mensch". So hat das noch nie funktioniert. Liebe Grüße ein Mittelständler.

Serviceangebote