Atom-Transport Scharmützel um den Castor

Immer wieder kommt es zu Verzögerungen des Castor-Transports nach Gorleben. In Dannenberg haben Zehntausende friedlich protestiert. An anderer Stelle kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.
Update: 26.11.2011 - 16:01 Uhr 13 Kommentare
Beim niedersächsischen Pommoissel setzen Beamte Reitzgas und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein. Quelle: dapd

Beim niedersächsischen Pommoissel setzen Beamte Reitzgas und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein.

(Foto: dapd)

Gorleben/DannenbergVor dem Eintreffen des Castor-Transports mit Atommüll für das Zwischenlager Gorleben ist es am Samstagnachmittag im niedersächsischen Wendland erneut zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Mehrere hundert Menschen versuchten, in einem Waldgebiet auf die Castor-Schienenstrecke zu gelangen. Sie sollen Gleise beschädigt haben.

Nach Angaben von Augenzeugen setzte die Polizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Dabei habe es Verletzte gegeben. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa berichtete, die Beamten hätten auch Journalisten mit Reizmitteln angegriffen.

Ausschreitungen bei Castor-Protesten

Unterdessen protestierten zehntausende Atomkraftgegner aus ganz Deutschland und mehr als 400 Bauern mit Traktoren in Dannenberg. Bislang verlief die Großdemonstration friedlich. Die Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg, Kerstin Rudek, sprach von 23.000 Menschen auf dem Kundgebungsplatz und zeitgleich 2.500 Protestlern an der Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg. Die Polizei zählte „maximal 8000 Demonstranten“ in Dannenberg.

Die Demonstranten bildeten auf dem Kundgebungsplatz mit gelben Tüchern ein großes „X“, das Protestsymbol gegen Atommülltransporte ins Zwischenlager Gorleben. Anders als bei der Großkundgebung gegen den Castor-Transport des vergangenen Jahres waren kaum Fahnen von Parteien oder Gewerkschaften zu sehen.

Der Vorsitzende des BUND, Hubert Weiger, kritisierte den beschlossenen Atomausstieg als zu zögerlich. „Wir werden nicht hinnehmen, dass bis 2022 Atomkraftwerke laufen sollen“, sagte er. Weiger dankte den AKW-Gegnern aus dem Wendland für ihr Engagement: „Ohne euren Einsatz wäre die Bundesregierung nicht gezwungen gewesen, die Laufzeitverlängerung zurückzunehmen“, sagte er.

Die Japanerin Kanako Nishikata berichtete den Demonstranten über die Folgen der Atomkatastrophe von Fukushima für ihre Familie. Sie schilderte, wie sie mit ihren Kindern in geschlossenen Räumen und hinter Atemmasken leben musste, ohne dass die Kinder zum Spielen nach draußen konnten.

Polizei kritisiert massive Angriffe von Demonstranten
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13 Kommentare zu "Atom-Transport: Scharmützel um den Castor"

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  • @arminharald:
    Der Transport wird ja so lange wie möglich geheim gehalten, ebenso wie die Route, die gefahren wird. Aber leider, leider ist es nicht möglich, so etwas komplett im Geheimen durchzuführen...
    Wie schon gesagt: Der ganze zusätzliche Aufwand sollte von den Demonstranten getragen werden. Wenn ich einen Autounfall habe und danach die Straße gekehrt wird, muss ich das ja auch zahlen.

  • Warum werden eigentlich die Castor Transporte veröffentlicht?

    Will man bewußt die Gegner, denen auch keine gescheite Lösung einfällt, zu Demos herausfordern?

    Natürlich ist Gorleben auch keine endgültige Lösung der Endlagerung vom Atommüll, aber wer bietet in Deutschland eine bessere Lagerstätte ohne Protestpotential an?

    Ich hätte mich schon längst mit den Russen zusammengesetzt und geeinigt, den Mist in Tschernobil zu lagern, und dort gemeinsam eine Endlagerstätte errichtet!

  • "Das die Einsatzpolizei mittlerweile zum erheblichen Teil aus scharfgemachten Skinheads besteht ist genausowenig neu wie die Sonderabteilung, die sie von Zwickau aus mordend durchs Land ziehen ließ."

    Oh je, klarer Fall einer schweren Psychose!

    "Ihr 3 seit aber auch von den allerletzten Doofen…"

    Manche schließen von sich auf andere!

  • Sie werden erleben,dass der Atommüll in Zukunft noch kreuz und quer durch Europa gekarrt werden wird,weil er nirgendwo sinnvoll endgelagert werden kann.Und wie man schon vernommen hat wollen die Leute im schönen Bayernland keinen Atommüll bei sich endlagern,denn dafür ist Bayern einfach zu schön.
    Also ist angesagt den Politikern klar zu machen,dass dieses hin und her Geschiebe sehr unangenehm und teuer wird und sie sich darauf eistellen müssen,dass das sehr unangenehm wird.
    Alle die jetzt nach hartem Durchgreifen rufen und die Castor Gegner am liebsten in Lager stecken würden(schließlich sind wir in Deutschland,da weiß man wie man´s machen muß),argumentieren eigentlich gegen ihre eigenen Interessen als Bürger.

  • @Ueber30JahreWiderstandGegenAtom1:

    Ihr erster Satz lässt schon tief blicken...
    Was mir dazu noch einfällt ist: www.seit-seid.de

    Eine angenehme Nachtruhe wünsche ich allerseits!

  • Ein Leser.Ich finde den Kommentar den wonderland als erstes geschrieben hat in Ordnung.

  • "Scharmützel" ist ja "nett" formuliert....Die Zustände in Fukuschima sprechen da ihre eigene Sprache.Dort geht es um Leben und "schleichenden" Tod von Tausenden.

  • @ wonderland und den rest

    was würdet ihr sagen und tun wenn ihr den atommüll in euren vorgarten haben würdet und alle gegner so gleich zu stellen ist nicht fair der atommül sollte dort gelagert werden wo er entstanden ist also in bayern bawü dort gibt es viele atomkraftwerke und das die polizei so reagiert naja in meinen augen sollte sie sich schämen

  • War etwas zu lang, hier der Rest:

    Das sich die Grünen nicht mehr auf den Demos sehen lassen, begrüßt der Widerstand: die haben in ihren Jahren Regierungsbeteiligung weder die Endlagerfrage bezüglich des Vergrabestandortes sinnvoll bewegen können noch die Endlagerung (sorry: soll heißen: Zwischenlagerung) der Castoren auf AKW-Gelände durchgesetzt. Damit der Müll bis zu einer besseren Lösung bei den Verursachern strahlt.

    Den wirtschaftlichen und politischen Preis durch Aktionen wie jetzt im Wendland zu Erhöhen ist eine der sinnvollsten Aktionen, die dem Widerstand möglich sind.

    Wer sich seine Meinung BILDen lässt oder statt in die Wirklichkeit in den Spiegel blickt, ist selber schuld! Solche Tröpfe zu entmündigen wäre wohlfeil, aber eben undemokratisch und widerspricht damit der Tradition des aufklärerischen Widerstandes, der sich auch im Wendland artikuliert.
    Deshalb dürft ihr hier die Schnauze aufreißen. Besser wird das Gegeifer dadurch natürlich nicht.

    Merke: Wissen ist Macht. Wer sich vor die Herrschenden stellt, hat eben keine Ahnung oder wird dafür auch noch bezahlt.

  • Ihr 3 seit aber auch von den allerletzten Doofen…

    Das die Einsatzpolizei mittlerweile zum erheblichen Teil aus scharfgemachten Skinheads besteht ist genausowenig neu wie die Sonderabteilung, die sie von Zwickau aus mordend durchs Land ziehen ließ.
    Ein Großteil der als besonders "brutal" bezeichneten Anti-Castor-Aktionen stammt normalerweise von Agents Provokateurs oder gleich aus der Presseabteilung der Polizei, sprich: sind Propaganda.

    Wer sich den Unterschied bezüglich Verhältnismäßigkeit verdeutlichen will mache einen Selbstversuch: erst sich in Vollschutzklamotten mit einigen Böllern bewerfen lassen und anschließend in normalen Outdoorklamotten sich von 4 Prügelfetischisten mit original Tonfa-Polizeiknüppeln und Pfefferspray 3 Minuten traktieren lassen.
    Wer dann noch die Demonstranten als Terroristen beschimpft ist mit 100% Realitätsverlust und ekelerregender Bösartigkeit geschlagen.

    Es geht darum, ENDLICH das real existierende Endlager Gorleben (richtig: das oberirdische) einer weniger riskanten Lösung zuzuführen. Plutonium geht nicht ohne Risiko, das wissen alle im Widerstand, aber es geht auch mit weniger als der aktuellen Methode: in eine abgelegene Ecke stellen und "vergessen".

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