Atomausstieg bis 2022 Gehen in zehn Jahren die Lichter aus?

Die Regierung hat sich auf ein klares Datum für den Atomausstieg geeinigt: Bis 2022 gehen alle Kernkraftwerke vom Netz. Die Industrie malt schwarz. Doch Deutschland wird nicht so weit zurückgeworfen, wie befürchtet.
Update: 30.05.2011 - 09:48 Uhr 8 Kommentare
Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace entrollen ein Transparent auf dem Brandenburger Tor. Quelle: dpa

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace entrollen ein Transparent auf dem Brandenburger Tor.

(Foto: dpa)

BerlinNach sieben Monaten hat die Koalition ihre im Herbst 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke wieder einkassiert. Der Koalitionsausschuss einigte sich darauf, die Kernkraftwerke in Deutschland bis spätestens 2022 stillzulegen, wie Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) in der Nacht zu Montag sagte. Die sieben ältesten derzeit abgeschalteten Atomkraftwerke und das Kernkraftwerk Krümmel sollen nicht wieder ans Netz gehen. Die Brennelementesteuer bleibt erhalten.

BDI-Chef Keitel übt Kritik: Der Atomausstieg ohne Netz und doppelten Boden sei eine abenteuerliche Vorstellung. Quelle: Reuters

BDI-Chef Keitel übt Kritik: Der Atomausstieg ohne Netz und doppelten Boden sei eine abenteuerliche Vorstellung.

(Foto: Reuters)

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hatte zuvor war vor einem Atom-Ausstieg mit festem Datum gewarnt. Die „deutlich erkennbare politische Absicht, in einem beispiellos beschleunigten Verfahren einen finalen und irreversiblen Schlusspunkt für die Nutzung von Kernenergie in diesem Land zu fixieren, erfüllt mich zunehmend mit Sorge“, heißt es in einem dem Handelsblatt vorliegenden Brief von BDI-Präsident Hans-Peter Keitel an Unternehmen und Verbandsvertreter.

Es seien Sicherungen auf dem „riskanten Weg in ein anderes Energiezeitalter“ erforderlich. Man brauche „Möglichkeiten zum Nachjustieren, auch auf der Zeitschiene“. Ein Atomausstieg ohne Netz und doppelten Boden sei eine abenteuerliche Vorstellung für ein hoch entwickeltes Industrieland, schreibt Keitel weiter.

Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche kritisierte die Kehrtwende der Bundesregierung. Erst am 28. Oktober vergangenen Jahres hatte der Bundestag mit schwarz-gelber Mehrheit eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke um 8 bis 14 Jahre beschlossen. Zetsche monierte, dass die Bundesregierung nach der Atomkatastrophe in Japan innerhalb weniger Tage und sehr emotional entschieden habe. Von einer guten Regierung wünsche er sich aber, dass sie bei einer so wichtigen Frage wie der Energieversorgung alle Aspekte sehr genau prüfe.

„Dabei müssen der Klimaschutz, die Sicherheit und die Kosten berücksichtigt werden“, sagte Zetsche in der "Bild-Zeitung". Die Bundesregierung verfolge keinen eindeutigen Kurs. „Die Abkehr von einer bezahlbaren Energieversorgung ist klar ein Risiko“, sagte Zetsche. Auch die Opposition sparte nicht mit Kritik an der Einigung im Koalitionsausschuss.

Umweltminister Röttgen hingegen sagte: „Das Ergebnis ist konsistent und konsequent.“ Die Koalition orientiere sich beim Atomausstieg an den Empfehlungen der Ethikkommission der Bundesregierung zur Zukunft der Energieversorgung.

Bau neuer Kraftwerke und Speicher
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8 Kommentare zu "Atomausstieg bis 2022: Gehen in zehn Jahren die Lichter aus?"

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  • Lieber Bernd,

    sag' doch nicht Hinterzimmerdemokratie, sag' einfach Politbüro...

  • KKW als SICHERHEITSpuffer...hört hört...das hat was...
    Dafür sind sie also gut genug...
    Ansonsten nur als Manövriermasse im politschen Ränkespiel.

    Wenn den "dezentralen" Vogel-Schreddern die Puste ausbleibt, sollen also die (angeblich knapp vor dem Hypersupermegagau stehenden!) deutschen KKW's den Politbonzen die Ärsche retten. Nicht zu fassen!!!

    Erinnert mich an DDR-Zeiten, wenn die Braunkohletagebaue abgesoffen oder eingefroren waren...
    (Stichwort "Produktionsbefehl")

    Kleiner Tip an die KKW-Mitarbeiter:
    Briefe und Petitionen an Würdenträger nützen GAR NICHTS.
    Die erleiden das gleiche Schicksal wie die armen Vögel.

    Nehmt Euch ein Beispiel an den Lokführern.
    Die jammern und klagen nicht. Sie verbünden sich und TUN WAS für ihre Interessen, wenn sie über den Tisch gezogen werden sollen.
    Überlegt Euch genau, ob ihr diesen verräterischen Politbonzen, die Euch aus purer Machtgier nach Belieben mit Dreck bewerfen, Euch kriminalisieren und Euch Eure ehrlich erarbeitete Existenz rauben, den Karren aus dem Dreck ziehen wollt.

  • NEUWAHLEN - NEUWAHLEN - NEUWAHLEN -

    die merkel katastrophen-regierung soll endlich das

    handtuch werfen .alle negativnachrichten beziehen sich

    auf merkel .das volk will endlich eine andere politik

    die positive elemente zeigt !

    wenn merkel in de machtpolitik betreiben will,dann ist

    sie hier am falschen platz !!!

  • Der AKW Ausstieg: Ein Fortschritt im Sinne der Menschheit, wie die Einführung der Hygenie in Krankenhäusern - tägliches Wechseln der Bettwäsche - Anfang des 19. Jahrhunderts. Ist heute selbstverständlich.

    Deutschland ist kulturell und technisch vorangegangen, die anderen Ländern werden folgen, auch wenn es noch so schwer fällt.

    Unser größtes Problem tut sich jetzt mit der westlich des Rheins befindlichen größten europäischen Staatswirtschaft auf: hier redet man vom großen deutschen Vorbild und ... von einer "politischen" (also keiner ökonomischen) Entscheidung. ... Entsetzen our!

    Die Situation ist ungefähr so, wie 1988 in Ostberlin, als Honnecker vom Sozialismus und Ochs und Esel redete....Frankreich liebäugelt dieses Jahr mit dem Blackout, mehr und mehr AKW haben zu wenig Kühlwasser und werden abgschaltet wie letzten Juli/ August als 8.000 aus Deutschland aushelfen mußten!!


    Was passiert mit Frankreich, mit dem Land das Eigentümer und Gesetzgeber der Atomwirtschaft ist?

    Frankreich wird der nächste EU Pleitekandidt!

  • Was bisher geschah:

    Ausstieg vom Ausstieg. Wiedereinstieg vom Ausstieg des Ausstiegs. Ausstieg vom Wiedereinstieg des Ausstiegs vom Ausstieg. Ausstieg vom Wiedereinstieg des Ausstiegs vom Ausstieg und Wiederausstieg vom Ausstieg des Einstiegs vom Ausstieg.

    Fortsetzung folgt...

  • Licht aus? Sicher nicht wegen der Entscheidung gegen Atomkraft.

    Licht aus wegen Hinterzimmerdemokratie, das ist denkbar.
    Politik gehöhrt ins Parlament und dort sollten die Parlamentarier debattieren und entscheiden. Der Trend, im Kanzleramt zu kugeln und dann von den Parlamentariern, über ihre Parteispitzen gezwungen, einfach nur Zustimmung zu erwarten, beschädigt unsere Demokratie nachhaltig.

  • Die Entscheidungen der Regierungskoalition sind m.E. stark emotional geprägt. Die zurecht von der deutschen Wirtschaft angemahnten problematischen ökonomischen und sozialen Auswirkungen hat man m.E. unter Blick auf die derzeitige populäre Gesamtströmung verdrängt. Ich hoffe, daß zumindest Teile der Bundestagsabgeordneten (insbesondere der FDP) nicht hinter diesem Kompromiss stehen und dies auch öffentlich machen.

  • Bis 2020 o.ä. - was für eine Farce !
    Noch dieses Jahr fliegt uns höchstwahrscheinlich das weltweite Finanzsystem um die Ohren (geplanterweise) - dann stellt sich keine Frage mehr nach Atomstrom oder nicht....
    Ausserdem gibt es längst die Möglichkeit FREIE ENERGIE zu nutzen.
    Das wird aber dem Pöbel vorenthalten.....die kommt erst zum Zuge, wenn die "Elite" die totale Kontrolle über das Pöbel erlangt hat......

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