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Atomkraft Entsorgungsfonds zieht positive Bilanz – trotz Anlaufverlusten

Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung bewertet die ersten zwei Jahre seiner Arbeit positiv. Allerdings steht er noch vor großen Herausforderungen.
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Ziel der Errichtung des Entsorgungsfonds war es, dem Staat die bei den Atomkonzernen gebildeten Rückstellungen zu sichern. Quelle: dpa
Atommüllfässer

Ziel der Errichtung des Entsorgungsfonds war es, dem Staat die bei den Atomkonzernen gebildeten Rückstellungen zu sichern.

(Foto: dpa)

Berlin Es ist nicht einfach, 24 Milliarden Euro sinnvoll anzulegen: Bis zum 30. Juni 2019 hatte der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung (Kenfo) 9,1 Milliarden Euro investiert, bis Ende 2018 waren es erst 4,3 Milliarden Euro. Die durchschnittliche Wertentwicklung auf das schrittweise investierte Fondsvermögen betrug nach Angaben des Fonds 6,2 Prozent pro Jahr.

Nach Auffassung von Vorstandschefin Anja Mikus ist das „ein sehr ordentliches Zwischenergebnis, insbesondere nach dem Börsenjahr 2018, in dem weltweit nahezu alle Märkte verloren haben“. Sie sei zuversichtlich, „dass wir mit unserem Stiftungsergebnis bereits 2019 in der Gewinnzone landen, das ist ein Jahr früher als geplant“, sagte Mikus am Dienstag bei der Präsentation des Geschäftsberichts 2018. Der Fonds liege „voll im Aufbauplan“, ergänzte sie. Die Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung sei damit aus heutiger Sicht „mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sichergestellt“.

Unter dem Strich schreibt der Fonds trotz der positiven Wertentwicklung des investierten Fondsvermögens für das Jahr 2018 Anlaufverluste. Das negative Stiftungsergebnis für das Jahr 2018 beläuft sich nach Angaben des Fonds auf 71,5 Millionen Euro. Von den Aufwendungen des Fonds sind über 90 Prozent, nämlich 86,4 Millionen Euro, Zinsaufwendungen, die der Fonds an die Deutsche Bundesbank geleistet hat.

Die Errichtung des Fonds folgte 2017 den Empfehlungen einer von der Bundesregierung eingesetzten Kommission. Ziel war es, dem Staat die bei den Atomkonzernen gebildeten Rückstellungen zu sichern. Im Gegenzug für die Überweisung der 24 Milliarden Euro wurden die Betreiber von der Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung des Atommülls freigestellt.

Fonds ist die größte öffentlich-rechtliche Stiftung in Deutschland

Die gesetzliche Basis dafür lieferte das Entsorgungsfondsgesetz, das im Juni 2017 in Kraft trat. Bereits Anfang Juli 2017 waren die Betreiber der insgesamt 25 deutschen Kernkraftwerke, von denen der größte Teil bereits stillgelegt ist, ihrer gesetzlichen Pflicht nachgekommen, ihre Rückstellungen auf die Konten der Stiftung einzuzahlen. Im Juli 2017 nahm auch das Management des Fonds seine Arbeit auf. Der Fonds ist die größte öffentlich-rechtliche Stiftung in Deutschland.

Das Gesamtvolumen von 24,1 Milliarden setzt sich zusammen aus dem Basisbetrag von 17,8 Milliarden Euro, der den Rückstellungsbeträgen der Energieversorgungsunternehmen für ihre Entsorgungsverpflichtungen entspricht, sowie einem Risikoaufschlag von 35 Prozent oder 6,3 Milliarden Euro.

Bislang hat der Fonds in börsennotierte Werte investiert. In den kommenden Monaten und Jahren wird es darum gehen, nicht börsennotierte Anlagen, etwa Unternehmensbeteiligungen, zu erwerben. Das benötige einen langen zeitlichen Vorlauf, sagte Mikus. Man werde mit diesen Anlagen voraussichtlich erst Ende 2019 beginnen.

Die Gesamtkosten der Entsorgung wurden bei der Gründung des Fonds auf der Basis gutachterlicher Berechnungen mit 169 Milliarden Euro beziffert. Diesen Betrag muss der Fonds innerhalb der nächsten 80 Jahre erwirtschaftet haben. Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Fonds jährlich eine Rendite von 4,58 Prozent erzielen. Dieser Wert bezieht sich allerdings auf den Basisbetrag von 17,8 Milliarden.

Durch den Risikosaufschlag von 6,3 Milliarden Euro sinkt das Renditeziel auf 3,7 Prozent. „Das Geld wird reichen, wenn wir es vernünftig anlegen“, sagte Thorsten Herdan, Vorsitzender des Kuratoriums des Fonds. Herdan ist Abteilungsleiter im Bundeswirtschaftsministerium. Der Fonds sei risikobereit, aber kein Spieler. Mit seiner langfristigen Anlageperspektive über mehrere Jahrzehnte habe der Fonds eine „komplett andere Betrachtung des Risikos“ als andere institutionelle Anleger, die auf die Quartals- und Jahresentwicklung schielten, sagte Herdan.

Allerdings teilen nicht alle Herdans Optimismus. „Die derzeit niedrigen, teils negativen Zinsen für die sichere Anlage der Gelder werden den Druck erhöhen, zukünftig mehr in Aktien zu investieren, verbunden natürlich mit einer Erhöhung des Anlagerisikos", sagte Wolfgang Irrek von der Hochschule Ruhr West dem Handelsblatt. „Der Fonds war anscheinend 2018 immer noch so viel mit seinem organisatorischen und personellen Aufbau beschäftigt, dass er sich um seine eigentlichen Aufgaben kaum kümmern konnte. Die Prognose, dass dies auch 2019 noch so andauern wird finde ich erschreckend", ergänzte Irrek.

Bereits heute muss der Fonds auch Geld auszahlen, um Entsorgungskosten auszugleichen: Mittlerweile wurden dafür bereits 460 Millionen Euro abgerufen, davon 181 Millionen Euro im vergangenen Jahr.

Mehr: Bund und Sozialkassen verwalten Milliardenbeträge. In Zeiten von Minuszinsen sind volle Kassen jedoch ein Problem. Das zeigt sich beim Atom-Entsorgungsfonds.

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