„Atomkraft? Nein Danke!“ Die Rückkehr der Anti-Atom-Bewegung

Die Debatte um die Atompolitik der Bundesregierung reißt nicht ab. Am Samstag demonstrierten in Berlin Tausende Menschen gegen den geschlossenen Kompromiss. Grüne und SPD fürchten, dass die Proteste nicht immer friedlich ablaufen werden und attackierten zugleich die Art, wie die Regelung zustande kam.
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Protest gegen Atomkraft: In Berlin demonstrieren Kernkraftgegner. Quelle: Reuters

Protest gegen Atomkraft: In Berlin demonstrieren Kernkraftgegner.

(Foto: Reuters)

HB BERLIN. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat der Regierung wegen ihrer Atompolitik das Schüren eines der größten gesellschaftlichen Konflikte der Bundesrepublik vorgeworfen. „Ich fürchte, dass es nicht nur friedliche Auseinandersetzungen geben wird“, sagte Gabriel am Samstag am Rande der Großdemonstration in Berlin gegen den schwarz-gelben Atomkurs.

Am Berliner Hauptbahnhof versammelten sich tausende Menschen, um rund um das Regierungsviertel gegen die geplante Laufzeitverlängerung um durchschnittlich zwölf Jahre zu demonstrieren.

Der unerwartet massive Protest zeige, dass die Bevölkerung keine Klientelpolitik für die Atomkonzerne dulde, erklärten die Veranstalter. Der Widerstand komme aus allen Schichten der Gesellschaft. Mitorganisator Jochen Stay sagte, so eine große Demonstration gegen die Atomkraft habe es zuletzt 1986 nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gegeben. Die Veranstalter hatten 30 000 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet und im Vorfeld erklärt, sie rechneten mit mehr als 50 000 Teilnehmern, die mit Sonderzügen und mehr als 150 Bussen in die Hauptstadt kamen.

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, was Union und FDP planten, sei ein Anschlag auf die Demokratie. Am Bundesrat vorbei wolle Schwarz-Gelb den „Atom-Deal“ beschließen. Dagegen würden die Grünen und mehrere Bundesländer vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Zudem handele die Regierung am Parlament vorbei in Hinterzimmern mit den Atomkonzernen die Bedingungen für längere Laufzeiten aus.

„Das ist ein sittenwidriger Vertrag, sagte Roth. „Wir werden auf der Straße zeigen, dass diese Politik von Schwarz-Gelb keine Mehrheit hat.“ Man werde auf allen Ebenen gegen die Atompläne kämpfen.

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23 Kommentare zu "„Atomkraft? Nein Danke!“: Die Rückkehr der Anti-Atom-Bewegung"

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  • @FoCS
    Ein ordinärer bleigelakku (12V * 100Ah) liefert (1,2 kWh theoret. prakt.:) ca. 0,6 kWh
    Hat mich gekostet: 20 Euro (weil irgendein Depp seine funktionierende batterie einfach auf den Schrott schmeißt)
    macht also 33 Euro pro kWh bei einmal laden.
    bei 100 x laden: 0,33 Euro pro kWh (mal ungünstig gerechnet, problemlos erreichbare 500 Zyklen mag ich ihnen nicht zumuten), statt ihrer 0.80 Euro.

    Vielleicht sollten Sie vorher überlegen und die wirtschaftlichere batterie nehmen ?
    Sie können ja gerne was schlechtrechnen, die Praxis beweist mal wieder was anderes!

  • Genau norbert, Fallbeispiel sind erlaubt in der Wissenschaft, d.h. nicht, dass dies immer allgemiengültig für das gesamte System gilt.

    Doch generisch betrachtet unabhängig von privat, dass diese zahlreichen Einzelfälle in ihrer Summe immer als unerheblich abgetan werden, das ist die Schwierigkeit einer Differenzierung und ihrer beurteilung.

    Oder anderst ausgedrückt: Es können alle außer einem sagen, dies und jenes ist richtig, doch im Nachhinein stellt sich heraus dieser EiNE lag richtig.
    ich habe dazu intuitiv bereits vor vielen Jahren aus den bauch heraus gesagt, ein Zitat aus dem Jahre 2004 von mir: Wenn alle meinen dies sei richtig und wir müssen genau dies tuen und das ist dann richtig aufgrund der Mehrheitsmeinung, sind wir morgen wieder bei den Nazis.

    Diese Mehrheitsentscheidungen können alle falsch liegen, eine Einzelaussage ist genauso wichtig.

  • @FoCS
    Meine private Situation ist ein beispiel und eine Replik auf einige stereotypen behauptungen, die hier desöfteren wiederholt werden. Unter Anderem, daß etwas gar nicht funktionieren könne, begründet mit einem Glauben und fragwürdigen Argumenten von interessensgruppen.
    Mein Post soll zeigen, daß bestimmte Argumente hinfällig sind und zum beweis habe ich meine Wohnsituation angesprochen.
    Sie haben recht, das ist eine ganz private, isolierte Situation. Mit keinem Wort habe ich behauptet, daß das auf die bRD übertragbar ist. Wir können gerne auch auf die gesamtwirtschaftliche Situation reden, aber das war hier nicht mein Anliegen, sondern lediglich, daß ein Privathaushalt nicht von AKW und Kohle abhängig sein muß. MEHR NiCHT !
    Und was ich damit sagen will: Wenn ich ein Problem habe, muß ich oft neue Wege suchen, anstatt dieses zu unterlassen mit dem Argument, daß das ja sowieso alles nicht funktionieren könne.
    Sie können ja mal den Gesamtenergieverbrauch der Einfamilienhäuser addieren und dann annehmen, daß dieser bedarf durch autonome Lösungen gedeckt werden könnte. Wieviel Energiebedarf bliebe dann übrig ? Dann nehmen wir die Gemeinden, die sich bereits vollkommen von den Energieversorgern gelöst haben, und rechnen - statt Häuslebesitzer - mal alle potentiell autarken Gemeinden der bRD raus. Auf das Ergebnis bin ich gespannt ...

  • @ piano man (19)

    „in diesen Zeiten reden linke Gutmenschen gerne von sog. "Lobbyisten" und meinen natürlich (wie auch sonst immer) nur die anderen.“

    Treffend, die Frage, weshalb die einen Lobbyisten sind, die anderen nicht, wird ebenfalls nicht beantwortet. Man rettet schließlich die Welt und ist damit völlig ausgelastet.

  • @ yahel, FoCS

    in diesen Zeiten reden linke Gutmenschen gerne von sog. "Lobbyisten" und meinen natürlich (wie auch sonst immer) nur die anderen.

    Die Wahrheit ist, dass der ganze EE-Hokuspokus der allergrösste und krasseste Lobbyismus ist, den es in Deutschland je gab. Da sorgen ganze Kasten von Lobbyisten dafür, dass Milliarden an Steuergeldern in die Tasche einer Klientel fliessen, die sich selbstgefällig als "Umweltschützer", "Klimaschützer", "Atomkraftgegner" oder sonstwas bezeichnen.

    Hinzu kommt, dass es sich dabei um die grösste Umverteilung von "unten nach oben" (um in deren Jargon zu bleiben) handelt, denn nur die neuspiessbürgerliche Grünen-Klientel (Lehrer etc.) kann und will sich die Solarpanels leisten. Die Rentner und Hartz4 -Empfänger allerdings nicht. Die können das alles über den Strompreis bezahlen, welcher schon zu einem Grossteil aus den Umverteilungsabgaben besteht zugunsten der verlogenen Lobbyisten.

    Aber wohlgemerkt: Es sind Gutmenschen, die haben die Moral für sich gepachtet.

  • @ FoCS (17)

    „Denkt hier keiner darüber nach, dass praktisch alle Arbeitsplätze hier davon abhängen, dass einigermassen bezahlbare Energie zur Verfügung steht?“

    Wenn Sie alle Threads verfolgt haben, in denen es um die „EE“ ging, ist immer wieder auf den industriestandort D und darauf hingewiesen worden, daß ein großer Teil der Energie zur Veredelung des Rohmaterials aus elektrischer Energie besteht. Das interessiert diese Leute aber nicht, sie frönen weiterhin dem Windmühlenwahn und reiten sich auf ihren Solarpanels den Hintern wund, sie träumen von dezentraler Energiegewinnung und Kraftwärmekopplung, gehen auf die Frage, wer die dazu erforderliche infrastruktur bezahlen soll, nicht ein. Ebenso wird die Frage nie beantwortet, was denn an der Atomenergie so furchtbar gefährlich ist, einschließlich der Lagerung des Abfalls 900 m tief unter der Erde.
    Fazit für mich: Wer vorhandene herkömmliche Energieträger abschaltet, mit dem Ziel diese durch EE zu ersetzen, ist ein Trottel, der wissentlich und willentlich den industriestandort D gefährdet, weil er dadurch Arbeitsplätze vernichtet.

  • Geradezu herzig ist es, wie Menschen, die sich für intelligent halten, ihre eigene private Situation auf ganz deutschland übertragen, nach dem Motto: Wenn ich zu Hause mit ein paar Solarpanels auskomme, gilt das für ganz Deutschland. Denkt hier keiner darüber nach, dass praktisch alle Arbeitsplätze hier davon abhängen, dass einigermassen bezahlbare Energie zur Verfügung steht? Scheint nicht so.

    Und so nebenbei: Eine Li-ionen batterie kostet derzeit 800 € pro kWh Ladekapazität und kann 1000mal geladen/entladen werden. D. h., allein die Speicherung von 1 kWh kostet 0.80 €, der Strom aus PV ca. 0.30 €/kWh, macht zusammen 1.10 € /kWh, das ist das Fünffache (in Zahlen: 5-fache) des Preises vom Steckdosenstrom (incl. Steuern und Abgaben). So schnell kann keine technische Entwicklung sein, dass sich dies in absehbarer Zeit rechnet.

    in 2009 haben die Kernkraftwerke 135 TWh Strom erzeugt. Um nur diese Energie durch PV zu erzeugen, müssten wir in D für ca. 490 Milliarden € Solarzellen ( 3500 €/kWp) installieren (+ Speicherkapazität). Und dann haben wir immer die Kohlekraftwerke, die ja auch abgeschaltet werden sollen. Wie soll das gehen?

    Falls jetzt jemand mit dem Rettungsschirm für die banken kommen will: bitte nicht, mir ist der Unterschied zwischen bürgschaft und echtem Geld bekannt.

  • Wenn Sie ca. 2 kWh pro Nacht zur Verfügung haben, dann können Sie sehr schnell ausrechnen, wieviel Elektrogeräte Sie dann betreiben können. Wenn's nicht reicht, nehmen Sie halt eine batterie dazu. (Den Vorschlag mit Gasproduktion hatte ich ja schon mal gemacht und Vaillant hat bereits eine Wasserstofftherme entwickelt und brennstoffzellen gibt's ja auch noch).
    Meinen Warmwasservorrat mache ich tagsüber, er übersteht eine Nacht mit ca 5 Grad Wärmeverlust.
    Die Leistung ihres Kühlschrankes kennen Sie (steht auf dem Typenschild). Dann schauen Sie , wie oft er nachts anspringt und wie lange und Sie haben die erforderliche Leistung. Meiner kommt mit 0,3 kWh/Nacht aus, und selbst, wenn er mal drei Stunden nicht liefe, ist wäre das kein Weltuntergang, dafür kühlen Sie tagsüber etwas mehr und leben mit dem Kälteverlust nachts. Sie können einen Fernseher mit 12 V betreiben (ist sparsamer) und LEDs zur beleuchtung nehmen, was aber nicht heißt, daß Sie komplett auf Glühbirnen verzichten müssen.

  • @ norbert (5)
    ich produziere mehr Strom, als ich verbrauchen kann, und ich habe kein Problem, zu heizen, sondern ein Problem, Wärme loszuwerden.
    Waschmaschine, Mikrowelle, und jeder weitere Luxus - es funktioniert ! Nicht theoretisch, sondern praktisch ! Jeden Tag !
    Die Debatte, ob die Energieversorgung ohne AKWs funktionieren könnte oder nicht, die ist Vergangenheit.“

    Und wie sieht es in der Nacht aus? Was machen ihre Kühlgeräte, die Ladepumpe für den Warmwasservorrat, Licht?

  • @ Tom
    ich fürchte, daß Sie auch eher zu den Gläubigen gehören, statt nachzurechnen ...

    Über die Leistung meiner Paneele hatte ich bereits gepostet. Nun rechnen Sie doch einfach mal: 4,18J/gK*1000g*Delta t 80 Grad = 4100Ws entsprechend1,16 Wh oder 0,1 kWh.
    Das heißt mein Liter Suppe zu kochen braucht theoretisch 0,1 kWh, praktisch (wg Wirkungsgraden) 0,2 kWh.

    Meine batterien (5 Stück a 100 Ah vom Schrott) werden tagsüber geladen und können nachts ca. 2 kWh liefern.
    ich habe also 2 kWh zur Verfügung und bräuchte für ihre Suppe ein Zehntel davon.
    (Mein Delta t ist übrigens wesentlich kleiner, da meine Wärmepumpe bereits 60-Grad-Wasser macht).

    Dieses beispiel soll ihnen zeigen, daß zwischen Glaube/Vorstellungskraft und den Fakten manchmal ziemliche Diskrepanzen liegen. Sie können es sich nicht vorstellen, ok. Aber das heißt nichts, wie dieses bEiSPiEL zeigt.

    Der Grundgedanke ist, nachzudenken und intelligente Lösungen zu finden, anstatt alles zu lassen in dem Glauben, daß es sowieso nicht geht.

    Nun kommen Sie mir nicht mit Licht oder Fernsehen oder Heizung o. Ä. ! Denken Sie erst nach ! Es geht mit alternativen Energien! Und zwar ohne Komforteinbußen. Falls Sie beim Nachdenken zu keinem Ergebnis kommen, suchen Sie im Netz mal nach "Passivhaus" oder "Mehrenergiehaus".

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