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Atomkraft Slowakische Atomreaktoren lassen die Bundesregierung kalt

Die geplante Inbetriebnahme zweier Reaktoren sowjetischer Bauart in der Slowakei besorgt die Grünen. Der Bundesregierung werfen sie Untätigkeit vor.
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Mochovce ist das weltweit einzige AKW-Neubauprojekt, bei dem die Reaktoren über keinen Sicherheitsbehälter („Containment“) verfügen. Quelle: imago stock&people
Slowakisches Kernkraftwerk Mochovce

Mochovce ist das weltweit einzige AKW-Neubauprojekt, bei dem die Reaktoren über keinen Sicherheitsbehälter („Containment“) verfügen.

(Foto: imago stock&people)

Berlin Über den Bau der beiden slowakischen Atomreaktoren Mochovce 3 und Mochovce 4 ist viel gestritten und spekuliert worden. Nun deutet alles darauf hin, dass die beiden Meiler in Betrieb gehen. Aus Sicht der Grünen ist das unverantwortlich. Sie sehen ihre Kritik an den beiden Kernkraftwerken durch die dem Handelsblatt vorliegende Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion bestätigt.

So schreibt die Bundesregierung etwa, sie könne bestätigen, dass „bei der Fertigstellung der Blöcke 3 und 4 im AKW Mochovce kein vollständiger baulicher Schutz gegen Flugzeugabstürze realisiert werden soll.“

Kritisch sieht die Bundesregierung die in der Slowakischen Republik geltenden Grenzen für Haftung und Deckungsvorsorge für den Fall einer Nuklearkatastrophe von 300 Millionen Euro. „Zur Verwirklichung eines bestmöglichen Opferschutzes sieht die Bundesregierung eine unbegrenzte Betreiberhaftung von Atomkraftwerksbetreibern als notwendig an. Deutschland hat diese bereits im Jahr 1985 und damit noch vor dem Unfall von Tschernobyl eingeführt“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung an die Grünen.

Die unbegrenzte Betreiberhaftung sei aber „nach wie vor international nicht mehrheitsfähig“.

Um den Informationsaustausch zwischen Deutschland und der Slowakei rund um den Bau der Kraftwerke scheint es nicht gut bestellt zu sein. Im Nuklearbereich begrenze die Slowakei ihre regelmäßige bilaterale Zusammenarbeit auf ihre unmittelbaren Nachbarstaaten, schreibt die Bundesregierung.

Arbeiten wurden mehrere Jahre eingestellt

Allerdings, so räumt die Bundesregierung ein, habe man sich auch nicht aktiv um die Übermittlung von Unterlagen bemüht. Zwischen Deutschland und der Slowakei gibt es keine gemeinsame Grenze, der Kernkraftwerksstandort Mochovce ist etwa 350 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Österreich und Tschechien grenzen unmittelbar an die Slowakei an.

Die beiden Druckwasserreaktoren sowjetischer Bauart haben eine wechselvolle Geschichte. Die Arbeiten an den Blöcken 3 und 4 waren in den 1990er-Jahren aus Geldmangel eingestellt worden. Die halbfertigen Anlagen wurden zunächst konserviert, später wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Die Baukosten erhöhten sich erheblich.

Mochovce ist das weltweit einzige AKW-Neubauprojekt, bei dem die Reaktoren über keinen Sicherheitsbehälter („Containment“) verfügen. Diese Einrichtung, die heute gängiger Standard in der Nukleartechnik ist, soll bei einem schweren Störfall die Kernschmelze auffangen und so die Umgebung eines AKW vor radioaktiver Kontaminierung schützen.

Die Grünen werfen der Bundesregierung vor, an dem Thema desinteressiert zu sein. „Anstatt wie Österreich Alarm zu schlagen, bleibt sie gleichgültig oder hasenfüßig untätig. Zeigte sie an den belgischen Risse-Meilern zumindest vorübergehend Interesse, bittet sie hier nicht einmal um schriftliche Auskünfte“, sagte Sylvia Kotting-Uhl (Grüne), Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses, dem Handelsblatt. „Was für ein Irrwitz. Nach jahrzehntelangem Baustopp werden mit Ach und Krach uralte Reaktoren zu Ende gezimmert, die schon in den 1980er-Jahren nicht ausreichend gegen Kernschmelze und Super-GAU gewappnet waren“, sagte Kotting-Uhl.

Nach heutigen Maßstäben seien diese „Mängel-Meiler völlig inakzeptabel“, kritisierte Kotting-Uhl. Obendrein müsse der AKW-Betreiber noch nicht einmal annähernd angemessen für Atomunfälle haften. „Unschlagbar günstig für ihn, schlecht für alle anderen, wenn es kracht. Die Krone des Ganzen: Das Hasardeurs-AKW blockiert Betrieb und Ausbau ungefährlicher Alternativen“, sagte Kotting-Uhl.

Die Grünen-Politikerin spielt damit darauf an, dass in der Slowakei kürzlich ein effizientes Gaskraftwerk vom Netz ging, weil die Strompreise zu niedrig waren. Nach Überzeugung Kotting-Uhls sind staatliche Beihilfen für Atomstrom aus Mochovce, etwa in Form der günstigen Konditionen für die Atomhaftung, ein Grund dafür, das moderne Gaskraftwerke aus dem Markt gekegelt werden.

Mehr: Der Fukushima-Freispruch ist für die Atomlobby nur ein Etappensieg.

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1 Kommentar zu "Atomkraft: Slowakische Atomreaktoren lassen die Bundesregierung kalt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wir sollten doch froh sein, dann könnten wir ja demnächst von dort Strom importieren, wenn wir schon unsere eigenen, sicheren Atomkraftwerke abschalten.
    - und sie produzieren nichts vom Teufelszeug CO2!

    Die Grünen können sich zwar aufregen, haben aber leider keinen Einfluss in der Slowakei.
    Es wäre was für die Geheimwaffe Greta.

    Alles schon sehr makaber.

    Trotzdem - allen einen schönen Tag