Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Atommächte Warum die sinkende Zahl an Atomsprengköpfen kein Zeichen für eine atomare Abrüstung ist

Die beiden Atommächte USA und Russland bauen alte Nuklearbestände ab, so die Sipri-Friedensforscher. Trotzdem haben beide Staaten ihr Nuklearwaffenprogramm ausgeweitet.
15.06.2020 - 00:01 Uhr Kommentieren
Russlands Präsident Wladimir Putin (links) und US-Präsident Donald Trump beim G20-Gipfel in Osaka 2019. Quelle: dpa
Abrüstungsgespräche

Russlands Präsident Wladimir Putin (links) und US-Präsident Donald Trump beim G20-Gipfel in Osaka 2019.

(Foto: dpa)

Berlin Die wichtigsten Atommächte sind weiterhin Russland und die USA: Auf sie entfallen 90 Prozent aller 13.400 Nuklearsprengköpfe weltweit. Das stellte das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri in seiner jährlichen Zählung fest. Immerhin: Zu Jahresbeginn 2020 gab es damit 465 Atomwaffen weniger als ein Jahr zuvor.

Nur: Die sinkende Zahl an Atomsprengköpfen ist kein Zeichen für eine atomare Abrüstung. Es gibt nur deshalb weniger Sprengköpfe, weil die USA und Russland alte Atombomben vernichten, die sie ohnehin nicht mehr einsetzen  könnten.

Beide Atommächte halten noch immer, wie auch Frankreich und Großbritannien, Atombomben in Einsatzbereitschaft; insgesamt sind dies 3720 Sprengköpfe, von denen 1800 in hoher Alarmbereitschaft stehen – also jederzeit gezündet werden könnten.

Besorgniserregend finden die Friedensforscher vor allem, dass es keine Gespräche über atomare Abrüstung gibt. Bisher halten sich Russland und die USA an die Obergrenzen, die ihnen der New-Start-Vertrag vorschreibt; der Vertrag läuft aber im Februar 2021 aus, es sei denn, beide Seiten verlängern ihn.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Danach sieht es derzeit aber nicht aus: US-Präsident Donald Trump will in die Verhandlungen China mit einbinden – was China kategorisch ablehnt. „Die Ära der bilateralen Abkommen zur Atomwaffenkontrolle zwischen Russland und den USA scheint zu Ende zu gehen“, befürchtet Sipri-Direktor Shannon Kile nun.

    Ausweitung des Nuklearwaffenprogramms

    Bereits seit 2019 ist ein weiterer Vertrag, der INF-Vertrag über Mittelstreckenraketen, außer Kraft: Die Nato wirft Russland vor, neue Mittelstreckenraketen stationiert zu haben. Trump verfügte deshalb das Ende dieses Vertrages.

    Beide Staaten haben ihre Nuklearwaffenprogramme ausgeweitet. Auch in den militärstrategischen Planungen spielen Atomwaffen wieder eine Rolle. Nach dem Ende des Kalten Krieges war diese Rolle über zweieinhalb Jahrzehnte stetig kleiner geworden.

    Wie die USA und Russland ist auch China laut Sipri dabei, sein nukleares Arsenal unter Hochdruck zu modernisieren. Das Land verfügt nach der Sipri-Zählung über 320 atomare Sprengköpfe, 30 mehr als ein Jahr zuvor. Das Land entwickele erstmals eine „nukleare Triade“, die aus land-, luft- und seegestützten Bomben besteht.

    Die asiatischen Atommächte Indien und Pakistan vergrößern laut Sipri ihr Atomarsenal langsam aber stetig. Nordkorea forciere seine Nuklearwaffenstrategie. Die neunte Atommacht, Israel, schweigt sich weiter über seine Atomwaffen aus. Sipri geht davon aus, dass das Land etwa 90 Sprengköpfe besitzt.

    Die Friedensforscher sind auch deshalb in Sorge, weil die internationalen Konflikte zugenommen haben, etwa im Persischen Golf und im Nahen Osten. Auch zwischen Indien und Pakistan hat sich der Kaschmir-Konflikt zugespitzt, und die USA und China ringen um die Vorherrschaft in der Welt.

    Sipri hofft daher auf eine Renaissance multinationaler Kooperationen. Anzeichen dafür aber gibt es nur wenige.

    Mehr: Weltweit wurden 2019 fast zwei Billionen Dollar für das Militär ausgegeben. Forscher erwarten aber, dass dieser Wert nicht mehr übertroffen wird.

    Startseite
    Mehr zu: Atommächte - Warum die sinkende Zahl an Atomsprengköpfen kein Zeichen für eine atomare Abrüstung ist
    0 Kommentare zu "Atommächte: Warum die sinkende Zahl an Atomsprengköpfen kein Zeichen für eine atomare Abrüstung ist"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%