Atommüll-Finanzierung Staatlicher Atomfonds verliert wegen Negativzinsen auch nach einem Jahr noch Geld

Negativzinsen habe den deutschen Atomfonds bislang etwa 70 Millionen Euro gekostet. In den nächsten Wochen ist eine Milliardeninvestition geplant.
Update: 10.07.2018 - 20:50 Uhr Kommentieren
Atomfonds: Negativzinsen kosten 70 Millionen Euro Quelle: dpa
Atommüll

Zur Finanzierung der Zwischen- und Endlagerung wurde der Atomfonds eingerichtet.

(Foto: dpa)

BerlinDer deutsche Atomfonds verliert wegen der niedrigen Zinsen auch ein Jahr nach seinem Start noch Geld. Da ein Großteil der rund 24 Milliarden Euro noch auf Konten der Bundesbank lägen, hätten die Negativ-Zinsen dort inzwischen etwa 70 Millionen Euro gekostet, sagte Atomfonds-Chefin Anja Mikus in einem am Dienstag veröffentlichten Reuters-Interview.

„Wir haben momentan etwas über zehn Prozent investiert, also rund 2,5 Milliarden Euro.“ 1,2 Milliarden Euro seien in hochliquide Staats- und staatsnahe Anleihen geflossen, die der Fonds trotz ebenfalls negativer Zinsen halten müsse. „Die 0,4 Prozent Negativ-Zins bei der Bundesbank sind in der momentanen Situation tatsächlich das kleinere Übel.“

Mikus sagte, demnächst würden weitere 1,4 Milliarden Euro investiert. „Bis Ende des Jahres wird es dann ein gutes Viertel des Fondsvolumens sein.“ Das wären knapp sieben Milliarden Euro. „Wir streben zügig an, dass die Erträge die Negativzinsen übersteigen. Das wird aber sicher nicht 2018 sein.“

Der Atomfonds wurde aus Rückstellungen und zusätzlichen Mitteln der AKW-Betreiber gespeist. Der Staatsfonds soll nun die 24 Milliarden Euro so anlegen, dass Zwischen- und Endlagerung des Atommülls über Jahrzehnte finanziert werden können. Bislang sind für die Zwischenlagerung und für das geplante Endlager für mittelradioaktive Abfälle, Schacht Konrad, 280 Millionen Euro abgeflossen.

Ziel ist es, dass zehn Prozent des Fondsvolumens in sehr sichere liquide Anleihen gehen. Weitere 60 Prozent sollen weltweit in Aktien und Anleihen fließen. Die übrigen 30 Prozent sind für direkte Unternehmensbeteiligungen, Immobilien oder Infrastrukturprojekte eingeplant. „Wir planen diesen Zustand 2021 zu erreichen“, sagte Mikus.

Das Renditeziel für das gesamte Fondsvermögen liege bei etwa 3,3 Prozent. Nach neun Jahren Aufschwung werde sich die Lage für Anleger aber auch wieder entspannen. „Mit Blick auf unseren langen Anlagehorizont haben wir Zeit, um zukünftige Renditechancen zu nutzen.“

Keine Investitionen in Immobilien

Häuser, Wohnungen oder Gewerberäume will sie zur Zeit nicht kaufen. „Der Immobilienboom ist immer am Ende des Wirtschaftszyklus. Da sind wir im Moment“, sagte sie „Ich glaube, da bieten sich derzeit nicht so viele Gelegenheiten.“ Grundsätzlich gehörten zwar Gewerbe- oder Wohnimmobilien in ein ausgewogenes Portfolio des Fonds. „Aber nicht in diesem und nicht im nächsten Jahr“, sagte Mikus.

Attraktiv seien für den Fonds dagegen Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen besonders in staatlich regulierten Märkten. Dazu gehört die Infrastruktur wie etwa Straßen oder auch Stromnetze. So steht Regierungskreisen zufolge ein Anteil am Betreiber 50Hertz zum Verkauf.

Politiker hatten gefordert, dass der Fonds gerade in Deutschland in der Infrastruktur aktiv werden soll. „Grundsätzlich sind solche regulierten Projekte für jeden Investor interessant“, sagte Mikus. „Es kommt aber auf die Rendite an.“ Zudem sei der Fonds erst ab 2019 und 2020 für größere Einzelprojekte gerüstet.

Den Einfluss der Politik bewertete Mikus nicht negativ. Im Kuratorium, einer Art Aufsichtsrat, sind Politiker aller Bundestagsfraktionen vertreten. Hier werde besonders auf Nachhaltigkeit geachtet, was Mikus ohnehin anstrebe.

„Unternehmen, die große Umweltschäden verursachen, die Arbeitsrechte missachten und mit ihren Mitarbeitern schlecht umgehen oder schlecht geführt sind, werden in Zukunft finanzielle Probleme haben“, sagte Mikus voraus. „Der Nachhaltigkeitsansatz ist für uns ein Renditebringer.“

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