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Attraktivität Deutschlands Top-Ökonomen geben Außenminister Maas in Özil-Debatte kontra

Außenminister Heiko Maas fürchtet wegen der Özil-Debatte um Deutschlands Ansehen. Führende Ökonomen widersprechen seinen Aussagen vehement.
02.08.2018 - 11:49 Uhr 2 Kommentare
Außenminister Heiko Maas: Viel Kritik wegen Äußerungen in Özil-Debatte. Quelle: AP
Heiko Maas.

Außenminister Heiko Maas: Viel Kritik wegen Äußerungen in Özil-Debatte.

(Foto: AP)

Berlin „Sündenbock“, Mann mit Courage oder mit Fehlern? Vor allem in den sozialen Medien wurde stark über den Rücktritt Mesut Özils aus der Fußball-Nationalmannschaft und den Rassismus-Vorwurf des Ex-Nationalspielers diskutiert. Schnell stand dabei auch die Frage im Mittelpunkt, was der Fall über die in Deutschland lebenden Migranten lehren könnte.

Außenminister Heiko Maas (SPD) versuchte zuerst, die Debatte gleich wieder einzufangen: „Ich glaube nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland.“ Doch damit befeuerte er die Diskussion noch. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) kanzelte die Äußerungen des Außenministers umgehend als „schlicht und einfach unerträglich“ ab. Dessen „dumpfe Kommentare“ zu Özil hätten auch mit sozialdemokratischen Vorstellungen von Integration „absolut nichts zu tun“, so Schröder.

Wenige Tage später nahm sich Maas erneut des Themas an. Diesmal aber so intoniert, dass der Eindruck entstehen könnte, der SPD-Politiker zeige nun durchaus Verständnis für Özil. Der Fußballspieler, der vor der WM wegen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in die Kritik geraten, hatte nämlich seinen Rücktritt mit einem Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit begründet und auch den DFB dafür verantwortlich gemacht.

Ökonomen stören sich an Analyse des Außenministers

„Es schadet dem Bild Deutschlands, wenn der Eindruck entsteht, dass Rassismus bei uns wieder salonfähig wird“, erklärte Maas nun via „Bild“-Zeitung. „Leider zeigt die Debatte, welchen bitteren Anfeindungen Migranten bei uns noch immer ausgesetzt sind.“ Auch die Zahl der fremdenfeindlichen und antisemitischen Übergriffe sei bedrückend hoch. „Das ist einfach beschämend für unser Land.“

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    Doch mit seiner Analyse eines sich womöglich in Gefahr befindlichen Deutschland-Bildes erntet Maas nun erneut Widerspruch. Diesmal von führenden deutschen Ökonomen.

    „Meines Erachtens ist der Özil-Hype ein typisches Sommerloch-Phänomen. Auswirkungen auf die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts, insbesondere für ausländische Fachkräfte, sind wohl kaum zu erwarten“, sagte der Wirtschaftsweise Lars Feld dem Handelsblatt. „Es wäre besser, wenn sich die Teilnehmer an dieser Debatte wichtigeren Dingen zuwenden würden, als sich um Kopf und Kragen zu reden“, fügte der Freiburger Ökonom hinzu. „Fußball mag die wichtigste Sache der Welt sein, aber es ist nach der verkorksten WM Zeit, nach vorne zu schauen.“

    Ähnlich äußerten sich andere Ökonomen. „Ich mache mir zurzeit keine Sorgen über einen flächendeckenden Rassismus in Deutschland“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem Handelsblatt. „Deutschland ist eines der offensten und tolerantesten Länder in Europa.“

    Standort ist attraktiv, wenn er als „tolerant und offen“ gilt

    Das gelte zwar nicht für alle Regionen innerhalb Deutschlands. „Aber die großen Metropolen, wie Berlin, München, Frankfurt oder Hamburg, haben gerade durch ihre Offenheit und Toleranz großen wirtschaftlichen Erfolg.“ Fratzscher betonte, dass die deutsche Wirtschaft zunehmend auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen sei.

    Um als Standort attraktiv zu bleiben, müsse Deutschland daher „tolerant und offen für Menschen jeglicher Herkunft sein“.

    Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sieht das Image Deutschlands wegen der Debatte um Özil nicht in Gefahr. „Der Fäll Özil ist zu vielschichtig, zu sehr mit einem politischen Haltungsproblem des Ex-Nationalspielers verbunden, um daraus das Deutschland-Bild für Investoren zu verändern“, sagte Hüther dem Handelsblatt.

    Dagegen spreche auch die internationale Bewertung Deutschlands, fügte der IW-Chef mit Blick auf den „Best Countries Report 2018“ hinzu.

    In dem Ranking, das unter anderem von der Wharton School erstellt wird, einer renommierten Business School, die zur University of Pennsylvania gehört, belegt die Bundesrepublik den dritten Platz nach der Schweiz und Kanada. „Man sollte deshalb weder Özil noch Erdogan den Diskurs in unserem Land bestimmen lassen“, betonte der IW-Chef.

    Besorgt äußerte sich Hüther indes über eine andere Entwicklung. „Zum traurigen Befund unserer Zeit gehört, dass nahezu in allen Ländern des Westens nationalistische Töne wieder stärker zu vernehmen sind“, sagte. „Dahinter stehen denn auch weltweite Trends wie Digitalisierung, Migration, ökonomische Globalisierung, die den Eindruck zunehmender Fremdbestimmung befördern.“ Ob entsprechende Diskriminierungen in Deutschland besonders stark seien, sei „freilich nicht belegt“. Die deutsche Politik, Gesellschaft und Wirtschaft gingen jedenfalls offen damit, und Probleme würden ernst genommen.

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    2 Kommentare zu "Attraktivität Deutschlands: Top-Ökonomen geben Außenminister Maas in Özil-Debatte kontra"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sehr geehrter Herr Neuerer,

      mal so ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn auch Sie sich anderen Themen zuwenden würden. Über dumme Themen seitenweise dummes Zeug zu zitieren, ist weder unterhaltsam noch macht es Sinn.

    • Nach dem Aussenminister auch noch die Oekonomen? Ich habe diese "Debatte" sooo
      ueber! Haben wir sonst keine Probleme?

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