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Aufsteiger des Jahres Jennifer Morgan und Christian Klein erobern die SAP-Spitze

Der SAP-Konzern beweist ein weiteres Mal seine Innovationskraft. Doch die neue Doppelspitze könnte für Traditionalisten eine Provokation sein.
19.12.2019 - 16:00 Uhr Kommentieren
Quelle: SAP

(Foto: SAP)

Erinnern Sie sich an das Klischee der Deutschland AG? Alternde Männer, die sich genügsam Vorstands- und Aufsichtsratsposten deutscher Konzerne zuschieben. Eine gewisse Neigung zum Posten-Inzest. Miefige Herrenklubatmosphäre, getragen von überschaubar kreativen Bonmots über Quoten und Kanzlerin. Ein Bollwerk gegen Weiblichkeit und Jugend. Nun, ganz so schlimm war es in den letzten Jahren nicht. Oder nicht mehr.

Und doch war wenig Aufbruchsfantasie in den Führungsetagen der Dax-Kolosse erkennbar. Manchmal ging es zu wie in der Politik: Verharrungsvermögen als maßgeblicher Leistungsausweis. Karrieresprünge nur in unvermeidlichen Notsituationen.

Vielleicht erklärt dies den donnernden Seufzer der Erleichterung in nahezu allen deutschen Medien, als die Softwareschmiede SAP zwei Persönlichkeiten mit der Unternehmensführung betraute, die so gar nicht in das lieb gewonnene Narrativ mancher Nostalgiker passen wollten. Mit Christian Klein, einem 39-jährigen Eigengewächs des Konzerns, und Jennifer Morgan, der ersten Frau an der Spitze eines Dax-Mitglieds, wird aber hoffentlich ein kraftvoller Impuls gesetzt.

Er wäre an der Zeit. Tatsächlich ist der Jubel über die Premiere einer Frau in Führungsverantwortung nur bitterer Ausdruck einer gesellschaftlichen Rückständigkeit. So leidenschaftlich wir in Deutschland Quotendebatten führen und unsere Modernität beschwören, so ernüchternd war bislang das Resultat in „Corporate Germany“.

Anfang des Jahres 2019 standen in Deutschland lediglich drei Frauen an der Spitze einer der 160 börsennotierten Firmen. In zu vielen Unternehmen ist hochqualifizierten Frauen der Weg an die Spitze noch immer mit relativ archaischen Barrieren verstellt.

Karl-Theodor zu Guttenberg  hat eine steile politische Karriere hingelegt, die 2011 mit einer Plagiatsaffäre abrupt endete. Der CSU-Politiker war Bundesminister für Wirtschaft und Verteidigung. Heute ist der 47-jährige Jurist Chairman der New Yorker Investment- und Beratungsfirma Spitzberg Partners. Quelle: Getty Images
Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg hat eine steile politische Karriere hingelegt, die 2011 mit einer Plagiatsaffäre abrupt endete. Der CSU-Politiker war Bundesminister für Wirtschaft und Verteidigung. Heute ist der 47-jährige Jurist Chairman der New Yorker Investment- und Beratungsfirma Spitzberg Partners.

(Foto: Getty Images)

Auch die gefeierte Quote in Aufsichtsräten ist eher Feigenblatt als bereits vollzogener Wechsel. In diesen Gremien finden sich zwar mittlerweile 32 Prozent weibliche Mitglieder. Demgegenüber stellen sie aber lediglich knapp neun Prozent der Vorstände.

Die Berufung von Jennifer Morgan und Christian Klein zu Co-CEOs des wertvollsten deutschen Konzerns ist aber nicht einfach glückliche Fügung, sondern gelebte Unternehmenskultur.

Die Qualifikation ist unbestritten

SAP steht bis heute – bei allen Herausforderungen eines globalen Technologietankers – für den Geist seiner Pioniere, die Innovation stets der Besitzstandswahrung vorgezogen haben. Die SAP-Mitgründer Hasso Plattner und Dietmar Hopp leiden weder an mangelndem Selbst- und Sendungsbewusstsein, noch scheren sie sich allzu sehr um vordergründige (deutsche) Konventionen. Zudem hatte der Vorgänger des neu installierten Führungstandems, Bill McDermott, innovative Köpfe unabhängig von Geschlecht und Alter gefördert. Sein amerikanischer Hintergrund mag dem nicht abträglich gewesen sein.

In den USA wurde der Karriereschritt von Jennifer Morgan und Christian Klein nämlich nur mit einem gelangweilten Schulterzucken quittiert. Bei Fortune-500-Unternehmen wie Cisco, JP Morgan, American Express oder Pfizer finden sich bereits zwischen 40 und 50 Prozent Frauen im Vorstand. Zwar ist auch dort die Zahl weiblicher CEOs noch alles andere als berauschend – sie stieg in den vergangenen 20 Jahren von zwei auf 33 –, aber sie umfasst globale Marken wie General Motors, Oracle, IBM oder Lockheed Martin. Auch ein Vertreter der Generation Y, wie Klein, ist keine Ausnahme in amerikanischen Führungspositionen. Hierfür muss nicht einmal der (angeschlagene) „Poster-Boy“ der Tech-Industrie, Mark Zuckerberg, bemüht werden.

Die Qualifikation der beiden neuen CEOs ist unbestritten: Morgan hat nach ihrem Betriebswirtschaftsstudium Erfahrungen als Unternehmensberaterin gesammelt, bevor sie 2004 ihre Karriere bei SAP begann. Zuletzt war sie Chefin der Schlüsselregion Nordamerika. Klein erfuhr in seinem Berufsleben zwar „nur“ das Innenleben von SAP, dieses dafür umso intensiver. Er arbeitete bereits während seines Studiums beim Walldorfer Softwarekonzern und wuchs als Chief Controlling Officer und später Chief Operating Officer früh in Verantwortung hinein. 2018 wurde er schließlich in den Vorstand berufen.

Die USA taugen in einigen Bereichen nicht als strahlendes Vorbild. Manchmal wünschte ich mir für unser Land jedoch das Maß an Unverkrampftheit, mit der Jennifer Morgan gewissen Rollenbildern begegnet und mit der Christian Klein seiner gewaltigen Aufgabe entgegentritt. Nicht wenige Deutsche, mit denen ich in den vergangenen Wochen gesprochen habe, fanden Morgans erfrischenden Tweet befremdlich, in dem sie sich als „happy wife + mom“ bezeichnete, bevor sie auf ihre neue Position einging. Für meine Töchter, die in den USA zur Schule gingen, ist dieser Ansatz so sehr Normalität wie die Distanz der neuen SAP-Chefin zu starren Quoten. Es wäre keine Überraschung, wenn wir aufstrebende Frauen an den amerikanischen Arbeitsmarkt verlieren.

Ein Jungspund wie Klein ist in den USA bis zum Beweis des Gegenteils eine Chance für sein Unternehmen, bei uns in Deutschland hingegen gerne ein potenzielles Risiko. Gelegentlich droht unser Land aber in seiner vorauseilenden Skepsis zu erstarren. Während Listen beeindruckender junger Menschen wie „40 unter 40“ in Deutschland eher als Kuriosum gelten, sind sie in den Vereinigten Staaten Ansporn und Inspiration. Zudem: Vertreter der Generation Y, wie Emmanuel Macron oder Sebastian Kurz, tragen heute bereits Regierungsverantwortung in und für Europa.

Ein transatlantisches Signal

Abschließend verbindet sich mit den beiden SAP-Chefs auch ein hoffnungsvolles transatlantisches Signal. Einer jungen Generation erwächst die Verantwortung, den behutsamen Neuaufbau des derzeit erschütterten Verhältnisses zwischen den USA und Europa mitzugestalten. SAP ist als weltweit drittgrößtes börsennotiertes Softwareunternehmen prädestiniert, die geopolitische Relevanz neuer Technologien und der Digitalisierung zu begreifen und zu formen.

Wenige Themen bieten künftig ein vergleichbares Potenzial für transatlantische Friktionen, aber auch gemeinsam genutzte Möglichkeiten. Zumal wir nicht nur in Europa, sondern zunehmend auch in den USA den kalten Atem Chinas im Nacken spüren. Morgan und Klein wächst dabei, ob sie es wollen oder nicht, eine Schlüsselrolle zu. Die weltumspannende Präsenz der Firma muss hierbei kein Nachteil sein.

Es bleibt zu hoffen, dass es sich um CEOs handelt, die den berechtigten Ruf erhören, ihre Stimme zu Themen von globaler Bedeutung zu erheben. Zu viele Führungskräfte deutscher Unternehmen gefallen sich in der Rolle des vorsichtigen Schweigers in großen gesellschaftlichen Debatten. Angesichts der gerne beklagten Schwäche politischer Akteure ist dieser Ansatz selbstgefällig und zukunftsvergessen.

Der SAP-Doppelspitze ist Mut für ein kraft- und verantwortungsvolles Auftreten zu wünschen. Hymnen über den Anfangszauber verklingen in der Regel schnell. Und die meisten Elogen über die neue SAP-Führung kranken daran, dass sie sich lediglich auf das Novum einer Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns konzentrieren.

Wirklich ungewöhnlich ist aber die Kombination in der Führung dieses Tech-Konzerns. Die Deutschland AG hat endlich ihre fleischgewordene Provokation: eine Frau und ein Jüngling! Weniges ist schöner als die Fassungslosigkeit von Traditionalisten.

Wer noch auffiel

Quelle:  Haniel
(Foto:  Haniel)

Doreen Nowotne

Es war eine echte Überraschung, als der neue Haniel-Vorstandschef im Handelsblatt verkündete, dass Doreen Nowotne, 47, ab April 2020 den Aufsichtsrat sowie den Kleinen Kreis – als Gesellschaftervertreter im Aufsichtsrat – anführen wird. Als erste Frau und erste Familienfremde. Seit 2003 hatte Franz-Markus Haniel diese Funktion inne. Bei dem 1756 gegründeten Familienunternehmen mit 690 Gesellschaftern stehen die Zeichen auf Transformation.

Diese solle 2020 spürbar vorankommen und die engere Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Vorstand fortgesetzt werden. Mit der erfahrenen Beirätin und langjährigen Partnerin bei BC Partners solle Haniel den Weg als Family-Equity-Unternehmen fortsetzen.

Bereits seit April 2018 ist Nowotne Mitglied im Haniel-Aufsichtsrat, außerdem bei Lufthansa Technik, Jenoptik und der Brenntag. Die selbstständige Unternehmensberaterin war zuvor Mitglied der Geschäftsleitung der VAT Vakuumventile AG in der Schweiz, die zehn Jahre davor arbeitete sie bei BC Partner.
Autorin: Anja Müller

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

Quelle:  dpa +++ dpa-Bildfunk +++
(Foto:  dpa +++ dpa-Bildfunk +++)

Anfang des Jahres kannte ihren Namen kaum einer. Saskia Esken war eine weithin unbekannte SPD-Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg, Norbert Walter-Borjans tourte als Politrentner durchs Land und vermarktete sein Buch über seine Zeit als NRW-Finanzminister, in der er Jagd auf Steuersünder machte.

Ende des Jahres sind Esken und Walter-Borjans urplötzlich zwei der mächtigsten Politiker Deutschlands. Per Mitgliederentscheid wurden die beiden nach dem Rücktritt von Andrea Nahles zur neuen SPD-Doppelspitze gewählt. Mithilfe des Königmachers Kevin Kühnert trotzten sie sogar Finanzminister Olaf Scholz, der mit Klara Geywitz in der Stichwahl unterlag.

Mit einem Linkskurs wollen Esken und Walter-Borjans nun den Beweis antreten, dass der SPD nicht das Schicksal ihrer europäischen Schwesterparteien droht, sondern dass sie sehr wohl noch zu retten ist.
Autor: Martin Greive

Sebastian Kurz

Quelle: AP Photo/Ronald Zak
(Foto: AP Photo/Ronald Zak)

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz ist einer, der aus Niederlagen sogar Siege formen kann. Die Ibiza-Affäre um seinen Stellvertreter und damaligen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sorgte innerhalb von weniger als 24 Stunden für das Ende seiner konservativ-rechtspopulistischen Regierung.

Das einst auf zehn Jahre angelegte Bündnis unter der Ägide des 32-jährigen ÖVP-Chefs war plötzlich Geschichte. Doch nur wenige Wochen nach der bittersten Stunde seiner politischen Karriere startete der frühere Jura-Student seinen Wahlkampf. Ende September fuhr er bei den vorgezogenen Parlamentswahlen einen spektakulären Wahlsieg ein. Die FPÖ erlitt hingegen eine herbe Wahlschlappe, von der sich die ehemalige Haider-Partei noch nicht erholt hat. Die SPÖ befindet sich in einer Dauerkrise.

Kurz, der Politiker mit den feinen Manieren hat seine Popularität weiter ausgebaut. Mit seinen Wahlerfolgen ist der Mitte-rechts-Politiker längst zu einem Vorbild für die anderen Konservativen in Europa aufgestiegen.
Autor: Hans-Peter Siebenhaar

Oliver Zipse

Quelle:  Uta wagner


(Foto:  Uta wagner)

Es war ein kurzes, aber heftiges Beben. Als Mitte Juli Harald Krüger als BMW-Chef aufgab, war Oliver Zipse zur Stelle. Seit dem 16. August ist der 55-Jährige der neue starke Mann im „Vierzylinder“, der markanten BMW-Konzernzentrale. Als Produktionsvorstand, der traditionell letzten Station vor dem Chefsessel, hatte er ohnehin die besten Karten für den Sprung an die Spitze. Zudem genießt der gebürtige Heidelberger das Vertrauen der Familie und der Arbeitnehmer.

Das wird er auch brauchen: Nach zehn Jahren Boom muss auch BMW sparen. Zipse kürzt die Erfolgsboni, streicht Modelle und streckt Investitionen. Anders als Krüger will er BMW wieder stärker auf das Autogeschäft konzentrieren. Die Modellpalette wird stärker auf Luxuslimousinen und SUVs ausgerichtet. Hier will Zipse das Geld verdienen, um die Kosten für die Elektroautos zu finanzieren. Mobilitätsdienste wie „Your now“ werden hingegen an Bedeutung verlieren.
Autor: Markus Fasse

Mehr: Lesen Sie in unserem Dossier „Menschen des Jahres 2019“, wer in diesem Jahr Großes geleistet hat, wer überrascht oder enttäuscht hat.

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