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„Aus der Geschichte nichts gelernt“ Empörung über Gysis DDR-Äußerungen

In Thüringen wäre ein Linksbündnis möglich, sofern sich die Linke zur DDR als Unrechtsstaat bekennt. Gregor Gysi will davon aber nichts wissen. Damit liefert er der CDU eine willkommene Steilvorlage für massive Kritik.
30.09.2014 - 16:27 Uhr 7 Kommentare
Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke:

Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Partei Die Linke: "Die DDR war kein Unrechtsstaat."

(Foto: dpa)

Berlin Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, hat mit seiner Aussage, wonach die DDR kein Unrechtsstaat gewesen sei, große Empörung ausgelöst. „Die Äußerungen Gysis zeigen, dass er nichts aus der Geschichte gelernt hat. Die Linkspartei disqualifiziert sich als Koalitionspartner, wenn sie sich nicht von den Äußerungen eines ihrer höchsten Repräsentanten distanziert“, sagte der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Die DDR sei ein „totalitärer Unrechtsstaat“ gewesen, sagte Wellmann weiter. „Seine Praxis hat vielen Menschen das Leben gekostet, hat die Menschen drangsaliert und ihnen Entwicklungschancen vorenthalten.“ Gysi sei zudem Teil des Systems gewesen. „Die entstehende Bundesrepublik mit der DDR gleichzusetzen, ist infam“, kritisierte der CDU-Politiker. „Gysi will damit seine eigene Rolle im Unrechtstaat DDR vertuschen.“

Scharfe Kritik äußerte auch der CDU-Fraktionschef im Thüringer Landtag, Mike Mohring. „Die SED-Diktatur war geprägt von Mauertoten, Verfolgten, Repressalien, Unfreiheit und gebrochenen Biografien. Wer dieses Unrecht nicht als solches benennt, darf niemals Verantwortung für dieses Land übernehmen“, sagte Mohring dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) in Anspielung darauf, dass Thüringen künftig auch von einer Koalition aus SPD, Linken und Grünen regiert werden könnten. In der vergangenen Woche hatten die drei Parteien ein Papier verfasst, in dem die DDR als ein Unrechtsstaat bezeichnet wird.

Mohring sagte dazu: „Deutlicher als Gysi kann man es nicht sagen: Was die Linke der SPD und den Grünen in den Koalitionsvertrag schreibt, ist das eine – was sie denken, für richtig halten und sogar als Partei sagen, etwas völlig anderes. Für die Linke bleibt die DDR im Grunde ihres Herzens das bessere Deutschland.“

„Dass Herr Gysi leugnet, wundert mich nicht“
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7 Kommentare zu "„Aus der Geschichte nichts gelernt“: Empörung über Gysis DDR-Äußerungen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die DDR war eine lupenreine Demokratie
    ---------
    Jedenfalls wenn es nach Gysi geht.
    Es gab keine Stasi, keinen MfS, keine Mauer, keinen Schießbefehl.
    Es gab freie Wahlen, Reisefreiheit, etc.
    Die Wirtschaft blühte, die DDR baute die besten Autos der Welt (Trabbi), und wir hatten auch die modernsten Fabriken.

    Wo? In einer Parallelwelt!

  • Ich finde es unglaublich dumm, daß Her Gysi so dumm ist, die DDR nicht als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Genau das ist sie nämlich ganz ohne Frage gewesen.

    Damit hat Herr Gysi sich aus dem Kreis der demokratischen Politiker in Deutschland verabschiedet. Die SPD wird, solange die Gysi-Linie die Linke bestimmt, keine reale Machtoption haben, bei der sie den Kanzler und nicht nur den Vizekanzler stellt. Frau Merkel wird jubeln.

    Ganz gespannt bin ich, wie es in Thüringen weitergeht. Wird die Landespartei sich gegen die prokommunistische Linie der Bundespartei behaupten? Und werden SPD und Grüne das honorieren, indem sie einen Regierungswechsel ermöglichen? Im Interesse der Grünen, die so endlich wieder mal Minister benennen könnte, und der SPD, die dann auf eine Wende innerhalb der Linken und damit auf eine Kanzleroption für sich selbst hoffen könnte, auch.

  • Eine etwas einseitige Betrachtung, finden Sie nicht auch? Es ist ziemlich leicht mit den Farben Schwarz und Weiß ein Bild zu malen, ohne das Dazwischen beachten zu müssen. Jawohl, die DDR war ein Staat in dem Unrecht, sogar massiv Unrecht passierte. Sie war aber ein rechtmäßiger Staat, wie auch die BRD. Nichts anderes hat übrigens Gysi gesagt. Man kann es nicht leugnen, dass es gebrochene Schicksale gab, die persönlichen Freiheiten der Menschen eingeschränkt waren und demokratische Grundsätze weitestgehend fehlten. Man kann aber auch nicht leugnen, dass 17 Millionen Bürger in diesem Staat lebten, arbeiteten, ihre Kindheit und Jugend verbrachten, sich verliebten, Familien gründeten, alt wurden und sich nicht permanent überwacht und unterdrückt fühlten. Die Stasi war da, aber nicht omnipräsent, wie gerne in den Medien berichtet wird. Die Mehrheit der Menschen hatte keinerlei Berührung mit der Stasi, obwohl wir wussten, dass sie existierte und was ihre Aufgabe war, so wie wir heute keine Berührung mit dem BND haben. Von der DDR als Diktatur zu sprechen ist sicherlich nicht absolut vlerallgemeinbar. Und Kommunisten und Nazis in einen Topf zu werfen ist politisch kurzsichtig.
    Was die Linke angeht, ja es sind natürlich auch alte Kader der SED in der Partei, aber schon Sie sich doch mal die Altersstruktur der Partei an. Es sind viele junge Menschen, die sich links engagieren, weil die etablierte Politik ihnen keine Lösungen anbietet. Was jetzt in der Presse läuft ist allenfalls die altbekannte CDU-Kampagne der "Roten Socken", weil das erste mal ein Linkskandidat Ministerpräsident werden kann. Da hat die CDU/CSU nichts dazu gelernt. Defamierungen sind ein gutes Indiz dafür, das die Konservativen inhaltlich nichts mehr beitragen können.

  • Wie lange die Kommunisten(innen) in der SED waren zum Zeitpunkt des Endes der DDR ist doch nicht von Bedeutung. Von einer DDR-Verbrechensliste war auch nicht die Rede/Text. Es waren zu der Zeit beide in der Kommunistenpartei SED und verherrlichen und trauern dem Unrechtssystem mit all den negativen Folgen für die nicht Partei- und Stasibonzen nach.

  • Frau Wagenknecht war zum Ende der DDR 1989 20 Jahre alt und Frau Pau 26.
    Also 2 ganz gefährliche SED-Kader mit einer langen DDR-Verbrechensliste?

    Das ist es, was ich meine: Blindwütige Verleumdung ohne nachzudenken.

  • ....hat niemand Probleme damit gehabt, alte Nazis, Kriegsverbrecher und Kriegsgewinnler in das neue System und in höchste Regierungsämter zu integrieren und mit höchsten Auszeichnungen zu versehen.

    Welch lächerlicher Satz, da kann man fast glauben die DDR wäre von einer zur anderen Sekunde Nazifrei gewesen und hätte nur noch aus strammen und linientreuen SED Kommunisten bestanden. Es gab alte Nazis in Ost UND West in gehobener politischer Verantwortung. Die in Ost waren nicht besser (haben nur schnell die Fahne in den anderen Wind gedreht) als die in West, wäre anders auch nicht möglich gewesen.

    Ja, und Gysi, ebenso wie Wagenknecht, Pau, Lötsch und Co, sind immer noch der alte SED Kader, ist und war halt immer noch der alte nur jetzt in Die Linke umbenannte SED aus DDR Zeiten, denn nicht vergessen, die SED ist nur von oder mit Gysi umbenannt worden und nicht aufgelöst und auch von den alten SED Kommunisten weiter betrieben worden.
    Auch wenn die SED Kommunisten immer wieder das Wort Demokratie bei jeder passenden Gelegenheit in den Mund nehmen oder die DDR weiterhin loben war es ein kommunistischer und Menschen verachtender Unrechtsstaat.
    Was die Nazis auf der "Rechten" sind die SED Kommunisten (jetzt Die Linken) auf der "Linken" Seite des Parteienspektrums.

    Wir brauchen weder die SED oder andere Kommunisten ebenso die NPD oder andere Nazis.

  • Ein weites Feld.

    Es standen sich ja nicht nur die DDR und die BRD gegenüber, sondern durch Deutschland verlief die Grenze zwischen zwei verfeindeten Weltsystemen.
    Die BRD war nicht souverän und die DDR auch nicht.
    Noch heute wird Deutschlands Souveränität durch den bestehenden Besatzerstatus der Besatzungsmächte USA und Großbritannien eingeschränkt.
    Siehe Dr. Josef Foschepoth - Über bestehende Besatzungsrechte und Überwachung: https://www.youtube.com/watch?v=LtIPEkcFTyw

    Nach der Gründung der BRD (Adenauer auf US-Wunsch :"Lieber das halbe Deutschland ganz, als das ganze Deutschland halb")hat niemand Probleme damit gehabt, alte Nazis, Kriegsverbrecher und Kriegsgewinnler in das neue System und in höchste Regierungsämter zu integrieren und mit höchsten Auszeichnungen zu versehen. Noch heute zucken Politiker und Medienvertreter zusammen, wenn dieses Thema angesprochen wird.
    Vergessen ist angesagt.

    Zugleich wird aber so getan, als wenn es ein Verbrechen sei, wenn ein DDR-Rechtsanwalt sich nicht wunschgemäß kritisch mit seiner DDR-Vergangenheit auseinandersetzt, weil ihm keine Verbrechen und Verfehlungen nachgewiesen werden können und man sich deshalb auf Rufmord beschränken muss.

    Das ist nicht objektive Politik, sondern ein nicht endender Rachefeldzug an DDR-Bürgern und dem gescheiterten Versuch eines anderen Gesellschaftsmodells. Gern werden deshalb auch DDR-Politiker mit Massenmördern aus der Nazizeit auf eine Stufe gestellt, um Verantwortung und Verbrechen im deutschen Faschismus zu relativieren.

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