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Ausbau bis 2027 Glasfaser entlang des Bahnnetzes: Unternehmen von Ex-DB Cargo-Chef aussichtsreichster Bieter

Die Deutsche Bahn sucht einen Anbieter, der das gesamte Schienennetz bis 2027 mit Glasfaser versorgt. Das Unternehmen One Fiber kalkuliert mit Kosten von 1,8 Milliarden Euro.
30.11.2020 - 18:44 Uhr Kommentieren
One Fiber will bereits Ende 2025 mit dem Netzausbau fertig sein. Quelle: dpa
ICE im Berliner Hauptbahnhof

One Fiber will bereits Ende 2025 mit dem Netzausbau fertig sein.

(Foto: dpa)

Berlin Die Deutsche Bahn AG will bis zum Jahr 2027 das gesamte Schienennetz mit Glasfasertechnik ausstatten. Eine entsprechende Ausschreibung über eine „Rahmenvereinbarung“ hat die Bahn-Tochter DB Netz am 13. November gestartet. „Gegenstand der Rahmenvereinbarung und der Einzelaufträge ist die Berechtigung der Ausbaupartner, auf den Grundstücken des Auftraggebers parallel zu den Gleisen ein eigenes Glasfaserkabel zu montieren“, heißt es darin.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungs- sowie Konzernkreisen soll der Auftraggeber zwei Glasfaserkabel verlegen. Eines soll die Bahn erhalten und darauf ihre für den Bahnverkehr relevanten Datenströme steuern. Das andere Kabel erhält der Auftraggeber und kann es nach eigenen Vorstellungen nutzen oder vermarkten.

Allerdings soll das Nutzungsrecht laut Ausschreibung nach nur 20 Jahren enden. Der Vertrag kann allenfalls zweimal um zwei weitere Jahre verlängert werden.

Das deutsche Schienennetz umfasst 33.400 Kilometer. 18.500 Kilometer hat die Bahn nach eigenen Angaben bereits selbst mit Glasfaserkabeln versorgt, weitere 2000 Kilometer will sie noch selbst bis 2023 für bahnbetriebliche Zwecke verlegen.

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    Das bestehende Netz vermarktet die Bahn bereits selbst über die vor einem Jahr gegründete DB Broadband GmbH. Da es Redundanzen etwa an Bahnhöfen und mit dem Netz von Privaten gibt, soll der Auftragnehmer insgesamt noch 8000 Kilometer verlegen, damit dann das Netz der Deutschen Bahn AG versorgt ist.

    Ausbau wird voraussichtlich 1,8 Milliarden Euro kosten

    Aussichtsreichster Bewerber ist derzeit das Unternehmen One Fiber, dem der ehemalige Güterverkehrschef der Deutschen Bahn AG, Klaus Kremper, vorsteht. Er wirbt seit mehr als einem Jahr dafür, ein bundesweites Glasfasernetz entlang der Schienen zunächst auf eigene Rechnung zu legen. Darüber könnten dann auch Mobilfunkmasten in ländlichen Regionen ans Netz gelangen und so dort für schnelles Internet sorgen.

    Das Unternehmen geht davon aus, dass der Ausbau des Glasfasernetzes nach seinem Konzept 1,8 Milliarden Euro kosten wird – und damit nur die Hälfte dessen, womit die Bahn intern kalkuliert hatte und wofür der Steuerzahler geradestehen müsste. Entsprechend unterstützen auch Haushaltspolitiker das Vorhaben.

    Sie hatten im Sommer einen Beschluss gefasst, wonach die Bahn nur höhere Schulden als bisher zugestanden machen darf, wenn sie sicherstellt, „dass die Digitalisierung des kompletten Eisenbahninfrastrukturnetzes sowie die Verlegung von Glasfasern schnellstmöglich erfolgt und so insbesondere durch die Nutzung der passiven Infrastruktur der Bahn gerade ländliche Räume in Deutschland mit leistungsstarken Glasfasernetzen erschlossen werden“.

    Strategischer Investor bei One Fiber ist die Beteiligungsgesellschaft Aton Digital Services. Partner von One Fiber ist die EWE aus Oldenburg, die den Netzbetrieb und den Vertrieb übernehmen soll. „Ein Ausbau entlang der Bahntrassen ist förderlich für die weitere Entwicklung der Breitbandinfrastruktur und der Digitalisierung in Deutschland und wird daher von EWE unterstützt“, erklärte ein Sprecher.

    Grüne kritisieren Entscheidung für Privatausbau

    One Fiber hat nach eigenem Bekunden bereits für das gesamte Bestandsnetz der Bahn die Mitnutzung der Kabelschächte beantragt, um dort ebenfalls ein eigenes Glasfasernetz zu verlegen. Die Anträge sollen bis zum kommenden Frühjahr beschieden werden.

    Der Zuschlag im Vergabeverfahren soll ebenfalls im Frühjahr, spätestens im Sommer erfolgen. Laut Ausschreibung soll dann der Ausbau allerdings erst im Jahr 2023 beginnen und 2027 enden. One Fiber hingegen will bereits Ende 2025 fertig sein und würde deshalb gern schon 2021 beginnen.

    Geplant sei, dass ein einzelner Anbieter das Netz ausbaut, wie es hieß. Es gebe ein großes Interesse, ein homogenes Netz zu schaffen, also ohne Übergabepunkte in andere Glasfasernetze, um so digitale Souveränität zu sichern.

    Zur Diskussion standen der Eigenausbau, eine öffentlich-private Partnerschaft sowie der rein privatwirtschaftliche Ausbau. Wie es im Bahn-Konzern hieß, sei die Entscheidung für den Privatausbau im Rahmen eines Markterkundungsverfahrens erfolgt. Unterlagen dazu sind indes öffentlich nicht zugänglich.

    „Offenbar hatte das monatelange Lobbyieren einiger Unternehmen, die die Gewinne aus der Vermarktung der Glasfaserleitungen, einstreichen wollen, Erfolg“, kritisierte der haushaltspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Sven-Christian Kindler.

    „Die Bahn holt beim Glasfaserausbau Private ins Boot, obwohl sie nicht belegen kann, dass das im Vergleich zum Ausbau in Eigenregie wirtschaftlicher ist.“ Kindler forderte, die Bahn solle „Ausbau und Vermarktung der digitalen Infrastrukturen selbst managen. Dann fließen die Gewinne auch in die Taschen der Bahn und landen nicht auf dem Konto privater Investoren.“

    Mehr: „Digitalisierung der Bahn findet noch nicht statt“ – Experten kritisieren mangelnde Forschungsförderung

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