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Ausbildung Bildungsministerin Karliczek verteidigt Untergrenze für Lehrlingsvergütung

Die Bildungsministerin setzt sich für eine höhere Ausbildungsvergütung ein, auch wenn sie für viele Betriebe Mehrkosten bedeutet. Gespräche laufen.
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Sollten alle Auszubildenden eine Mindestvergütung bekommen, dann komme viele Betriebe im Osten in Schwierigkeiten. Quelle: dpa
Auszubildender bei der Arbeit

Sollten alle Auszubildenden eine Mindestvergütung bekommen, dann komme viele Betriebe im Osten in Schwierigkeiten.

(Foto: dpa)

BerlinDie Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) über die möglichen Auswirkungen einer Mindestausbildungsvergütung hat die Debatte über das von der Großen Koalition geplante Instrument neu entfacht. „Schon jetzt ist die Quote der Ausbildungsbetriebe unter 20 Prozent gefallen. Die geplante Untergrenze für Lehrlingsvergütungen senkt die Ausbildungsbereitschaft gerade von Kleinbetrieben weiter“, warnte der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger. Denn die Kosten einer Ausbildung würden dann gerade viele Mittelständler nicht mehr tragen wollen.

Das Handelsblatt hatte am Dienstag eine Studie des BIBB veröffentlicht, der zufolge bei einer Mindestausbildungsvergütung von 500 Euro monatlich rund elf Prozent der Betriebe ihren Lehrlingen mehr zahlen müssten als heute. Bei einer Untergrenze von 650 Euro – wie sie in etwa dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) vorschwebt – kämen sogar auf gut jeden dritten Betrieb (35 Prozent) höhere Kosten zu.

Besonders betroffen wären kleine und mittlere Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten, das Handwerk und Unternehmen in Ostdeutschland von einer Mindestvergütung. Laut Koalitionsvertrag wollen Union und SPD sie mit der Novelle des Berufsbildungsgesetzes einführen, die Anfang 2020 in Kraft treten soll.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek verteidigte das Vorhaben: „Wir wollen eine ausgewogene und unbürokratische Mindestausbildungsvergütung“, sagte sie dem Handelsblatt. „Sie muss soziale Problemlagen erfolgreich adressieren, sie darf aber nicht die Tarifautonomie aushöhlen. Das gebieten schon die Verfassung und der Respekt vor den Tarifvertragsparteien.“

Zur näheren Ausgestaltung der Mindestvergütung würden derzeit Gespräche geführt, sagte die Ministerin weiter. Über die konkrete Höhe werde dann im Gesetzgebungsverfahren zu entscheiden sein. Der DGB hat bereits vorgeschlagen, die Untergrenze bei 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung über alle Branchen hinweg einzuziehen. 2017 hätte sie damit im ersten Ausbildungsjahr bei 635 Euro monatlich gelegen, im zweiten bei 696 Euro und im dritten bei 768 Euro.

Statt den Unternehmen neue Kosten aufzubürden, solle die Politik lieber für mehr Investitionen in schulische Bildung sorgen, fordert dagegen der CDU-Wirtschaftsrat. Viele Unternehmen beklagten, dass Bewerber oft nicht einmal mehr die Mindestanforderungen für eine Ausbildung erfüllten – sie fänden deshalb keine geeigneten Azubis mehr.

„Wer die Grundrechenarten nicht beherrscht, beim Schreiben Schwierigkeiten hat oder kein flüssiges Deutsch spricht, ist für den Ausbildungsbetrieb eher eine Belastung als eine Hilfe“, sagte Steiger. Das führe zu der paradoxen Situation, dass viele Lehrstellen nicht besetzt werden könnten und gleichzeitig junge Menschen ohne Ausbildungsplatz dastünden oder die Lehre wegen Überforderung abbrächen.

Tatsächlich fällt es den Unternehmen immer schwerer, Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen. So zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) erstmals seit der Wiedervereinigung in einem Juli mehr gemeldete Ausbildungsstellen als Bewerber gezählt. Zwei Monate vor Ende des Berufsberatungsjahres stehen rund 530.000 offenen Stellen etwas mehr als 500000 Bewerbern gegenüber, wie die Behörde am Dienstag in Nürnberg mitteilte.

Die Zahl der seit Oktober 2017 gemeldeten Lehrstellen stieg den Angaben zufolge bis Ende Juli gemessen am Vorjahr um rund 21.000. Dagegen sank die Bewerberzahl im Vorjahresvergleich um mehr als 10.000. 140.000 jungen Leuten, die noch keine Lehrstelle gefunden hatten, standen 201.000 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.

BA-Vorstand Raimund Becker appellierte an die Wirtschaft, auch schwächeren Schulabgängern eine Chance zu geben und dafür die Förderinstrumente der Arbeitsagentur zu nutzen.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, sagte, Ausbildungsplätze seien noch in nahezu allen Berufen und Regionen frei. Besonders viele Chancen gebe es im Einzelhandel, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie für Kaufleute im Büromanagement. „Betriebe suchen händeringend Nachwuchs“, sagte Schweitzer. 

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1 Kommentar zu "Ausbildung: Bildungsministerin Karliczek verteidigt Untergrenze für Lehrlingsvergütung"

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  • Und warum zahlt dann der Staat kein Studengehalt sondern nimmt Studiengebueren?
    Ausbildung ist teuer, die Azubis wohnen bei ihren Eltern (oder sollten dort wohnen).
    Dieser staatliche Eingriff ist kontraproduktiv.