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Ausbildung Börsennotierte Unternehmen bilden immer weniger aus

Die größten börsennotierten Unternehmen haben 2017 ein Viertel weniger Azubis ausgebildet als noch 2013, zeigt eine WZB-Studie – trotz Fachkräftemangel.
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Unternehmen stellten zwar mehr Mitarbeiter ein, reduzierten aber ihre eigenen Ausbildungsaktivitäten. Quelle: dpa
Auszubildende

Unternehmen stellten zwar mehr Mitarbeiter ein, reduzierten aber ihre eigenen Ausbildungsaktivitäten.

(Foto: dpa)

BerlinBörsennotierte Großunternehmen haben im Zeitraum von 2013 bis 2017 ihre Ausbildungsaktivitäten drastisch reduziert. Das geht aus einer Studie des Wirtschaftszentrums Berlin hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach sank die Zahl der Azubis um etwa ein Viertel von 47.000 auf rund 35.000.

Bis 2013 war die Zahl der Auszubildenden noch stabil geblieben. Danach stellten die Unternehmen zwar mehr Mitarbeiter ein, reduzierten aber ihre eigenen Ausbildungsaktivitäten.

Großunternehmen spielen bei der betrieblichen Ausbildung eine „ambivalente Rolle“ , sagt Arbeitsmarktforscher Robert Scholz. Zwar bilden sie selbst aus, „rekrutieren aber auch in großem Umfang Absolventen, die in kleinen und mittleren Betrieben und im Handwerk ausgebildet wurden. Damit profitieren sie von der Vorarbeit anderer“.

Ein ähnliches Bild hatte unlängst eine Handelsblatt-Umfrage unter den Dax-Konzernen ergeben: Von 28 Dax-Konzernen ist die Ausbildungsquote bei 19 im Laufe von zehn Jahren zurückgegangen. Erhöht hat sie sich nur bei fünf Unternehmen. Das hatte harsche Kritik aus der Politik, von Gewerkschaften sowie den Familienunternehmen und dem Handwerk ausgelöst.

Rückläufig ist die duale Ausbildung vor allem in Konzernen des Energie- und Telekommunikationsbereich, bei Banken und Finanzdienstleistern sowie bei den Zulieferern für den Fahrzeugbau, so Scholz. Einen geringen Zuwachs verzeichnet dagegen der Medizin- und Gesundheitsbereich. „Der deutliche Rückgang der Auszubildenden steht nicht nur im Gegensatz zur positiven Beschäftigungsentwicklung, sondern auch zum oft beklagten Fachkräftemangel“, sagt WZB-Forscher Scholz.

Als Grund für den Rückgang nennt Scholz die allgemeine Tendenz zum Studium, die Internationalisierung und branchenspezifische Effekte, etwa den Abbau von Bankkaufleuten im Zuge der Digitalisierung.

Ein Teil der bisher dualen Ausbildungsstellen werde durch duale Studienplätze ersetzt wird. „Wir beobachten eine verstärkte Tendenz von der Werkstatt ins Büro, wie wir sie für die Beschäftigung schon seit Jahrzehnten kennen“, sagt Scholz. Rechne man Azubis und dual Studierende zusammen, machten die Studierenden in den untersuchten Unternehmen bereits etwa ein Fünftel aller Auszubildenden aus – Tendenz steigend.

„Allerdings kompensieren die Studierenden nicht den Wegfall der Auszubildenden“, stellt der WZB-Forscher klar. „Unterm Strich ist der Rückgang bei der Zahl der dual Auszubildenden in den Betrieben größer als die Zunahme der Stellen im dualen Studium.“

Zudem finde ein erheblicher Teil der beruflichen Ausbildung inzwischen an ausländischen Standorten statt. In Unternehmen, die nicht ausschließlich in Deutschland ausbilden, ist laut WZB derzeit jeder vierte Lehrling dauerhaft im Ausland tätig. Fast alle Unternehmen, die ausländische Produktions-, Vertriebs- oder Umschlagsstandorte unterhalten, hätten seit 2007 ihre Ausbildungsaktivitäten im Ausland verstärkt.

Dass die Unternehmen schlichtweg keine Auszubildenden finden – ein häufiges Argument zum vielfach zitierten Fachkräftemangel –, könne angesichts des von ihm nachgewiesenen starken Rückgangs in der dualen Berufsausbildung nicht die zentrale Ursache sein.

Dagegen spreche auch, „dass diese börsennotierten Unternehmen über eine gute Reputation verfügen und im Vergleich zum Klein­ und Mittelstand oftmals tarifliche Bindungen, Übernahmeoptionen und Entwicklungsmöglichkeiten bieten.“ Hinzu komme „das Paradox, dass sich in diesen Firmen die Beschäftigung in Deutschland insgesamt sehr stabil entwickelt und im Ausland sogar ansteigt.“

Basis für die Untersuchung waren die Daten des Projekt Mitbestimmungsindex des Wissenschaftszentrums. Dieses von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung unterstützte Wissenschaftsprojekt untersucht seit 2014 die Beziehung zwischen Mitbestimmung und nachhaltiger Unternehmensführung in deutschen Unternehmen.

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