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Ausbildung Es gibt weniger Lehrstellenangebote – und noch weniger Bewerber

Das Angebot an Lehrstellen ist auch im zweiten Corona-Jahr weiter deutlich gesunken. Dennoch bleiben viele Ausbildungsplätze weiterhin unbesetzt.
01.06.2021 Update: 01.06.2021 - 15:59 Uhr 1 Kommentar
Deutlich mehr Stellen als Interessenten gibt es vor allem in vielen Handwerksberufen, wie in Bau- und baunahen Berufen. Quelle: dpa
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Deutlich mehr Stellen als Interessenten gibt es vor allem in vielen Handwerksberufen, wie in Bau- und baunahen Berufen.

(Foto: dpa)

Berlin Der Ausbildungsmarkt schwächelt auch im zweiten Corona-Jahr deutlich: Die Unternehmen bieten erneut 15.000 Lehrstellen weniger als im Vorjahr an. Unterm Strich stehen damit dieses Jahr nur noch 451.000 Ausbildungsplätze zur Verfügung – 2019 waren es noch 512.000. Das zeigt der aktuelle Monatsbericht der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Für die beiden Ausbildungsjahre 2019/20 und 2020/21 „ergibt sich damit ein kumulierter Rückgang von acht Prozent“, sagte BA-Chef Detlef Scheele bei der Vorstellung des Arbeitsmarktberichts für Mai.

Generell sei mit Blick auf den drohenden Fachkräftemangel jedoch „eine Qualifizierungsinitiative dringend nötig“. Er habe aber „den Eindruck, dass die Bereitschaft der Unternehmen, die unversorgten Bewerber aus dem Jahr 2020 aufzunehmen, nicht besonders groß ist“. 

Der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (CDU), zeigte sich besorgt über die Entwicklung. Die Qualität der Ausbilder und Auszubildenden hierzulande gehöre zu „entscheidenden Stützpfeilern“ der deutschen Wirtschaft. „Umso wichtiger ist es, diese Basis auch in Zeiten der Pandemie zu erhalten“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium dem Handelsblatt.

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    „Ich hoffe, dass die Unternehmen sich der besonderen Verantwortung gerade in dieser schwierigen Zeit bewusst sind und die Zahl der Ausbildungsplätze in den nächsten Tagen nochmals erhöht werden kann“, sagte Bareiß weiter. „Meine Hoffnung ist, dass sich in den nächsten zwei Monaten noch etwas tun wird.“

    Die Pandemie habe verständlicherweise in vielen Bereichen für Verunsicherung gesorgt, fügte der CDU-Politiker hinzu. Was aber Hoffnung mache, seien die guten Aussichten in der Wirtschaft. „Umso unverständlicher ist die aktuelle Zurückhaltung bei den Ausbildungsangeboten.“

    Um die Ausbildungsbereitschaft zu steigern, hatte die Bundesregierung zuletzt auch die im ersten Corona-Jahr eingeführten Ausbildungsprämien verdoppelt: Pro neu eingestelltem Azubi locken nun bis zu 6000 Euro. Das Problem ist, dass die Prämien noch relativ unbekannt sind. 

    Allerdings ist auch die Zahl der Bewerber in diesem Jahr gegenüber 2020 nochmals deutlich um 33.000 auf 367.000 gesunken. Das liege aber nicht an der Demografie, stellte Scheele klar: Von den Schulen kämen dieses Jahr sogar zwei Prozent mehr Abgänger. Wegen Corona sei aber der Kontakt zu den Betrieben massiv behindert, auch sei die Berufsorientierung in den Schulen ausgefallen. „Das kann durch digitale Alternativen nicht vollständig ersetzt werden“, sagte der BA-Chef. 

    Am Arbeitsmarkt werden mehr ausgebildete Fachkräfte als Akademiker gebraucht

    Daher würden sich offensichtlich viele Jugendliche trotz grundsätzlichem Interesse an einer Lehre stattdessen für einen weiteren Schulbesuch oder – mit entsprechendem Abschluss – für ein Studium entscheiden. Das sei zwar „per se nicht schlecht“, zugleich seien sie damit aber „womöglich für die duale Ausbildung verloren“.

    Grafik

    Experten warnen schon länger, dass Corona – ähnlich wie die Finanzkrise 2008/09 – zu einem dauerhaften Minus bei der dualen Ausbildung führen könnte. Das würde zu massiven Problemen führen, denn am Arbeitsmarkt werden rein zahlenmäßig weit mehr beruflich ausgebildete Fachkräfte als Akademiker gebraucht.

    So müssen beispielsweise nach dem jüngsten „MINT-Report“ des Instituts der deutschen Wirtschaft allein auf dem zentralen Feld der MINT-Berufe ab 2024 jährlich 291.000 Fachkräfte ersetzt werden, die altersbedingt ausscheiden – bei den Akademikern sind es nur 69.000. 

    Daher plane die „Allianz für Aus- und Weiterbildung“ einen „Sommer der Ausbildung“, kündigte Scheele an. Eine gemeinsame Internetseite mit regionalem Bezug und diverse Veranstaltungen sollen dafür sorgen, „dass wir diesen Jahrgang nicht verlieren“. 

    Von den gemeldeten Ausbildungsstellen waren im Mai 234.000 unbesetzt. Zugleich sind noch 208.300 gemeldete Bewerberinnen und Bewerber auf der Suche. Das erlaube aber noch keine Prognose für das gesamte Ausbildungsjahr, das im September beginnt, denn der Ausbildungsmarkt sei noch stark in Bewegung. 

    Scheele appellierte an interessierte Jugendliche, trotz der Kontaktschwierigkeiten durch die Pandemie alles daranzusetzen, einen Platz zu finden. Die rechnerischen Chancen – also das Verhältnis von Angebot und Nachfrage – sind 2021 so gut wie nie. 

    DGB: Nicht von der Corona-Pandemie in eine Fachkräfte-Krise stolpern

    „Wir dürfen nicht von der Corona-Pandemie in eine Fachkräfte-Krise stolpern“, warnt auch die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. „Es ist fünf vor zwölf auf dem Ausbildungsmarkt. Der zeitgleiche Einbruch von Bewerberzahlen und angebotenen Ausbildungsplätzen droht viele junge Menschen, aber auch die Betriebe hart zu treffen“, sagte sie dem Handelsblatt. Gefährdet seien vor allem Schulabgänger, die nur einen Hauptschulabschluss haben. 

    Viele offene Lehrstellen in Handwerksberufen

    Deutlich mehr Stellen als Interessenten gibt es vor allem in vielen Handwerksberufen, etwa in der Herstellung und im Verkauf von Fleisch- und Backwaren oder in Bau- und baunahen Berufen wie Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Energietechnik, aber auch in der Mechatronik und Automatisierungstechnik.

    Selbst Hotels und Gaststätten bieten trotz des Corona-Einbruchs mehr Lehrstellen, als es Bewerber gibt. Knapp ist das Angebot hingegen in der Tischlerei, im Kfz-Verkauf und in der Kfz-Technik, in Büro- und Verwaltungsberufen oder in der medizinischen Fachassistenz.

    Mehr: Trotz Weiterbildungsstrategie: Nur jede 100. Fachkraft bekommt ein Stipendium

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    1 Kommentar zu "Ausbildung: Es gibt weniger Lehrstellenangebote – und noch weniger Bewerber "

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    • Weshalb gibt es weniger Lehrstellenangebote? Weil die Ausbildungskosten explodiert sind und der Ausbildungserfolg immer schwieriger zu erreichen ist. Zumal es keine Gewähr für den Verbleib im erlernten Beruf gibt.

      Bei optimistischen Zukunftsaussichten, machbaren Ausbildungserfolgen, sicheren Job`s und persönlicher Entfaltung werden Lehrstellen immer begehrt bleiben.

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