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Ausbildung Handwerk will Hilfe bei der Lehre

Azubis werden dringend gebraucht, doch manche Betriebe – vor allem kleinere – sehen sich überfordert. Das Handwerk und der DGB fordern daher Unterstützung.
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Besonders das Handwerk hat ein Nachwuchsproblem. Quelle: imago/Jürgen Heinrich
Auszubildender

Besonders das Handwerk hat ein Nachwuchsproblem.

(Foto: imago/Jürgen Heinrich)

Berlin Die duale Berufsausbildung soll nicht nur attraktiver werden, um wieder mehr junge Menschen anzuziehen – sie muss auch besser werden. Das fordern unisono das Handwerk und die Gewerkschaften.

Denn nur wenn die Qualität steige, könne sie genügend Interessenten anziehen und so die Versorgung der Betriebe mit Top-Fachkräften sichern, heißt es in einem gemeinsamem Forderungskatalog des Zentralverbands des Handwerks (ZDH) und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), der dem Handelsblatt vorliegt.

Diese werden Thema auf der gemeinsamen Veranstaltung „Gute Ausbildung im Handwerk. Mit Qualität in die Zukunft“ an diesem Montag sein, an der auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) teilnimmt.

Die große Masse der Lehrlinge lernt in kleinen und kleinsten Betrieben, die zunehmend Hilfe bräuchten, sagen die beiden Spitzenorganisationen. Denn gerade Handwerksbetriebe bildeten einerseits traditionell viele Jugendliche mit schwächeren Startchancen aus – gleichzeitig steige jedoch der Anteil von Abiturienten und Studienaussteigern. Doch damit wachse die Unterschiedlichkeit der Lehrlinge. Auch die Anforderungen an ihre Ausbilder würden komplexer.

Um diese zu unterstützen, fordern ZDH und DGB eine Stärkung der Berater in den Handwerkskammern. Zudem sollten Ausbilder aus Betrieben und überbetrieblichen Bildungsstätten und die Berufschullehrer regelmäßig gemeinsam fortgebildet werden.

Regierung will Azubi-Mindestlohn

Die Bundesregierung will die Lehre vor allem durch Azubi-Mindestlöhne attraktiver machen. Die Reform von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sieht vor, dass dieser zunächst 515 Euro im ersten Lehrjahr betragen soll. Die Regelung betrifft allerdings erst Ausbildungen, die ab dem 1. Januar 2020 begonnen werden. Die Ausbildungsbeihilfe für Lehrlinge, die nicht mehr zu Hause wohnen oder schon Kinder haben, wurde kürzlich von 622 Euro auf monatlich 716 Euro erhöht. Ab August 2020 sind es dann 723 Euro.

Gemeinsam trommeln Politik und Wirtschaft dafür, mehr Abiturienten, „Studienzweifler“ und Studienabbrecher in die duale Ausbildung zu holen. Aktuell haben 30 Prozent der Lehrlinge Abitur. Das ist noch etwas weniger als in der Gesamtheit der Schulabgänger, von denen zuletzt 35 Prozent eine Hochschulzugangsberechtigung erwarben. Rund 30 Prozent der Studierenden brechen ab.

Um diese rechtzeitig über die Chancen der dualen Ausbildung zu informieren, fordern ZDH und DGB den zügigen Ausbau der Berufsorientierung an allen Schularten. Die Forderung ist nicht neu, die Kultusminister haben dies auch zugesagt, die Realisierung dauert aber an. Daneben wünschen sich die beiden Spitzenorganisationen aber auch direkte Kooperationen „aller Schulen mit den Organisationen des Handwerks und den Gewerkschaften“.

Der Bund müsse die Ausbildereignungsverordnung überprüfen und im Zweifel erneuern. Modernisiert werden müsse das Regelwerk für die Ausbilder vor allem mit Rücksicht auf Digitalisierung und interkulturelle Kompetenzen. Hintergrund ist, dass viele Betriebe zwar händeringend Azubis suchen, Migranten nach Untersuchungen des Bundesinstituts für Berufsbildung aber im Schnitt noch immer schlechtere Chancen haben.

Schließlich pochen Gewerkschaften und Handwerk auf eine bessere personelle und finanzielle Ausstattung der Schulen. Ziel müsse sein, alle Schüler optimal zu fördern, heißt es in ihrem Forderungskatalog. Besonderes Anliegen sind ihnen die Berufsschulen. Es könne nicht sein, dass diese speziell unter Lehrermangel und ungenügender technischer Ausstattung leiden. Zudem seien gerade die Berufsschulen regional zunehmend ausgedünnt, sodass sie für viele Azubis immer schlechter erreichbar seien.

Aktuell kämpfen vor allem die Grundschulen mit einem enormen Lehrermangel, der laut Prognosen in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen wird. Die Kultusminister versuchen daher, flächendeckend Quereinsteiger zu engagieren. Der Lehrerverband schätzt, dass in diesem Schuljahr insgesamt 15.000 Lehrer fehlen und 40.000 Stellen mit „gering qualifiziertem Personal“ besetzt sind.

Die OECD hatte soeben gerügt, dass Deutschland nur 4,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in Bildung investiert – im Schnitt der OECD-Länder sind es fünf Prozent. 2008 hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten versprochen, dass es ab 2015 sieben Prozent sein würden.

Mehr: Immer mehr Auszubildende kritisieren ihre Arbeitsbedingungen. Die Betriebe könnten daran viel ändern – vor allem in Sachen Digitalisierung gibt es Nachholbedarf.

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