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Ausbildung Warum mehr Azubis Auslandserfahrung sammeln sollen

Jeder zehnte Auszubildende soll eine Zeit im Ausland verbringen – zum Nutzen der globalisierten deutschen Wirtschaft. Noch liegt das Ziel in weiter Ferne.
03.03.2020 - 19:18 Uhr Kommentieren
Auslandsaufenthalte sollen die duale Ausbildung attraktiver machen. Quelle: E+/Getty Images
Ausbildung

Auslandsaufenthalte sollen die duale Ausbildung attraktiver machen.

(Foto: E+/Getty Images)

Berlin Für Studierende gehört ein Auslandssemester oder wenigstens ein kürzerer Aufenthalt im Ausland inzwischen fast zum guten Ton – mittelfristig soll das auch bei Auszubildenden so werden. Denn eine so global aufgestellte Wirtschaft wie die deutsche braucht weltgewandte Mitarbeiter, die nicht nur Fremdsprachen sicher beherrschen, sondern auch im Ausland sicher auftreten können.

Zudem sollen Auslandsaufenthalte die duale Ausbildung an sich attraktiver machen. Zuletzt blieben Zehntausende Lehrstellen unbesetzt. Dagegen kämpft die Bundesregierung auch mit den neuen Mindestlöhnen sowie einer besseren Aufstiegsförderung.

Schon 2013 hatte der Bundestag daher das Ziel ausgegeben, dass bis zum Jahr 2020 jeder zehnte Auszubildende während seiner Lehrzeit Erfahrungen jenseits der deutschen Grenze sammeln soll. Das klappt sicher nicht, so viel lässt sich bereits sagen. Doch 2019 wurde nach einer Hochrechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) immerhin schon ein Wert von sieben Prozent erreicht.

2019 konnte das BIBB im Rahmen des EU-Förderprogramms „Erasmus plus“ rund 33.000 Auslandsaufenthalte realisieren – das waren rund 5000 mehr als im Jahr zuvor. Dabei geht es in der Regel um kurze Aufenthalte, nicht um vollständige Tri- oder Semester: Die durchschnittliche Dauer liegt bei 28 Tagen.

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    Beliebtestes Zielland der reiselustigen Auszubildenden war bislang Großbritannien – dorthin zog es zuletzt fast die Hälfte der Erasmus-Geförderten, heißt es in einer Analyse des BIBB zu den Jahren 2016 bis 2018. Mit großem Abstand folgen Spanien und Irland und bereits auf Platz vier der kleine, aber englischsprachige Inselstaat Malta.

    „Dass Entsendungen nach Frankreich mit lediglich 3,6 Prozent sehr schwach vertreten sind, überrascht angesichts der Tatsache, dass das Nachbarland in Europa der zweitwichtigste Handelspartner der Bundesrepublik ist“, schreiben die Studienautoren Laura Broß und Friederike Wiethölter.

    Elektroniker mit hohem Auslandsinteresse

    Überproportional stark vertreten unter den Lehrlingen, die ins Ausland gehen, sind Azubis aus Nordrhein-Westfalen und Bayern. Junge Frauen erweisen sich dabei als deutlich polyglotter als ihre männlichen Kollegen: Obwohl sie insgesamt nur 47 Prozent aller Auszubildenden ausmachen, stellen sie 60 Prozent der Internationalisten unter den Lehrlingen.

    Nach Ausbildungsberufen differenziert zeigt sich ein außergewöhnlich hohes Interesse an Auslandsaufenthalten bei den Elektronikern für Gebäude und Infrastruktursysteme: Vom Abschlussjahrgang 2017 war bereits jeder Zweite im Ausland. Bei den Massenberufen stehen die angehenden Industriekaufleute ganz vorn – hier war es schon jeder siebte, also 14 Prozent.

    Grafik

    Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Groß- und Außenhandelskaufleute sowie die Mechatroniker. Hier ist die Quote derer, die über das Erasmus-Programm im Ausland waren, allerdings noch deutlich ausbaufähig, sie lag jeweils nur bei gut fünf Prozent. Auch Ausbilder und Berufsschullehrer können mit Erasmus ins Ausland. Ihre Quoten lagen zuletzt etwa so hoch wie bei den Auszubildenden.

    Doch die Internationalität der Auszubildenden soll nicht nur durch Kurzaufenthalte im Ausland gesteigert werden. Künftig soll sie auch integraler Bestandteil der Ausbildungen selbst sein – im Betrieb und in der Berufsschule. Das BIBB erarbeitet derzeit Bausteine, die Teil der Ausbildungsordnungen werden sollen.

    Auch für Pflegekräfte und Erzieherinnen

    Während „Erasmus plus“ die Mobilität innerhalb Europas fördern soll, baut das Bundesbildungsministerium nun auch das noch relativ neue Programm „Ausbildung weltweit“ aus, mit dem Azubis und Ausbilder rund um den Globus reisen können. Seit 2017 wurden über das Programm eintausend Aufenthalte in mehr als 40 Ländern bewilligt.

    „Ob Auszubildende oder Lehrpersonal: Der Perspektivenwechsel im Ausland ermöglicht jungen Menschen unschätzbare interkulturelle Erfahrungen“, sagte Ministerin Anja Karliczek (CDU), und „davon profitiert natürlich auch der weltweit vernetzte Wirtschaftsstandort Deutschland“. Ab sofort können sich dafür nicht nur Azubis der dualen Ausbildung bewerben, sondern auch solche aus vollzeitschulischen Ausbildungen – also etwa angehende Pflegekräfte oder Erzieherinnen. Neben Ausbildungsbetrieben und Kammern dürfen auch Berufsschulen und weitere Ausbildungsstätten wie Arztpraxen oder Anwaltskanzleien entsprechende Anträge stellen.

    Viele unbesetzte Lehrstellen in freien Berufen

    Das kommt etwa bei den Freiberuflern gut an: „Wer als Ausbilder seine Auszubildenden für eine gewisse Zeit ziehen lassen kann, kann gerade in Zeiten des Fachkräftemangels als attraktiver Arbeitgeber punkten“, sagt der Präsident des Bundesverbands der Freien Berufe, Wolfgang Ewer.

    Denn auch für die freien Berufe werde es zunehmend schwieriger, Auszubildende zu finden. Laut offiziellen Zahlen sind bei den freien Berufen rund 3700 Ausbildungsplätze unbesetzt. „Mindestens, die Dunkelziffer dürfte noch darüberliegen“, führt Ewer aus.

    Qualifizierte Auslandserfahrungen beförderten die interkulturelle Kompetenz, erläutert der Verbandspräsident. „Das ist ein Pluspunkt für junge Menschen und auch für die Ausbilder wertvoll.“ Alle Sektoren seien aber gefordert, Programme wie dieses und eben „Erasmus plus“ noch besser zu bewerben.

    Mehr: Börsennotierte Unternehmen bauen kräftig Lehrstellen ab – Mittelstand und Handwerk empört

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