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Auschwitz-Wortspiel US-Botschaft attackiert Thüringer AfD-Chef Höcke

Eine Rede des AfD-Politikers Höcke bei einem „Flügel“-Treffen sorgt für viel Ärger – nicht nur in seiner eigenen Partei.
18.03.2020 - 22:30 Uhr Kommentieren
Von allen Seiten unter Beschuss: AfD-Politiker Björn Höcke. Quelle: AP
Björn Höcke

Von allen Seiten unter Beschuss: AfD-Politiker Björn Höcke.

(Foto: AP)

Berlin Der Thüringer AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke hat mit einem Wortspiel zum Konzentrationslager Auschwitz den Unmut der US-Botschaft auf sich gezogen. Dabei geht es um eine Rede Höckes bei einem Treffen von „Flügel“-Mitgliedern aus Sachsen-Anhalt am 6. März.

In einem Videoausschnitt greift Höcke interne Kritiker des „Flügels“ der Partei an. Er sagt wörtlich: „Die, die nicht in der Lage sind das Wichtigste zu leben, was wir zu leisten haben, nämlich die Einheit, dass die allmählich auch mal AUSgeSCHWITZt werden.“

Die US-Botschaft reagierte über den Kurznachrichtendienst Twitter. Sie schrieb, Höckes Rede sei „unehrenhaft, unmoralisch und eine Schande“ und verbreitete dazu eine fast gleichlautende Botschaft der Auschwitz-Gedenkstätte.

Das Auschwitz-Museum hatte zuvor über sein offizielles Twitter-Profil erklärt: „Diese Rede von Herrn Höcke ist eine Schande, ehrenlos, unmoralisch und unmenschlich – ebenso wie das Gelächter und der Applaus. Dieser Hass vergiftet unsere Gedanken und unser Gewissen.“

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    Höcke wies die Vorwürfe auf seiner Facebook-Seite als eine „bösartige Auslegung von Textpassagen“ zurück. „Dabei wird das Framing so gesetzt, als hätte ich in irgendeiner Form auf das Konzentrationslager Auschwitz Bezug genommen (…).“

    Top-AfD-Funktionäre stellen sich gegen Höcke

    Höcke ist Wortführer der von ihm mitgegründeten Sammlungsbewegung „Der Flügel“, die in der vergangenen Woche vom Bundesamt für Verfassungsschutz zum Beobachtungsfall im Bereich Rechtsextremismus erklärt wurde.

    Eine prägende Figur des „Flügel“ ist der brandenburgische AfD-Chef Andreas Kalbitz. Dieser hatte sich schon am Dienstag vor Höcke gestellt und dessen Rede verteidigt. „Es gibt keine Wortspiele mit Auschwitz. Das ist hanebüchener Unsinn. Das ist eine relativ billige Konstruktion, das liegt natürlich durch diese sprachliche Analogie nahe, und man kann sich darüber streiten, ob das besonders glücklich war, aber das jetzt in diesen (...) Kontext zu setzen, ist einfach unlauter, es ist billig, und es ist niveaulos.“ Kalbitz und Höcke sind vom Verfassungsschutz als Rechtsextremisten eingestuft worden.

    Vor diesem Hintergrund haben mehrere Spitzenfunktionäre westlicher AfD-Landesverbände den Bundesvorstand der Partei aufgefordert, dem „Flügel“ Einhalt zu gebieten. Auch Ordnungsmaßnahmen gegen Höcke und Kalbitz sind im Gespräch. Der Landesvorstand der AfD in Nordrhein-Westfalen dringt sogar auf eine vollständige Auflösung der informellen Vereinigung, die nach Schätzungen des Verfassungsschutzes rund 7.000 Anhänger hat.

    Die Auflösung des „Flügels“ und weitere Maßnahmen seien geeignet, „wieder Ruhe in unsere Partei einkehren zu lassen und die bereits begonnene Austrittswelle zu stoppen“, heißt es in einem Brief, den der NRW-Landesvorsitzende Rüdiger Lucassen am Mittwoch an die beiden Parteichefs, Jörg Meuthen und Tino Chrupalla, schickte.

    Bundesvorstand berät am Freitag

    In dem Schreiben, das der Agentur dpa vorliegt, fordert Lucassen den Bundesvorstand zudem auf, Veranstaltungen, Auftritte und andere Zusammenkünfte von AfD-Mitgliedern unter der Bezeichnung „Flügel“ zu verbieten. Die Protagonisten des „Flügels“ hätten sich zudem „vorbehaltlos in Diktion und Duktus den Zielen und der Programmatik der AfD unterzuordnen“.

    Aus dem nordrhein-westfälischen Landesverband hieß es, langjährige Mitglieder und „Leistungsträger“ hegten einen tiefen Groll gegen neue, „Flügel“-affine Mitglieder vom Typ „Jogginghose, kein Job, keine Zähne“, die in einigen Kreisverbänden neuerdings versuchten, die Tonlage vorzugeben.

    Der Bundesvorstand will sich am kommenden Freitag – ungeachtet der Coronakrise – in Berlin treffen. Es heißt, auch der Ehrenvorsitzende Alexander Gauland wolle kommen. Dann soll dem Vernehmen nach darüber beraten werden, wie die Partei auf die jüngste Entscheidung des Verfassungsschutzes reagieren sollte. Ob dann direkt schon ein Beschluss gefasst wird, ist aber noch offen.

    Mehr: Lesen Sie hier, warum der Mainzer AfD-Fraktionschef sein Partei vor dem Scheitern sieht.

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