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Auslandseinsatz Bundeswehr kämpft in Mali mit schleppendem Nachschub

Beim UN-Einsatz in Gao muss die Truppe Wochen lang auf Ersatzteile warten, auch Öllieferungen für den Ölwechsel der schweren Lastwagen brauchen vier Wochen.
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Die Verteidigungsministerin besucht am dritten Tag ihrer Reise nach Westafrika deutsche Soldaten in Gao. Quelle: dpa
Annegret Kramp-Karrenbauer in Gao

Die Verteidigungsministerin besucht am dritten Tag ihrer Reise nach Westafrika deutsche Soldaten in Gao.

(Foto: dpa)

Gao Die Bundeswehr kämpft noch immer mit Ausrüstungsmängeln – sogar im Auslandseinsatz. „Wie kann es sein, dass hier gar keine Ersatzteile vorhanden sind“, wunderte sich am Dienstag sogar die Verteidigungsministerin.

Bei 40 Grad im Schatten – den es in der roten Staubwüste nicht gibt – inspizierte Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) das Camp Castor im malischen Gao. Die Soldaten haben ihre gepanzerten Fahrzeuge und Drohnen im Halbkreis aufgestellt, sie erklären der Ministerin, was ihre jeweiligen Aufgaben sind, und sagen, woran es den 766 Soldaten im derzeit gefährlichsten Auslandseinsatz mangelt. Kramp-Karrenbauer nimmt sich Zeit, später wird sie in einer Halle die versammelten Soldaten dazu aufrufen, klar zu sagen, was fehlt.

Vor allem mangele es an schnellem Nachschub defekter Teile für die gepanzerten Fahrzeuge, erfährt sie. Sogar Öl für den regelmäßigen Ölwechsel lässt oftmals vier Wochen nach Bestellung auf sich warten. Manch ein Lastwagen steht aber auch deshalb vier Wochen in der Werkstatt des Camp Castor, weil Kfz-Mechaniker fehlen. „Es würde schon sehr helfen, wenn einfach ein bis zwei Mechaniker zusätzlich geschickt würden“, sagt ein Soldat.

Auch darüber hinaus leidet die Bundeswehr an Personalmangel: Zu wenige Soldaten würden in Einsätze gehen, zu viele scheuten davor zurück, sagt ein Soldat. Für die wenigen wird es deshalb anstrengend: Sechs Monate etwa müssen sie in Camp Castor durchhalten – einem Container-Camp drei Kilometer von der Stadt Gao entfernt und wegen der Sicherheitslage doch unerreichbar für Ausflüge in der Freizeit. Ins Camp Castor gelangen die Soldaten wegen der prekären Sicherheitslage nur in Bundeswehr- Transportflugzeugen, dem A400M oder der alten Transall.

Die Mängelliste ist lang, und sie reicht bis zur zu geringen Zahl an T-Shirts. In der Hitze würden die Soldaten sie gern öfter wechseln – aber die Franzosen, die für die multinationale UN-Truppe Minusma unter deutschem Kommando die Kleidung wäscht, kommen da offenbar nicht hinterher.

Das T-Shirt-Problem scheint leicht lösbar – doch der Mangel an Ersatzteilen wird auch bei gutem Willen der neuen Ministerin nicht im Handumdrehen verschwinden. Er ist eine Altlast aus dem harten Sparprogramm der Jahre 2011 bis 2013: Ersatzteile hält die Truppe seither kaum noch vor, so gut wie alles muss bei der Industrie bestellt werden. „Da muss man die Rahmenverträge ändern“, erklärte der mitgereiste Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner der Ministerin.

Das Kämpfen übernehmen andere Nationen

Von Sonntag bis Dienstag war Kramp-Karrenbauer in Mali und Niger, um sich ein Bild zu machen von den deutschen Einsätzen in der Region. „Es geht mir darum, die Einsätze effizienter zu gestalten, auch in Absprache mit den Franzosen“, sagte sie.

In Gao ist die Bundeswehr für die Aufklärung der Lage im Norden Malis zuständig. Sie lässt Drohnen fliegen und rückt mit gepanzerten Beobachtungsfahrzeugen aus, wie dem Fennek, um Informationen über Aktivitäten von Terrorgruppen und Kriminellen zu sammeln. Das Kämpfen übernehmen andere Nationen, im Rahmen der UN-Mission Minusma allerdings ebenfalls nur in eingeschränktem Umfang. Engagiert im Anti-Terrorkampf sind vor allem die Franzosen, mit ihrer eigenen Mission Barhane, außerhalb des UN-Mandats.

In Gao, wie im gesamten Norden Malis, ist es in den letzten Monaten ruhig geblieben, sagen Soldaten. Ruhig bedeutet: Wenige Anschläge. Die gab es stattdessen im Zentrum Malis: Ein Camp malischer Soldaten wurde vor einer Woche angegriffen, 38 Soldaten starben.

„Eigentlich würden wir gern mehr tun“, sagte ein Offizier in Gao. Mehr tun heißt: Gegen Terroristen in den Kampf ziehen, die Al Kaida- und Islamischer-Staat-Gruppen aus Mali vertreiben, Dörfer gezielt vor Angriffen schützen. In Afghanistan habe er erlebt, dass die internationalen Truppen „zu schmal hineingegangen“ seien, erzählt der Offizier – und die Sicherheitslage sei dann rapide schlechter geworden.

Das, was gerade in Mali geschieht, ist für die Afghanistan-erfahrenen unter den Soldaten in Gao ein Déjà-vu-Erlebnis: Die Sicherheitslage insgesamt in dem Land hat sich trotz des UN-Einsatzes verschlechtert – auch wenn es punktuell Erfolge gebe: Etwa, wenn die Bundeswehr Terroristen entdeckt, und die Franzosen dann vorrücken.

Neben der UN-Mission beteiligt sich die Bundeswehr an der europäischen EU-Trainingsmission EUTM. 22 EU-Staaten bilden in Malis Vorzeigekaserne Koulikoro heimische Soldaten aus: Inzwischen nicht mehr einzelne Truppenteile, sondern Offiziere, die das gelernte an ihre Soldaten weitergeben. „Das funktioniert gut, wir sollten uns da keinesfalls herausziehen“, sagte der deutsche Kommandeur Christian Schmidt, als Kramp-Karrenbauer am Vortag dort war. Jedoch: Die malische Armee ist mit 25.000 Soldaten viel zu klein, um das gesamte Staatsgebiet – das mehr als dreimal so groß ist wie Deutschland – vor Angreifern zu schützen.

Ministerin möchte Mali-Mandat verlängern

„Langfristig muss es gelingen, dass die malischen Kräfte die Sicherheit im Land garantieren“, sagt Kramp-Karrenbauer. Nur wie? Das, sagte sie in Gao, müsse ihr Ministerium nun sorgfältig analysieren.

Eine UN-Mission zu ändern, sei komplizierter als eine Nato-Mission anzupassen – und das hat sich bekanntlich in Afghanistan auch immer wieder als schwierig erwiesen. „Wir müssen über alles reden. Auch Kampfeinsätze zählen dazu“, sagte Kramp-Karrenbauer. Die SPD allerdings dürfte wenig geneigt sein, Kampftruppen wie die Franzosen nach Mali zu entsenden.

Auf jeden Fall aber will Kramp-Karrenbauer dafür werben, die Mali-Mandate zu verlängern. Außerdem brauche die Bundesregierung insgesamt eine Strategie für Mali und die angrenzenden Sahel-Staaten. Mit Außenminister Heiko Maas (SPD) und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will sie darüber reden. „Es reicht nicht, wenn es viele deutsche Projekte in Mali gibt, die kaum aufeinander abgestimmt sind“, sagte sie.

Von Rückzug nach sechs Jahren mit nur punktuellen Erfolgen hält auch der Grüne Tobias Lindner wenig. „Wir müssen uns immer auch fragen, wie die Lage ohne uns wäre, und wie sie sich entwickeln würde, wenn die internationalen Truppen abziehen würden“, sagte er. Die Gefahr wäre groß, dass dann dort in der Wüste der gerade aus dem Irak und Syrien vertriebene Islamische Staat wiederaufersteht.

Mehr: Die Verteidigungsministerin will die Bundeswehr effizienter einsetzen. In Deutschland wartet ihre Partei nur darauf, dass sie aus dem Umfragetief herauskommt.

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1 Kommentar zu "Auslandseinsatz: Bundeswehr kämpft in Mali mit schleppendem Nachschub"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein Armutszeugnis für das Beschaffungswesen in der Bundeswehr!!!

    Das gäbe es in der freien Wirtschaft nicht und Frau von der Leyen hat es in Jahren auch nicht hinbekommen.
    Deshalb führt sie jetzt Europa - mal sehen wie das wird.

    Ich drücke die Daumen für uns alle. Schönen Tag wünscht Peter Michael

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