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Auslandsstimmen „Großes Drama in Deutschland“ – So reagiert das Ausland auf Merkels Abgang als CDU-Chefin

Frankreich zollt Respekt, das Weiße Haus spricht von einer „internen Angelegenheit“: Merkels Ankündigung, nicht mehr für den CDU-Vorsitz zu kandidieren, ruft im Ausland gemischte Reaktionen hervor.
Update: 30.10.2018 - 01:05 Uhr 1 Kommentar
Angela Merkel: So reagiert das Ausland auf den Abgang als CDU-Chefin Quelle: AFP
Bundeskanzlerin Angela Merkel

Auch im Ausland wurde die Nachricht, dass Angela Merkel den Parteivorsitz in der CDU abgibt, wahrgenommen und diskutiert.

(Foto: AFP)

London, Paris, Rom In den wichtigsten EU-Mitgliedstaaten sind Angela Merkels Aufgabe des CDU-Parteivorsitzes und das Ergebnis der Hessenwahl bei Politkern und Journalisten ein Thema. Zwar unterscheiden sie sich in der genauen Bewertung der Ereignisse. Eines ist jedoch für alle klar. Der Nimbus der Angela Merkel allein schon aufgrund ihrer langen Regierungszeit umgibt, beginnt zu verfliegen.

Großbritannien: Abgang einer Schlüsselfigur

„Großes Drama in Deutschland“, twitterte der britische Tory-Abgeordnete Greg Hands. Auf der Insel genießt Merkel einen fast schon sagenhaften Ruf als mächtigste Frau Europas. Dass sie nun ihren Rückzug auf Raten einleitet, wird als Zäsur empfunden.

„Britische Politiker und Journalisten kennen nur einen deutschen Politiker: Frau Merkel“, sagte der frühere britische Europastaatssekretär Denis MacShane dem Handelsblatt. „Ihr Abgang zur gleichen Zeit, da Großbritannien die EU verlässt, wird das Vertrauen in die Zukunft Europas nicht stärken.“

Nicht zuletzt gilt die Kanzlerin in Großbritannien als Schlüsselperson im Poker um einen guten Brexit-Deal. Brexit-Verfechter hoffen, dass sie – gedrängt von den mächtigen deutschen Autokonzernen – in Brüssel ein Machtwort spricht und sich für die britischen Interessen einsetzt. Merkel sehen sie als einzige Politikerin, die der harten Linie des französischen Präsidenten Emmanuel Macron etwas entgegensetzen kann.

MacShane erinnerte jedoch daran, dass Merkels Rolle in den Brexit-Verhandlungen von den Hardlinern in London maßlos überschätzt werde. Ihr Rückzug vom Parteivorsitz werde daher auch keinen wesentlichen Einfluss auf die Verhandlungen haben. „Frau Merkel bleibt Kanzlerin, die deutsche Brexit-Politik wird sich also nicht ändern“, sagte MacShane.

Frankreich: Merkels Rückzug „außerordentlich respektabel“

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron bezeichnete Merkels Rückzugsankündigung laut der Nachrichtenagentur AFP eine „außerordentlich würdige Entscheidung“, die er „außerordentlich respektabel“ finde. Macron betonte dabei auch seine „Bewunderung“ für die Kanzlerin. Merkel habe nie die Werte Europas vergessen und mit viel Mut ihr Land regiert. Das Aufrücken rechter Parteien wie der AfD sei kein deutsches, sondern ein europäisches Phänomen, so Macron.

Merkels Entscheidung stellt vor allem den französischen Präsidenten vor eine neue Lage. Er hatte der Kanzlerin wegen der Suspendierung von Waffenexporten nach Saudi-Arabien noch am vergangenen Freitag leichtfertig „Demagogie“ vorgeworfen.

Die Medien haben Stunden gebraucht, um sich des politischen Einschnitts in Deutschland bewusst zu werden. Der konservative „Figaro“ schreibt: „Die Verbindung der beiden Funktionen, Kanzlerin und Vorsitzende der CDU, war der Sockel ihrer Autorität. Aber die Kritik ist zu stark geworden, und Merkel hat keine andere Wahl mehr, um zu beweisen, dass sie die Botschaft der Wähler verstanden hat. Indem sie einen Teil ihrer Macht aufgibt, geht sie eine Wette ein: das Rumoren in ihrem eigenen Lager einzudämmen, das stärker ist denn je.“

Die linksliberale Tageszeitung „Le Monde“ äußert: „Die nächsten Monate werden äußerst schwierig. Mehrere Wahlen stehen 2019 an, die zu Wiederholungen der Wahlen in Bayern und in Hessen werden könnten.“ 

Und die als Tageszeitung gegründete, inzwischen einem Telekomunternehmer gehörende „Libération“ bemerkt: „Seit Wochen ist die Debatte über die Nachfolge von Merkel nicht mehr tabu, so verbraucht wirkt sie nach den 13 Monaten seit ihrem knappen Sieg bei den Bundestagswahlen.“

Italien: Freude bei den Populisten

Als „Ohrfeige für die CDU“ werteten noch am Sonntagabend italienische Kommentatoren übereinstimmend das Wahlergebnis in Hessen. Da die Bundeskanzlerin in Italien seit Langem sehr verehrt wird und sich manche eine solche politische Führung wünschen, ist die Nachricht von ihrem Rückzug umso schockierender. Die Stimmung auf der Straße entspricht aber nicht der Position der Regierung.

Von der Koalitionsregierung äußerte sich nur Vizepremier Matteo Salvini. Der Lega-Chef sagte bei einem Parteifest in der Nähe von Mailand: „In Hessen haben Sozialdemokraten und Christdemokraten gehörig einen auf den Hut bekommen, angefangen bei der Merkel.“ Für die Populisten gehört die Kanzlerin wie Macron und Kommissionschef Juncker zum Feindbild.

Lega und Fünf Sterne wollen bei den Europawahlen siegen und alle Verträge auf den Prüfstand stellen. Deshalb riskiert die Regierung in Rom auch den Haushaltsstreit mit Brüssel und zeigt sich unnachgiebig.

Schon nach der Bayernwahl hatte Salvini in gewohnt polemischer Weise getönt: „In Bayern hat die Veränderung gesiegt und die EU verloren, dieses alte System, das seit Langem in Brüssel schlecht regiert“, erklärte er. „Das ist eine historische Niederlage für Christdemokraten und Sozialdemokraten, während viele Freunde der AfD zum ersten Mal ins Regionalparlament einziehen. Arrivederci Merkel, Schulz und Juncker.“

Die Innenpolitik, vor allem die Krise wegen des Haushaltsstreits beschäftigt die Italiener jedoch mehr. Jetzt werde die CDU wohl zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz entscheiden, heißt es in einem Kommentar. Jens Spahn werden wenig Chancen gegeben. Jetzt beginne die Kanzlerinnendämmerung tatsächlich, meint der „Corriere della Sera“, das ist ein historischer Moment, denn sie wolle ja 2021 alle Ämter niederlegen.

USA: „Interne Angelegenheit für die Kanzlerin und das deutsche Volk“

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump bezeichnete Merkels angekündigten Rückzug von ihren Ämtern als „interne Angelegenheit für die Kanzlerin und das deutsche Volk“. Gleichzeitig verkündete das Weiße Haus, dass es weiter mit Merkel zusammenarbeiten und „diese Beziehung fortentwickeln“ wolle.

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1 Kommentar zu "Auslandsstimmen : „Großes Drama in Deutschland“ – So reagiert das Ausland auf Merkels Abgang als CDU-Chefin"

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  • Grosses Drama ist wohl was anderes. Frau Merkel hat richtig entschieden, und da sie
    stets diplomatisch reagiert hat sie sich verkniffen zu sagen: Macht Euren Dreck alleene!

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