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Ausschreitungen Randale in Stuttgarter Innenstadt – Polizei sieht keine politischen Motive

Hunderte Menschen haben sich in der Nacht Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Eine Drogenkontrolle soll der Auslöser gewesen sein.
21.06.2020 Update: 21.06.2020 - 17:32 Uhr 1 Kommentar
Polizeikräfte aus mehreren Städten wurden in der Nacht zum Sonntag nach Stuttgart beordert. Quelle: dpa
Randale und Plünderungen in Stuttgart

Polizeikräfte aus mehreren Städten wurden in der Nacht zum Sonntag nach Stuttgart beordert.

(Foto: dpa)

Stuttgart Bei schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei haben Hunderte Gewalttäter in der Nacht zum Sonntag die Stuttgarter Innenstadt verwüstet und mehrere Beamte verletzt. Krawallmacher schmissen Pflastersteine auf vorbeifahrende Polizeiautos, schlugen Schaufenster auf der Stuttgarter Shoppingmeile ein und plünderten Geschäfte – Schreie, Scherben und Chaos im schicken Einkaufsviertel.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich bis zu 500 Personen an den Krawallen. 24 wurden vorläufig festgenommen. 19 Polizisten wurden verletzt – einer davon ist nun dienstunfähig. Die Polizei sieht keine politischen Motive hinter der Gewalt, sie macht Partygänger und Krawalltouristen für die Eskalation verantwortlich.

Die Ausschreitungen nahmen den Angaben zufolge ihren Anfang mit der Drogenkontrolle eines Jugendlichen im Schlossgarten. Die Polizei habe gegen 23.30 Uhr einen 17-jährigen Deutschen wegen eines mutmaßlichen Drogendelikts kontrolliert, berichtete Polizeivizepräsident Thomas Berger am Sonntag bei einer Pressekonferenz im Stuttgarter Rathaus.

Sofort hätten sich 200 bis 300 Personen aus der örtlichen „Partyszene“ mit dem Jugendlichen solidarisiert und die Beamten vor Ort mit Steinen und Flaschenwürfen angegriffen. Auf dem Schlossplatz sei die Gruppe dann auf 400 bis 500 Personen angewachsen.

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    Mehrere Handyvideos im Internet dokumentieren das Ausmaß der Gewalt. Junge Männer, viele von ihnen vermummt, ziehen randalierend durch die Einkaufsstraßen. Polizeihubschrauber fliegen über die Stadt. Bei den Ausschreitungen wurden laut Polizei 40 Geschäfte beschädigt und neun Läden geplündert.

    „Die Situation ist völlig außer Kontrolle“, kommentierte ein Polizeisprecher am frühen Sonntag die Lage. Auf einem Videoclip ist zu sehen, wie ein vermummter Mann einem knienden Polizisten mit Anlauf und mit beiden Beinen von hinten in den Rücken springt. Der Beamte stürzt, die Zuschauer johlen.

    Insgesamt waren in der Nacht 280 Polizisten im Einsatz. Etwa 100 Beamte wurden aus der Region hinzugezogen, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Polizeivizepräsident Berger, der seit 30 Jahren Polizist ist, sagte: „Solche Szenen hat es noch nie gegeben.“

    Oberbürgermeister verurteilt Ausschreitungen

    Die Krawalle hätten gegen Mitternacht begonnen, sagte der Polizeisprecher. Am Sonntagmorgen waren noch die Schäden zu sehen: So waren die Schaufensterscheiben mehrerer Handyläden eingeschlagen.

    Quelle: dpa
    Zerstörtes Schaufenster

    Unter anderem waren auch ein Eiscafé auf der Königstraße und ein bekanntes Bekleidungsgeschäft nahe dem Charlottenplatz von der Randale betroffen. Zur Sicherheit bleibe die Polizei mit einem Großaufgebot in der Innenstadt präsent, sagte der Polizeisprecher am Morgen.

    Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) verurteilte die Ausschreitungen scharf. „Eines muss klar sein: Es darf keine rechtsfreien Räume in Stuttgart geben“, teilte Kuhn am Sonntagmorgen auf Twitter mit. „Ich bin schockiert von dem Ausbruch an Gewalt, von den Angriffen auf die Polizei und den Zerstörungen in unserer Stadt. Das ist ein trauriger Sonntag für Stuttgart.“

    Der Stuttgarter Polizeipräsident Franz Lutz sprach von einer „nie da gewesenen Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibeamte“ – und kündigte an, in den kommenden Wochen mit verstärkten Kräften in der Innenstadt unterwegs sein zu wollen. Die Ausschreitungen waren seinen Angaben nach aber nicht politisch motiviert.

    „Wir können aus der momentanen Sicht der Dinge eine linkspolitische oder überhaupt eine politische Motivation für diese Gewalttaten ausschließen.“ Von den 24 Festgenommenen sind laut Polizei zwölf Deutsche und zwölf Nicht-Deutsche. Sieben Personen werden dem Haftrichter vorgeführt.

    Innenausschuss-Sondersitzung beantragt

    Politiker aus Baden-Württemberg haben mit Entsetzen auf die gewaltsamen Ausschreitungen in der Stuttgarter Innenstadt reagiert. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat sie scharf verurteilt. Er sprach am Sonntag von einem „brutalen Ausbruch von Gewalt“.

    „Diese Taten gegen Menschen und Sachen sind kriminelle Akte, die konsequent verfolgt und verurteilt gehören“, teilte der Grünen-Politiker mit. „Die Bilder aus der Stuttgarter Innenstadt können uns nicht kaltlassen.“ Seine Gedanken seien bei den verletzten Polizeibeamten und den durch die Plünderungen Geschädigten. Nun müsse man die Faktenlage und Erkenntnisse zusammentragen und mit Hochdruck klären, wer dahinterstecke.

    FDP- und SPD-Fraktion kündigten eine Sondersitzung des Innenausschusses im Landtag für kommende Woche an. Innenminister Thomas Strobl (CDU) müsse dort ausführlich über die kriminelle Gewalt und seine Maßnahmen zum Schutz von Gesellschaft und Polizei berichten, forderte FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke.

    Auch der innenpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Uli Sckerl, sagte, es sei geboten, dass sich der Landtag mit einer Sondersitzung des Innenausschusses ein Bild von der Lage mache. „Diese ist jetzt noch viel zu unübersichtlich, um aus der Ferne bereits voreilige Schlüsse zu ziehen und Schuldige zu benennen“, sagte er.

    Der Stuttgarter City-Manager Sven Hahn zeigte sich schockiert über die nächtliche Zerstörungswut in der Innenstadt. „Die Randale und die Schäden der vergangenen Nacht treffen die Stuttgarter Innenstadt in ihrer ohnehin schon schwierigsten und härtesten Zeit seit Jahrzehnten“, sagte Hahn, der Geschäftsführer der City-Initiative Stuttgart ist, eines Verbunds aus Händlern, Gastronomen, Hoteliers und Kulturbetrieben.

    Sascha Binder, Innenexperte der SPD-Landtagsfraktion, sprach von bürgerkriegsähnlichen Zuständen. „Straßenschlachten solchen Ausmaßes kennen wir in Baden-Württemberg nicht, und der Innenminister muss alles dafür tun, damit dies nicht zur Normalität wird.“

    „Die Täter müssen die volle Härte des Gesetzes spüren“, so reagierte der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Reinhart auf die Ausschreitungen. „Wer die Stuttgarter Innenstadt in ein Schlachtfeld verwandelt, darf weder auf Verständnis noch auf Milde hoffen.“

    • dpa
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    1 Kommentar zu "Ausschreitungen: Randale in Stuttgarter Innenstadt – Polizei sieht keine politischen Motive"

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    • Der Linke (Rot, Dunkelrot) - Grüne Hass auf die Polizei, die Aussagen aus diesen Reihen, dass alle Polizisten Rassisten seien hat dazu geführt, dass jeder Krawallpöbler, Drogendealer meint, die Polizei hätte ihm/ihr nichts mehr zu sagen und kontrollieren lasse man sich von der Polizei schon gar nicht mehr, ganz im Gegenteil man hätte sogar ein Recht darauf Polizisten anzugreifen.
      Die ANTIFA-(...) machen es denen ja seit Jahren vor. G20-Gipfel in Hamburg – Vier Tage Krawallausnahmezustand, Plünderungen – (...) - und was war das Ergebnis? Verurteilungen so gut wie keine oder höchstens einmal, wenn es absolut nicht anders ging die Mildeste Strafe die möglich war. Es wurde und wird bis heute die schützende Hand von Linken (SPD, Die Linke/(...))- und Grünenpolitiker, aber auch von den Medien, über diese gewaltbereiten (...) gehalten.
      Anstatt Strafverfolgung erhalten diese Organisationen auch noch Geld vom Staat, dass diese Parteien ihnen über dubiose Zuschüsse zuschustern.
      Wenn der Staat seinem Gewaltmonopol nicht mehr nachkommen kann oder besser gesagt nicht mehr gegen alle nachkommen will, dann geht es zurück in die Hand des Bürgers.
      Das ist zwar eine schlechte, aber die einzige Möglichkeit um Sich und sein Eigentum zu schützen, wenn der Staat vor der Gewalt kapituliert hat und nur noch bei den Zerstörungen zusieht hat er jedes Recht auf das Gewaltmonopol verloren.

      (...) Beitrag von der Redaktion editiert. Unterstellungen oder Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argument, die durch keine Quelle gestützt werden, sind nicht erwünscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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