Außenhandel Wirtschaft kritisiert Zollpolitik der EU

Antidumpingzölle auf Stahlschrauben aus China sorgen für erhebliche Lieferengpässe. Die Zollpolitik der EU gegenüber China wurde von der WTO als protektionistisch gebrandmarkt. Nicht nur der BGA-Präsident Börner fordert Änderungen.
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Die Zollpolitik der EU steht in der Kritik. Quelle: dpa

Die Zollpolitik der EU steht in der Kritik.

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BERLIN. Die deutsche Wirtschaft geht mit der Zollpolitik der Europäischen Union hart ins Gericht. Konkret geht es um die Antidumpingzölle der EU auf chinesische Stahlschrauben, die kürzlich auch die Welthandelsorganisation WTO kritisiert hat. "Der WTO-Abschlussbericht zu Antidumpingzöllen auf Stahlschrauben bestätigt unsere Einschätzung, dass die Antidumpingpolitik der EU klar protektionistische Züge trägt", sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Groß- und Außenhandel, dem Handelsblatt. Die EU sei nach der Rüge durch die WTO nun in der Pflicht, ihre Antidumpingregeln zu korrigieren, forderte der Verbandspräsident.

Zölle von bis zu 87 Prozent

Die WTO hat nach einer Beschwerde der chinesischen Regierung die Antidumpingzölle der EU auf Stahlschrauben untersucht und als protektionistisch gebrandmarkt. Nach Auffassung der Welthandelsorganisation muss Brüssel seine Zollpolitik gegenüber der Volksrepublik China nun entsprechend anpassen.

Allerdings besteht für die EU zunächst die Möglichkeit, gegen den Beschluss der WTO Beschwerde einzulegen, was die angespannte Situation auf dem Markt für Stahlschrauben weiter verschärfen würde. Eine Anpassung der europäischen Antidumpingregeln würde es der EU erheblich erschweren, Zölle gegen China zu verhängen.

Nach Einschätzung des deutschen Schraubengroßhandels FDS führen die Antidumpingzölle von bis zu 87 Prozent zunehmend zu Lieferengpässen bei Stahlschrauben auf dem europäischen Markt. Wegen der völlig überzogenen Höhe wirkten die Zölle wie ein Importverbot. Innerhalb eines Jahres seien die Preise um durchschnittlich 30 Prozent gestiegen. "Die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ist das eigentliche Problem", sagte der FDS-Vorsitzende Florian Seidl. So seien die europäischen Schraubenhersteller kaum in der Lage, den gestiegenen Bedarf ausreichend zu decken. Lieferzeiten von drei bis sechs Monaten seien mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Der Bedarf an Stahlschrauben in Europa ist enorm. Im Schnitt brauchen Automobilhersteller für die Produktion eines Pkw bis zu 80 Kilogramm Stahlschrauben. Vor der Verhängung der Antidumpingzölle importierten die in der Europäischen Union ansässigen Unternehmen mehr als 600 000 Tonnen Stahlschrauben mit einem Wert von 575 Millionen Euro aus China. Mittlerweile ist der Markt aber erheblich eingebrochen.

"Wir verbuchen das Ergebnis der WTO-Untersuchung im Stahlschraubenfall zumindest als einen Teilerfolg", sagte BGA-Präsident Börner. Es sei allerdings schade, dass es dazu erst dieser Rüge bedurft habe. Auch der Schrauben-Verband fordert Brüssel auf, "die von der WTO geforderten Korrekturen umgehend vorzunehmen".

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