Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Außenwirtschaft Deutscher Osthandel erholt sich vom Corona-Tiefschlag

Der Osthandel brummt wieder. Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft appelliert um so dringender an Ungarn und Polen: Macht den Weg frei für den EU-Haushalt.
27.11.2020 - 01:14 Uhr Kommentieren
Die Regierungschefs Ungarns und Polens blockieren den EU-Haushalt per Veto. Aber ihre Länder profitieren von Brüssels Milliarden. Vor allem Polen ist die Wachstums-Lokomotive für den deutschen Osthandel. Quelle: dpa
Viktor Orban und Mateusz Morawiecki

Die Regierungschefs Ungarns und Polens blockieren den EU-Haushalt per Veto. Aber ihre Länder profitieren von Brüssels Milliarden. Vor allem Polen ist die Wachstums-Lokomotive für den deutschen Osthandel.

(Foto: dpa)

Berlin Der deutsche Handel mit Osteuropa, der schon heute allein mit den vier Visegrad-Staaten größer ist als der mit China oder den USA, hat im dritten Quartal das tiefe Corona-Loch hinter sich gelassen. Vor allem Polen wird wieder zum Wachstumsmotor: Allein im September legte der deutsche Handel mit der größten EU-Volkswirtschaft im Osten um weitere 3,1 Prozent zu. In den ersten neun Monaten sackte der deutsche Polenhandel nur um vier Prozent ab, während etwa Im- und Exporte nach und von Russland um 24,5 Prozent einbrachen.

Das ergaben Berechnungen des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (OA), die dem Handelsblatt vorliegen. Demnach bleibt Polen mit Abstand – mit 88 Milliarden Euro von Januar bis September – der größte Wirtschaftspartner im Osten. Der Handel mit Tschechien, Ungarn, Russland, Rumänien und der Slowakei gab zweistellig nach. Deutsche Ausfuhren erholten sich im September besonders stark nach Ungarn (+3,8 Prozent) und Serbien (+6,8 Prozent).

OA-Vorsitzender Oliver Hermes, der auch Vorstandschef des Dortmunder Pumpenbauers Wilo ist, freute sich über den sich wieder deutlich erholenden Warenaustausch, der seiner Meinung nach auch im Oktober angehalten hat. Zugleich appellierte er vor allem an Ungarn und Polen, ihre Blockade gegen den EU-Haushalt und den 750 Milliarden Euro umfassenden Corona-Wiederaufbaufonds aufzugeben: „Ein fortgesetztes Veto würde auch in diesen Ländern Entwicklungschancen verbauen und die Erholung der Wirtschaft gefährden“, sagte Hermes. Zugleich betonte er, dass in- und ausländische Investoren „Planungs- und Rechtssicherheit und keine Hängepartie“ bräuchten.

Es sei angesichts der derzeit deutlich heftiger als noch im Frühjahr in Osteuropa tobenden zweiten Welle nun umso wichtiger, dass sich die Europäische Union jetzt schnell auf einen neuen Haushalt und die Auszahlung der angekündigten Corona-Hilfen verständige. „Die europäische Wirtschaft wartet auf ein starkes Signal der Einigkeit und auf Rückenwind aus Brüssel“, meinte Hermes.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Vor allem Polen und Ungarn, die gegen den EU-Haushalt ihr Veto eingelegt haben, sollten bedenken, dass sie besonders stark von Strukturhilfen und Investitionen aus der ganzen EU profitierten. Das habe beiden Ländern viele neue Arbeitsplätze und Wachstum gebracht.

    Ungarn und Polen blockieren den Billionen-Haushalt und das Corona-Paket, um die geplante Einführung des sogenannten Rechtsstaatsmechanismus zu verhindern. Damit könnte die EU Gelder für Mitglieder einfrieren, die die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit verletzen. So soll verhindert werden, dass europäische Fördergelder in dunklen Kanälen versickern. Vor allem aus dem Umfeld der Regierungschefs Ungarns und Tschechiens, Viktor Orbán und Andrej Babis, hatte es zuletzt viele Beispiele dafür gegeben.

    Wirtschaftsinstitut verschlechtert Wachstumsprognose

    Das auf Osteuropa spezialisierte Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) geht für alle 23 Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas für 2020 mit einem Rückgang von durchschnittlich 4,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Allerdings hängt diese jüngste Prognose davon ab, ob die Pandemie jetzt ohne längere Lockdowns eingedämmt werden könne und staatliche Unterstützungsprogramme fortgesetzt würden.

    Mittelfristig geht das wiiw von einem durchschnittlichen Wirtschaftswachstum von 3,1% im Jahr 2021 und 3,3% im Jahr 2022 aus. Angesichts der aktuellen Lage scheine eine „Double-Dip“-Rezession nun unvermeidbar. Und das reale Bruttoinlandsprodukt werde in den osteuropäischen Ländern (mit Ausnahme Litauens, Serbiens und der Türkei) das Niveau von 2019 nicht vor 2022 erreichen.

    Für die Visegrád-Staaten (Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn) geht das wiiw für 2021 von einer deutlichen Erholung aus. Zuvor war vor allem für Polen mit einer Rückkehr zur Wirtschaftskraft von 2019 noch Ende nächsten Jahres ausgegangen worden.

    Ein Grund dafür ist, dass in Polen, Tschechien und anderen Staaten Osteuropas die zweite Coronawelle sich hoch auftürmt. In Polen etwa ist die Zahl der täglichen Ansteckungen mit dem Virus auf über 20.000 angestiegen – so viel wie in Deutschland bei nur halber Einwohnerzahl. Polnische Ärzte klagen über überfüllte Krankenhäuser mit Corona-Patienten. Krankenschwestern wollen nun wegen der unerträglichen Lage streiken.

    Mehr: Von Spanien bis Polen: Helfen EU-Milliarden gegen Arbeitslosigkeit?

    Startseite
    0 Kommentare zu "Außenwirtschaft: Deutscher Osthandel erholt sich vom Corona-Tiefschlag"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%