Auswärtiges Amt Westerwelle beschämt über Nazivergangenheit

Nach fünf Jahren Arbeit hat die Historikerkommission zur Nazi- Vergangenheit des Auswärtigen Amtes ihren Bericht übergeben. Minister Westerwelle äußert sich „beschämt“ darüber, dass auch die deutsche Diplomatie an den Nazi-Gräueln beteiligt war.
11 Kommentare
Außenminister Westerwelle wählt außergewöhnlich deutliche Worte zur NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes. Quelle: DAPD

Außenminister Westerwelle wählt außergewöhnlich deutliche Worte zur NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes.

HB BERLIN. Außenminister Guido Westerwelle hat sich ohne Einschränkungen zur Mitschuld des Auswärtigen Amtes an den Verbrechen der Nazi-Herrschaft bekannt. Das Ministerium sei in den Jahren 1933 bis 1945 „aktiver Teil der verbrecherischen Politik des sogenannten Dritten Reiches“ gewesen, sagte der FDP-Vorsitzende am Donnerstag in Berlin. „Es beschämt uns, wie das Auswärtige Amt und viele seiner Angehörigen während der Nazi-Herrschaft schwere Schuld auf sich geladen haben.“

Westerwelle bekam den Abschlussbericht einer international besetzten Historikerkommission überreicht, die fünf Jahre lang über die NS-Vergangenheit des Auswärtigen Amtes (AA) geforscht hatte.

Demnach war das Ministerium in den Hitler-Jahren stärker in die systematische Verfolgung und Ermordung von Juden verstrickt als bislang bekannt. Nach 1945 wurde dort erheblicher Aufwand betrieben, um die eigene Nazi-Vergangenheit zu vertuschen.

Von Grünen und Linken kam die Forderung, jetzt auch die Vergangenheit der anderen Bundesministerien untersuchen zu lassen.

Grünen-Vorsitzende Claudia Roth schlug vor, den für „Erinnerungskultur“ zuständigen Kultur-Staatsminister Bernd Neumann (CDU) damit zu beauftragen. Gerade Häuser wie das Gesundheits- oder das Wirtschaftsministerium stünden dabei „in der Pflicht“.

Die Kommission war 2005 vom damaligen Außenminister Joschka Fischer ins Leben gerufen worden, nachdem es Streit um Nachrufe für gestorbene Diplomaten mit brauner Vergangenheit gegeben hatte. Der Grünen-Politiker äußerte sich erschüttert über die Ergebnisse.

Westerwelle betonte, dass es auch künftig keine Nachrufe für belastete Diplomaten geben werde. „Nazis werden nicht geehrt.“ Für Diplomaten, die zweifelsfrei keine braune Vergangenheit haben, sollen Nachrufe aber wieder möglich sein.

Westerwelle distanzierte sich klar von der einstigen Lesart, das Ministerium sei im Dritten Reich ein „Hort des Widerstands“ gewesen.

Stattdessen sprach er von einer „Institution, die sich selbst als Elite verstand und in Wahrheit tief in Verbrechen versank“. Das AA habe sich mit „administrativer Kälte“ am Holocaust beteiligt. Dort habe man auch „frühzeitig über die verbrecherischen Methoden der deutschen Kriegsführung“ Bescheid gewusst.

Aus dem Abschlussbericht der Kommission ist inzwischen auch schon ein Buch („Das Amt und die Vergangenheit“) geworden. Der Leiter des Expertengremiums, der Marburger Geschichtsprofessor Eckart Conze, sagte, bei der Arbeit sei es nicht allein um das Verhalten von Diplomaten zur NS-Zeit und in den Nachkriegsjahren gegangen, sondern insgesamt um „Deutschland und seine Eliten“.

Zugleich verteidigte er seine Einschätzung, das gesamte AA sei eine „verbrecherische Organisation“ gewesen. „Das soll aber keine Gleichsetzung mit der SS bedeuten“, sagte Conze der Deutschen Presse- Agentur. An diesem Freitag wollen sich die Wissenschaftler bei einer internen Veranstaltung im Auswärtigen Amt heutigen und früheren Beschäftigten des Diplomatischen Dienstes stellen. Ihr Buch soll künftig fester Bestandteil der Diplomatenausbildung sein.

Der ehemalige Außenminister Fischer sagte bei der Buchvorstellung am Abend, das AA sei „Teil der Vernichtungsmaschinerie“ gewesen.

Erforderte, die Unterlagen des Amtes wie die aller anderen Ressorts ins Bundesarchiv zu überführen. „Mit der Sonderrolle muss Schluss sein.“ Sein Nachfolger Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von „Eliteversagen“: „Die Banalität des Bösen gab es nicht nur in Uniform. Sie trat auch in Frack und Nadelstreifen auf.“

Startseite

Mehr zu: Auswärtiges Amt - Westerwelle beschämt über Nazivergangenheit

11 Kommentare zu "Auswärtiges Amt: Westerwelle beschämt über Nazivergangenheit"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Localplayer: Sie beschreiben die Gefahr korrekt. Von Fischer, dem ehemaligen Hausbesetzer, Steinewerfer, Schulabbrecher und Aussenminister (ach wie peinlich das war) stammt die Aussage "Deutschland müsse von aussen eingehegt und von innen heterogenisiert werden". Einmal davon abgesehen, dass diese Aussage dümmlich ist (eingehegt werden müsste heute ganz andere Staaten) ist sie auch höchst rassistisch. Hat leider kaum jemand gemerkt...Offenbar ist Rassismus in Ordnung, wenn es gegen die "Richtigen" geht. Wehe dem Land, dass einen solch unpatriotischen Aussenminister hat.

  • @ Margit Steer

    ......... so sieht's aus! Und wenn die Grünen vollends an die Macht kommen sollten ......... dann gute Nacht ........ dann schafft sich Deutschland wirklich vollends ab ....... wo bleibt der Aufstand der Aufrichtigen?

  • [6] Carlos Anton
    -------------------

    sher gut beschrieben.


    Nun haben die Grünen wieder Aufwind in ihrer Nazibeschimpfung gegen uns Deutsche.

    Und Herr Westerwelle ist beschämt. Ach Gott, der Arme.

    ich bin ja mal gespannt, wann dieser Schwachsinn mit dem Nazikram mal aufhört.
    Das ist Vergangenheit, die war schlimm, ja und zwar sehr sehr schlimm, das ist keine Frage und das sollte in die Gescichtsbüchr und unseren Kindern wertfrei und vor allem unideologisch vermittelt werden.
    Aber dieses ständige Aufkochen und vor allem anschließend konservativ mit rechts zu vermischen, geht mir so langsam aber sicher enorm auf die Nerven.
    Die Frage muß ja mal gestellt werden, was wollen unsre Politiker damit bezwecken?
    Die Deutschen klein halten?
    Das tun sie doch seit 20 Jahren schon, seit der Wende.
    Genau seitdem wird doch die Nazikeule wieder so heftig geschwungen, denn in der DDR war diese Zeit kein Thema, da wurde gar nichts aufgearbeitet. Da waren die alten Nazis bald in der SED und schikanierten nun die Menschen von links. Und die Wendehälse und blockflöten, die nach der Wende so schnell in unsre Parteien kamen, meinten nun, wir müßten nun endlich die Nazizeit aufarbeiten.
    Wir, die alte bundesrepublik hatten diese Zeit aber sehr gut aufgearbeitet, dank der 68er. Wir wurden für die gute Aufarbeitung sogar von der Welt dafür gelobt. Andere Länder in Europa haben dies bis heute nicht getan. Denn auch da wurden Greuel begangen.
    Aus Frankreich rollten noch Züge mit jüdischen Waisenkindern in die Vernichtslager nach Deutschland. Dies konnte nur funktionieren mit französicher Hilfe.
    Und so ist es in allen andren Ländern.
    Anne Frank wurde nicht von Deutschen verraten sondern von Holländern
    Und nun wieder was Neues? Dass die alle nicht astrein waren, ist doch bekannt. bis auf wenige Ausnahmen. Also zu was jetzt noch eine neue Studie 65 Jahre nach Kreigsende?
    Haben unsere linken Deutschhasser keine anderen Sorgen?
    Wer hat denn diese Historiker damit beauftragt, diese Naziklamotte nun noch einmal hervor zu holen?
    Damit sich die Nazikeule nicht abwetzt, die uns Teile der Politiker, die Grünen allen voran und die Linken ja auch, ständig um die Ohren hauen, wenn wir wagen konservativ zu sein?
    Von was will man denn ablenken damit?
    Von den linken sozialistischen Verwerfungen in usnrem Land. Der Marsch in einen neuen Sozialismus also eine neue Diktatur ist doch längst da.
    Unsere Demokratie ist doch ohnehin nur noch eine Pseudodemokratie. Denn wir bekommen doch jetzt schon ständig die Nazikeule um die Ohren, wenn wir nicht politisch korrekt sind. Und politisch korrekt ist nun einmal stramm links, das hat unsere Politik so vorgegeben.
    Einen neuen sozialistischen Staat ist doch das, was vor allem die Grünen wollen. Die Deutschen komplett zerstören und da kommt ihnen jede Nazisache und jede neue Studie recht.
    Es gibt über diese Zeit sehr viel wirklich gute Literatur, da weiß man doch, dass auch das Außenministerium in die Digne verwickelt war, bis auf einige Ausnahmen, die gab es üerall
    Wie wäre es eigentlich wenn die Grünen mal in die USA gingen und dort Nachforschungen anstellen über die früheren Sudstaaten, oder die indianer-Verfolgung.
    Jedes Land hat seine Verwerfungen.
    Aber das ist uninteressant, Nazis sind viel wichtiger, man muß das immer schön am Köcheln halten, bis der letzte Deutsche weg ist.
    Müssen unsere Enkelkinder auch noch für die Nazis herhalten?
    Ach, ich vergaß, die wird es nicht mehr so viele hier geben.
    Entweder die Deutschen sind bis dahin gänzlich ausgerottet oder aber haben vorher das Land verlassen, wie sie es ja jetzt schon in Scharen tun.
    Die Politik kann also ganz zufrieden sein, sie hat gute Arbeit geleistet
    Man sollte abr auch bedenken, dass das alles auch das Gegenteil bewirken kann. Zu viel ist nie gut.

    Die Detuschen sind wohl das einzige Land weltweit, was sich mit Verve selbst zerstört.
    Wichtig ist einigen polit. Teilen in usnrem Land, der beschämungsmechanismus wird immer gut geölt
    Dann ist die deren krude Welt in Ordnung.

    Man kann einem Volk nicht trauen , welches sich rund um die Uhr in intellektueller Selbstverachtung übt.
    Lennart Meri ; 1995

    Die Welt weiß alles, was die Deutschen getan haben; die Welt weiß nichts von dem, was den Deutschen angetan wurde.
    Patrick buchanan

  • @Zeitbeoobachter:

    Wobei mir ehrlich gesagt, die Feiertage zum glorreichen Sieg gegen den Franzmann oder unseres alten Kaiser Wilhelm's Geburtstag lieber wären!

  • Die regelmäßig vollzogenen beschämungsrituale der politischen Kaste der bRD, sind in etwa vergleichbar
    mit den Gedenk-und Feiertagen im Deutschen Kaiserreich 1871-1918 wie dem Sedanstag oder Kaisers Geburtstag. Sie werden mit dem Zusammenklappen der bRD genauso verschwinden,wie die Jubelfeiern mit dem Verschwinden des Kaiserreichs verschwunden sind.
    Nichts ist in der Geschichte so sicher wie Schwund,Verschwinden und Neuanfang.

  • Es gibt wahrscheinlich kaum mehr ein Dorf oder sonstige Gruppe, das noch keine Vergangenheitsbewältigung betrieben hat. Zwei Dinge sind bei diesem Spiel bedenklich:
    1) Man versucht die Nazis nach rechts zu rücken, obwohl sie eigentlich linksradikal und antibürgerlich waren und lenkt von den grossen Verbrechen der Kommunisten ab.
    2) Man beschäftigt sich überhaupt nicht ernsthaft mit der Frage, wie heute und in Zukunft eine Diktatur und Unfreiheit vermieden werden kann. Diesbezüglich kommt die Hauptgefahr eben nicht von den Rechtsradikalen, wie gerne suggeriert wird, sondern es droht ein Diktatur durch die Gutmenschen und PC-Vertreter.

  • P.C. gab es früher schon, gibt es heute und wird es auch künftig geben! Man kann die damalige Generation deshalb nicht als verwerflicher einstufen, als die jetzige .............. es gilt: "Dessen brot ich esse, dessen Lied singe ich!" ........ das ist nunmal menschlich!!!
    Deshalb kann ich auch diesem anhaltenden, mikroskopischen, deutschen Selbsthass nichts abgewinnen! Und Frau Roth soll - Entschuldigung -einfach mal die Schau.. halten!

  • Treffender als Herr Steinmeier kann man es nicht formulieren, nur hat er sich im Tempus vertan. Es muss richtig heissen: „Die banalität des bösen GibT es nicht nur in Uniform. Sie TRiTT auch in Frack und Nadelstreifen auf.“

  • Na klar.Das "Amt" soll "D. schafft sich ab" konterkarieren. Joschka Cipolla als Chef-Hypnotiseur schwingt den Zauberstab und Guido-Mario kümmt sich mit Lust und Pein.
    (man sollte mal wieder Th. Mann, "Mario und der Zauberer" lesen)

  • Wie überraschend! Als könnte gerade das Auswärtige Amt in einer Diktatur einen eigenen Weg gehen. Der eine oder andere wird es versucht haben. im übrigen hat Fischer die wohl Kommission so zusammengesetzt, dass das die richtige Gewichtung bei den Ergebnissen herauskommen musste. Vielleicht würde eine andere Kommission etwas andere Ergebnisse erarbeiten.

    im übrigen möge sich jeder selbst fragen, ob er/sie in einer Diktatur den Mut gehabt hätte, einen eigenen Weg zu gehen. Meine beobachtungen im Alltag legen das nicht nahe. bei den meisten versagt der Mut schon vor ganz bescheidenen Hindernissen. ich bin nach dem Krieg geboren, masse mir aber nicht an, über Menschen in dieser Zeit aus dem bequemen Sessel heraus zu urteilen.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%