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Autoindustrie Umstellung auf E-Mobilität gefährdet 410.000 Arbeitsplätze

Die Auto- und Zuliefererbranche verändert radikal ihr Geschäftsmodell. Ein Beratergremium der Bundesregierung hat errechnet, wie viele Jobs wegfallen könnten.
13.01.2020 - 04:00 Uhr 8 Kommentare
Umstellung auf E-Mobilität gefährdet 410.000 Arbeitsplätze Quelle: imago/wolterfoto
eGo-Produktion in Aachen

Die Forscher gehen davon aus, dass bis 2030 zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sind.

(Foto: imago/wolterfoto)

Stuttgart, Düsseldorf, Berlin Durch die Umstellung auf die Elektromobilität sind in Deutschland bis zum Jahr 2030 rund 410.000 Arbeitsplätze gefährdet. Allein in der Produktion des Antriebsstrangs, also bei Motoren und Getrieben, könnten bis zu 88.000 Stellen wegfallen, heißt es in einem Bericht der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM), der dem Handelsblatt vorliegt. Die Ergebnisse sollen an diesem Montag vorgestellt werden – zwei Tage vor dem für Mittwoch geplanten Autogipfel.

Der aktuelle NPM-Bericht macht deutlich, wie groß die soziale Sprengkraft durch die Transformation der Autoindustrie ausfallen könnte. Um Jobverluste zu minimieren, fordert eine NPM-Arbeitsgruppe unter Vorsitz von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann eine strategische Personalplanung der Unternehmen und regionale Qualifizierungszentren, in denen Firmen, Arbeitsagentur und Weiterbildungsträger zusammenarbeiten.

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Die Rechnung ist einfach: Ein Verbrennungsmotor besteht aus mindestens 1200 Teilen. Beim Elektromotor sind es nur rund 200. Damit ist klar: Je schneller die Mobilitätswende und die Umstellung auf das Elektroauto vorangetrieben werden, desto weniger Kolben, Getriebe oder Zylinderkopfdichtungen werden benötigt. Und desto mehr Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

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    Um die EU-Klimaschutzziele auch im Verkehrssektor einzuhalten, hat sich die Bundesregierung in ihrem Klimaschutzprogramm vorgenommen, bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf die Straßen zu bringen. Damit ändern sich auch frühere Annahmen über die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die von weniger ambitionierten Zielen ausgegangen waren.

    Die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität (NPM), die Experten aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Verbänden und Forschung zusammenbringt, hat deshalb neu rechnen lassen. Der Zwischenbericht der von IG-Metall-Chef Jörg Hofmann geleiteten Arbeitsgruppe 4 zur Strategischen Personalplanung und -entwicklung wird an diesem Montag veröffentlicht und liegt dem Handelsblatt vorab vor.

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    Der Bericht greift zwei frühere Untersuchungen zu Beschäftigungseffekten auf, die an die neuen Zielwerte angepasst wurden. Zum einen die Studie ELAB 2.0 des Forschungsinstituts Fraunhofer-IAO vom November 2018 und zum anderen eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aus dem gleichen Jahr.

    Fraunhofer hatte in einem eher konservativen Szenario ermittelt, dass die Zahl der Beschäftigten in der Fertigung von Antriebssträngen von damals rund 210.000 bis 2030 um 75.000 sinken könnte. Das Institut nahm hierfür an, dass bis 2030 ein Viertel der Fahrzeuge in Deutschland rein elektrisch betrieben wird, 15 Prozent Plug-in-Hybride sind und 60 Prozent noch einen Verbrennungsmotor haben.

    Weniger Bauteile, weniger Arbeit

    Mit diesem Mix lässt sich aber nach Einschätzung der NPM das EU-Ziel, den CO2-Ausstoß der Neuwagenflotte von 2021 bis 2030 um 37,5 Prozent zu senken, nicht einhalten. Deshalb wurde eine neue Variante mit 30 Prozent reinen Elektrofahrzeugen im Jahr 2030 durchgerechnet.

    Schon dieses nur wenig anspruchsvollere Ziel erhöhte den Arbeitsplatzabbau allein in der Antriebsfertigung von 75.000 auf bis zu 88.000. Betroffen wären dabei in erster Linie an- und ungelernte Arbeitnehmer in der Produktion.

    Weil elektrische Antriebsstränge weniger Bauteile umfassten, weniger wartungsintensiv seien und ihre Fertigung noch stärker automatisiert werde, reiche die Produktion von Elektrofahrzeugen allein nicht aus, um die Beschäftigung in Deutschland auf dem heutigen Niveau zu halten, sagte der Vorsitzende des NPM-Lenkungskreises und frühere SAP-Chef Henning Kagermann dem Handelsblatt.

    Er fordert: „Damit Deutschland als automobiler Produktionsstandort stark bleiben und für Beschäftigung sorgen kann, müssen wichtige Wertschöpfungsnetzwerke für die Antriebstechnik der Zukunft wie Batterien, Leistungselektronik, Brennstoffzellen möglichst vollständig in Deutschland und seinem europäischen Umfeld erhalten beziehungsweise aufgebaut werden.“

    Noch dramatischer stellt sich die Situation in der um ein neues Szenario ergänzten IAB-Studie dar. Sie untersucht nicht nur die Auswirkungen in der Antriebsfertigung, sondern in der Gesamtwirtschaft, also bei Autobauern und Zulieferern, aber auch in der Metallerzeugung und -bearbeitung oder im Maschinenbau. Im Extremfall stehen hier laut NPM-Bericht insgesamt 410.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon allein 240.000 im Fahrzeugbau.

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    Dabei gehen die Forscher davon aus, dass bis 2030 zehn Millionen Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sind und der Bestand bis 2035 auf 16,7 Millionen steigt.

    Scharfe Kritik an diesen hohen Zahlen zu möglichen Jobeffekten kommt vom Verband der Automobilindustrie (VDA): „Die Annahme, dass in den kommenden Jahren bis zu 410.000 Stellen wegefallen könnten, geht von einem unrealistischen Extremszenario aus“, versichert VDA-Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel.

    So werde erwartet, dass bis 2030 in Deutschland nur in geringem Umfang E-Autos und Batteriezellen gefertigt und die E-Mobile weitgehend aus dem Ausland importiert würden. „Diese Annahmen treffen nicht zu“, sagte Scheel. Auch IG-Metall-Chef Hofmann geht wie die NPM-AG davon aus, dass die Berechnungen so nicht eintreffen, zum Beispiel weil die Hersteller ihre Produktpalette ausbauten (siehe Interview).

    Die deutschen Hersteller würden bis 2023 ihr Angebot bei elektrifizierten Fahrzeugen auf über 150 Modelle verdreifachen, meint auch VDA-Mann Scheel. Ein Großteil davon werde in Deutschland produziert. Für die Antriebsfertigung allein hält man beim VDA aber ähnlich wie die NPM den Abbau von 80.000 Stellen für realistisch.

    Bei jedem Szenario sei aber klar, dass viele Unternehmen der Branche über kurz oder lang neue Wertschöpfungspotenziale identifizieren und ihre Geschäftsmodelle umbauen müssten, heißt es im NPM-Bericht.

    9000 neue Arbeitsplätze bei VW
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    8 Kommentare zu "Autoindustrie: Umstellung auf E-Mobilität gefährdet 410.000 Arbeitsplätze"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • " Die Zukunft des Autos spielt in China und Indien und die ist elektrisch."

      Herr Schultheiß, auch in China und Indien benötigen E-Autos Strom, um zu fahren. Und mit welchem Strom fahren sie in China vorzugsweise? Mit KOHLESTROM, weil es eben dort eine Menge Steinkohle gibt und daher auch laufend neue Kohlekraftwerke errichtet werden.

      "Warum ging die Steinzeit zu Ende?"
      Die Steinzeit wollen die Klimadeliranten aber ganz offensichtlich liebend gerne zurück haben. Das wird aber auch für sie selber alles andere als heimelig (wie sie es sich vielleicht vorstellen):
      "Der amerikanische Ökonom George Reisman hat ausgerechnet, was es für die USA bedeuten würde, wenn die Forderung der Klimawandel-Kommission der UN (IPCC) von einer Verminderung der CO2-Emission um 60 Prozent bis zum Jahr 2050 in die Tat umgesetzt werden würde. Bei einer bis 2050 auf 400 Millionen gestiegenen Bevölkerungszahl entspräche das einer Verringerung des CO2-Ausstoßes je Kopf der US-Bürger auf nur noch 30 Prozent der heutigen Emission.
      Da die Umwelt-Bewegten zugleich massiv gegen Atomenergie sind, bedeutet eine solche Reduktion nicht weniger als wirtschaftliche Totalzerstörung, Massenverarmung und Massentod. Der Umweltismus ist auf dem Weg, eine größere Katastrophe zu werden als der vormalige Sozialismus, denn er würde statt Hunderten von Millionen Menschen künftig Milliarden Menschen auf dem Globus den Tod bringen.“
      https://philippantonmende.com/2019/10/02/vom-klimawahn-zur-energiekrise/

    • Warum ging die Steinzeit zu Ende? An Steinmangel kann es ja nicht gelegen haben.
      Die Zeit der Verbrenner ist vorbei, ob mann das wahrhaben will oder nicht. Auch wenn das noch einige Jahre dauert. Es gibt ja noch heute Pferdekutschen. Selbst wenn in D. kein einiges E Auto gekauft wird, gehen die Arbeitsplätze verloren. Die Zukunft des Autos spielt in China und Indien und die ist elektrisch. Hier wird wieder versucht auf den Rücken von Beschäftigten Kapital zu schlagen. In PV und Windstrom sind auch über 100.000 Arbeitsplätze weggefallen, hat keinen interessiert. Wir retten aber mit Mrd. Aufwand Kohlejobs aus dem letzten Jahrhundert. Die Autoindustrie soll aufhören zu betrügen und rechtzeitig die Weichen stellen. 400.000 gut qualifizierte Beschäftigte können bei dem Fachkräftebedarf umgeschult werden, wenn man rechtzeitig beginnt. Ich befürchte aber die Autoindustrie und die von ihr ausgehaltenen Lobbyisten und Politiker werden es schaffen dem Staat und den Bürgern Millionen abzupressen um für ein paar Jahre länger Technologie vom letzen Jahrhunder zu verkaufen. Zukunftssicherung sieht anders aus. Es sollte gar nicht erst versucht werden Arbeitsplätze in sterbenden Branchen zu erhalten. Für dieses Geld sollten die betroffenen AN fit gemacht werden, für das kommt. Wer nicht mit der Zeit geht - geht mit der Zeit! Den Niedergang der deutschen Automobilindustrie hat nur einer zu verantwortrn - die deutsche Automobilindustrie und die von ihr ausgehaltenen Vasallen.

    • - Fortsetzung -

      Da man von Öko- Ideologen (...) keine braucbare Antwort bekommen kann, hier einmal eine fachkundige Antwort von ideologiefreien "Stromern":
      "Es gibt nur die vage Hoffnung der Akteure, es komme ausreichend und nachfragegerecht grüner Strom aus der Steckdose, wenn die Windanlagen und Solaranlagen verdreifacht werden.
      Ob das überhaupt möglich ist, wird verdrängt. Man verlässt sich auf Ingenieure, die das schon "schaffen werden". Aber kein einziger Ingenieur kann zaubern! Naturgesetze setzen unüberwindliche Grenzen! Eine sichere und bezahlbare Versorgung aus Windstrom und Solarstrom ist unmöglich! Das gilt auch, wenn die Anlagen verdreifacht werden. (...)
      Jederzeit können alle Ökostromanlagen abgeschaltet, ohne die Stromversorgung zu gefährden. Werden nur 10 Prozent der Dampfkraftwerke stillgelegt, steigt die Anzahl notwendiger Lastabwürfe bei Bedarfsspitzen erheblich an. Sichere Arbeitsplätze können nur erhalten werden, wenn die unsinnige teure Zwangseinspeisung mit Fakepower gestoppt wird und die preiswerten grundlastfähigen Kohlekraftwerke Basis der Stromversorgung bleiben. (...)
      Es ist eine Utopie, die BRD mit 65, 80 oder gar 100 Prozent Fakepower versorgen zu wollen.
      Bereits seit vielen Jahren wird bei Starkwind und hellem Sonnenschein bei gleichzeitig geringer Nachfrage das technisch mögliche Maximum von 55 Prozent Fakepower erreicht! Ohne Kohlekraftwerke existiert kein stabiles Stromnetz!"
      https://www.dz-g.ru/Kohlestrom-ist-unverzichtbar "
      https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-zurueck-zur-atomenergie-solche-ueberlegungen-sollte-man-getrost-vergessen/25342268.html

    • "Also zügig den ÖPNV ausbauen und schon entstehen viele neue Jobs..."

      Richtig, aber dafür braucht man ENERGIE , sehr viel Energie sogar. Und eben nicht die Art von Energie, die sie auf dem hübschen Foto im Artikel über Ökostrom und Tech-Konzerne weiter oben sehen:
      "Die wirtschaftszerstörerischen "Klimaschützer" wollen doch, wenn ich richtig liege, deutlich mehr Menschen vom Auto zum Umstieg auf die Bahn bewegen. Ich verfolge deren Ergüsse nicht mehr regelmäßig, weil ich auf meine eigene Gesundheit achte, aber die wollen glaube ich ja auch die Bahntickets quersubventionieren.
      Dummerweise benötigt die Bahn zum Fahren entweder Strom oder Diesel (= gaaaanz böse!).
      Und ich habe bis jetzt noch keinen ICE gesehen, der mit Windmühlen oder Solarpaneelen auf dem Dach angetrieben wird. Und Datteln 4 soll nun einmal Strom vor allem für das Bahnnetz produzieren.
      Kognitive Dissonanz der Grünen: leistungsfähiges Stromnetz der Bahn zerstören und Diesel dämonisieren, aber gleichzeitig mehr Menschen zum Bahnfahren "bewegen" wollen. ;-)
      Was müsste man also IDEOLOGIEFREI in Deutschland tun, um einmal Infrastruktur / flächendeckende Ladestationen für E-Mobilität möglich zu machen und der Bahn gleichzeitig ein leistungsfähiges Stromnetz zur Verfügung zu stellen??
      Einmal die Bagger rausholen und wieder das abbauen, was es in Deutschland genug gibt, nämlich Steinkohle, und gleichzeitig ein paar neue AKW´s errichten - und das für die Züge der Bahn ziemlich zügig..."
      Bitte schreiben Sie doch einmal, welche Kraftwerke Sie errichten wollen, um MEHR Züge anzutreiben (wenn tatsächlich nämlich MEHR Menschen auf die Bahn umsteigen würden!
      Ob Sie so denken weiß ich nicht, aber ich sage Ihnen, wie die "Klimaschützer" in ihrer kognitiven Dissonanz vermutlich denken: in Deutschland die "bösen" Kraftwerke abschalten, aber dafür etwa aus Frankreich Atomstrom und aus Polen Kohlestrom importieren!!

    • Wie wenig die Zahl 410000 Arbeitsplatzverluste stimmt, zeigt eine andere Zahl, die nicht von Staatsbeamten geschätzt (errechnet) wurde, nämlich 1.200 000 verlorene
      Arbeitsplätze.
      Bei dieser Zahl ist die KI nicht berücksichtigt.

    • Also zügig den ÖPNV ausbauen und schon entstehen viele neue Jobs. Man darf sich nie auf etablierten Dingen ausruhen sondern muss die Entwicklung voran treiben. Eine Fortbildungsqualifizierung Offensive ist jetzt angesagt.

    • ..ist ja interessant, vor kurzem waren es noch der Tropfen auf einen heißen Stein..50.000..jetzt sind wir schon mal bei fast 10% mehr.

    • Verschwiegen wird immer, dass mindestens genauso viele Jobs entstehen, jedoch hochqualifizierte. Das war aber schon immer so bei einer Technologie-Transformation

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